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Nach dem Rücktritt Glos weint sich aus – über Merkel

10.02.2009 ·  Der staatstragende Glos ist weg und der „alte Michel“ zurück. So sieht es die CSU-Landesgruppe, wo Glos sich kurz vor der Ernennung Guttenbergs zum Wirtschaftsminister bitter über die Kanzlerin beschwerte: „Sie hat immer geglaubt, ich hätte von vielen Dingen keine Ahnung.“

Von Wulf Schmiese, Berlin
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Michael Glos zeigt Tränen. Niemand wagt zu husten. „Ergriffen sitzen wir da und hören ihm zu“, sagt später jemand aus der CSU-Landesgruppe. „Anerkennende Stille“, nennt es ein anderer. Es ist Montagabend. Der CSU-Vorsitzende Seehofer hat am Vormittag als Glos´ Nachfolger Karl-Theodor zu Guttenberg bekannt gegeben. Glos verabschiedet sich von den 45 CSU-Bundestagsabgeordneten als Bundeswirtschaftsminister. Insgesamt spricht er eine gute halbe Stunde über die Gründe seines Rücktritts. Hängen bleibt bei den Parlamentariern vor allem einer: Glos fühlte sich allein gelassen von der Kanzlerin, lange schon.

Seit einer Stunde sitzt die Landesgruppe im Bierkeller der bayerischen Landesvertretung bei Spätzle und Huhn. Seehofers Leiter der Staatskanzlei Sigfried Schneider ist zu Gast und erläutert das Konjunkturpaket aus bayerischer Sicht. Als Glos verspätet den Raum betritt, bricht Beifall los. Glos setzt sich zu den Kollegen. Da Schneider den Rückflug nach München schaffen muss, soll er seinen Vortrag zu Ende führen. Er geht, dann spricht Glos: über sein Alter; dass er Jüngeren Platz machen wollte. Seinem Nachfolger Karl-Theodor von Guttenberg werde er alle Hilfe und Ratschläge zukommen lassen, wenn der es wünsche. Er beziehe ein gut bestelltes Haus, sagt Glos ihm zu.

„Da spricht der alte Michel“

Und allen verspricht er, selbst wolle politisch aktiv bleiben und nach der Bundestagswahl in den Bundestag zurückkehren zu wollen, dazu fühle er sich noch jung genug mit 65. „Staatstragend“ wirken die Worte des scheidenden Wirtschaftsministers. Dann sagt er noch, und seine Stimme stockt, seine zwölf Jahre an der Spitze der Landesgruppe seien seine besten Jahre gewesen. Die Landesgruppe klatscht begeistert. Der Minister ringt um Fassung.

Köhler ernennt Guttenberg zum Wirtschaftsminister

Nachfolger Guttenberg dankt Glos und verspricht, sich nun schnell einzuarbeiten. Dann danken Guttenbergs Nachfolger, der neue CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt und seine Stellvertrerin Dorithee Bär der Gruppe für Unterstützung. Der letzte Tagesordnungspunkt heißt „Allgemeine Aussprache“. Es wird über die bankrotte Hypo Real Etsate-Bank gesprochen. Glos meldet sich zu Wort. Und wie. „Da spricht der alte Michel“, so kommt es einem jungen Parlamentarier vor.

Der Beifall ist tosend

Mit Halbsätzen kanzele er die Kanzlerin ab, ohne sich dabei selbst zu schonen. „Sie hat immer geglaubt, ich hätte von vielen Dingen keine Ahnung“, sagt Glos. „Stattdessen hängt sie an den Lippen von Steinbrück, der sich jeden Satz aufschreiben lassen muss“, beklagt Glos zornig, dass Frau Merkel den Rat des sozialdemokratischen Bundesfinanzministers seinem vorgezogen habe. Er sei von der Kanzlerin häufig nicht beachtet, immer öfter aber „bewusst missachtet“ worden. Ihretwegen bestünden auch in der Union Zweifel an seiner Eignung als Wirtschaftsminister. Vor allem in der CDU sei der Eindruck vermittelt worden, „ich wäre zu dumm, einen Vermerk zu lesen“. Dabei habe er sich seit Beginn der Finanzmarktkrise mit allen Abläufen im Detail befasst. „Ich habe alles gelesen“, zitiert ihn ein aufmerksamer Zuhörer aus der Landesgruppe. Fast 20 Minuten dauert Glos´ zweiter Wortbeitrag. Der Beifall ist tosend, wie hinterher mehrere bezeugen werden.

Am nächsten morgen bringt eine einfache Frage den CSU-Landesgruppenchef Ramsauer aus dem Tritt: Warum ist Glos eigentlich zurückgetreten? „Ich sehe mich nicht recht in der Lage“, verhaspelt sich Ramsauer, „also ich könnte das jetzt nur mangelhaft beantworten“. Für Glos sei wohl „viel zusammen gekommen“. Der Respekt für Glos verbiete es ihm, fängt sich Ramsauer, nun zu interpretieren. Dienstagnachmittag wird Glos vom CDU/CSU-Fraktionsvorsitzenden Kauder vor allen 223 Unionsabgeordneten gelobt. „Langer Applaus“, simst einer nach draußen. „Sehr lang. Demonstrativ.“

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