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Nach dem „Peerblog“ Offline

 ·  Nach der Einstellung des „Peerblogs“ will die SPD Peer Steinbrücks Internetauftritt komplett neu gestalten. 

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© dpa Vergrößern Das Team von Peer Steinbrück will sich nun erst einmal auf den Ausbau der Websites des Kandidaten und der Partei konzentrieren statt auf weitere Blogs

Peer Steinbrück hat schon vor ein paar Jahren die Vorzüge moderner Kommunikation begriffen. Ein Teil des professionellen Journalismus wechsle die Seiten und  bediene Weblogs mit ungefilterten Informationen und parteipolitisch unabhängigen Recherchen, schrieb er 2010 in seinem Buch „Unterm Strich“. Als Vorbild nannte Steinbrück den Blog „Wir in NRW“, der im selben Jahr dem Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers das Leben schwergemacht und der CDU den Wahlkampf vermasselt hatte. Was lag da für den Kanzlerkandidaten Steinbrück näher, als einen eigenen Unterstützer-Blog zu gründen - mit Hilfe des Mannes, der schon in NRW die Fäden gezogen hatte?

Am vergangenen Sonntag ging „peerblog.de“ online. Am Donnerstag war die Website wieder offline. Dafür hatten zuerst digitale Angreifer gesorgt; sie ärgerten sich darüber, dass der Blog seine Geldgeber verschwieg. Der Betreiber sprach von „Erpressungsversuchen“ - und zog selbst den Stecker. Die Attacken hätten zu der Entscheidung geführt, „dass wir unsere Sponsoren, Unterstützer und uns selbst nicht länger diesen skrupellosen und inhaltsleeren Anfeindungen aussetzen wollen“.

So wehleidig, so schnell eingeschnappt? Das passte gar nicht zu den titanischen Ankündigungen, mit denen der Peer-Blog gestartet war. Statt „Wir in NRW“ sollte Barack Obamas Wahlkampagne das Vorbild sein. Als der Präsident das Weiße Haus betrat, habe ihm das Internet schon den roten Teppich ausgerollt. Von Amerika lernen heißt siegen  lernen - das war die frohe Botschaft. Und ihre Verkünder ließen keinen Zweifel an ihrer historischen  Mission zu: „Deutschland ist am Netz. Deutschland hat auch diese Chance. It’s a long run. Now we start!“

Maximal ungeschickt

Das Vorbild Amerika und die Macht des Internets - wenn es um Wahlkampf geht, dann fallen der SPD seit Jahren immer wieder diese beiden vermeintlichen Wunderwaffen ein. Mit möglicherweise fatalen Folgen, wie mancher in der Partei argwöhnt. In Amerika, findet etwa der SPD-Bundestagsabgeordnete Hans-Peter Bartels, seien die politischen Voraussetzungen nämlich ganz anders als hierzulande, denn dort existierten keine Parteien im hiesigen Sinne. In Deutschland aber gebe es nicht nur politische Parteien, sondern eine weitaus kritischere Öffentlichkeit als in den Vereinigten Staaten. Und auch das Internet werde in der SPD in seiner Wirkung weit überschätzt, sagt ein führender Genosse. Schon im vorigen Bundestagswahlkampf wollten die Strategen im Willy-Brandt-Haus das Netz zum „Herzstück“ ihrer Kampagne machen - die Partei landete dann bei 23 Prozent.

Die Skepsis teilen indes nur wenige in der Partei. Denn die Bedeutung des Internets ist nach vorherrschender Sicht in den vergangenen fünf Jahren eher noch gestiegen. Der Peer-Blog sollte, sagt Steinbrücks Sprecher Michael Donnermeyer, eine „unabhängige Interventionsplattform“ sein. Gerade die Debatten über Steinbrück in den vergangenen Wochen hätten gezeigt, wie schwierig es sei, mit den SPD-eigenen Medien gegen manche gängige Interpretation anzukommen, die durch das Netz befördert werde. Obama habe dagegen mit einer Internetpräsenz, die mit dem Kandidaten offiziell nichts zu tun hatte, die Debattenhoheit gegenüber dem politischen Gegner gewonnen, etwa der konservativen „Tea Party“. Allerdings gibt es nun auch in der SPD reichlich Kritik daran, wie der lange Lauf, den der Peerblog bewältigen sollte, begonnen wurde. Den Blog mit dem Namen des Kanzlerkandidaten zu verbinden und dann zum Start über Geldgeber zu informieren, sie aber nicht zu nennen sei maximal ungeschickt gewesen, heißt es.

Steinbrücks Berater habe das Ganze eingefädelt

Eine gewisse Überhöhung des Internets, der manche in der SPD anhängen, hat eben auch mit den Erfahrungen mit dem Blog „Wir in NRW“ zu tun. Den hatte der Journalist Alfons Pieper gegründet, lange Jahre stellvertretender Chefredakteur des großen Regionalblatts „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ (WAZ). Durch die Veröffentlichung zahlreicher E-Mails aus der CDU-Zentrale, vor allem aber durch die „Rent a Rüttgers“-Geschichte, die aufdeckte, dass die NRW-CDU Treffen mit dem Ministerpräsidenten für teures Geld vermarkten wollte, erreichte der Blog nach eigenen Angaben binnen vier Monaten eine Million Seitenaufrufe und 435.000 Besucher. Die Autoren des Blogs schrieben bis auf Pieper alle unter Pseudonymen, die früher der legendäre Kurt Tucholsky benutzt hatte. Sie hießen „Theobald Tiger“ oder „Leo Loewe“.

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