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Nach dem Anschlag in Afghanistan „Die Lage hat sich zugespitzt“

28.08.2008 ·  In Kundus haben die deutschen Soldaten Abschied von ihrem getöteten Kameraden genommen. Indes verlangen Politiker in der Heimat, das Konzept für den Bundeswehreinsatz zu überprüfen. Anfang Oktober entscheidet der Bundestag über eine Verlängerung des Mandats in Afghanistan.

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Einen Tag nach dem Anschlag auf die Bundeswehr im nordafghanischen Kundus haben die Soldaten dort mit einer Trauerfeier Abschied von ihrem getöteten Kameraden genommen. „Der gefallene Kamerad wurde sehr würdig verabschiedet“, sagte ein Bundeswehr-Sprecher am Donnerstag in Kundus. Danach sei die Leiche zum Luftwaffenstützpunkt Termes in Usbekistan geflogen worden. Die Ankunft des Toten in Deutschland werde „nach derzeitigem Stand“ am Samstag erwartet.

Der getötete Hauptfeldwebel gehörte dem im pfälzischen Zweibrücken stationierten Fallschirmjäger-Bataillon 263 an. Der 29-Jährige war am Mittwoch bei einem Sprengstoffanschlag getötet worden. Auch die drei deutschen Soldaten, die bei dem Anschlag leicht verletzt worden waren, seien an Bord der Maschine und würden zurück nach Deutschland fliegen, hieß es. Sie hatten auf eigenen Wunsch an der Trauerfeier im zivil- militärischen Wiederaufbauteam (PRT) in Kundus teilgenommen.

Der Sprecher sagte, die afghanischen Mitarbeiter im PRT hätten ihre Trauer über den Anschlag zum Ausdruck gebracht. Auch ihre Familien schämten sich. „Die Afghanen wissen, dass die (Internationale Afghanistan-Schutztruppe) ISAF hilft.“

Robbe: Afghanistan-Sicherheitskonzept neu prüfen

Der Anschlag vom Mittwoch war der dritte Angriff auf die Bundeswehr im Monat August. Der Bundestag entscheidet Anfang Oktober über eine Verlängerung des Bundeswehr-Mandats in Afghanistan. Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) hat die Aufstockung des deutschen Kontingents von 3500 auf 4500 Mann vorgeschlagen.

Indes hat der Wehrbeauftragte des Bundestags, Reinhold Robbe (SPD), eine Überprüfung des Sicherheitskonzepts gefordert. Zwar seien die Bundeswehrsoldaten in Afghanistan gut ausgestattet. Ausrüstung und Sicherheitskonzept müssten jedoch „immer wieder neu auf den Prüfstand gestellt werden“, sagte Robbe der „Passauer Neuen Presse“. „Nach jedem Anschlag muss genau untersucht werden, ob die Sicherheitslage noch verbessert werden kann.“

Verlässliche Hinweise, dass die deutschen Truppen verstärkt Ziel von Anschlägen seien, gebe es nicht, sagte Robbe der Zeitung. Die für den Herbst geplante Aufstockung des deutschen Afghanistan-Kontigents bezeichnet Robbe als „notwendig und ausreichend“.

„Gefährlicher Einsatz“

Auch die SPD-Verteidigungspolitikerin Ulrike Merten hat eine Überprüfung des Konzepts für den Bundeswehreinsatz am Hindukusch und eine Aufstockung des Kontingents verlangt. „Die Lage hat sich in allen Regionen des Landes zugespitzt“, begründete sie ihre Forderung. „Daraus muss man Konsequenzen ziehen.“ Das Wichtigste sei, dass die Nato für das ganze Land eine zusammenhängende Strategie entwickle.

Jetzt müsse es eine offene Diskussion über den Afghanistan-Einsatz geben, forderte Frau Merten. „Man muss den Bürgern sagen, dass dieser Einsatz gefährlich ist“, sagte die SPD-Politikern. Bei der Diskussion über eine Verlängerung des Bundeswehrmandates im Herbst im Bundestag müsse daher auch über eine Verstärkung der Truppen geredet werden. „Auf eine Situation, die eindeutig verschärft ist, muss man mit der Aufstockung der Kontingente antworten“, sagte Merten.

Unterdessen findet die Bundeswehr findet wegen zunehmend gefährlicher Auslandseinsätze immer weniger Freiwillige. Im Jahresvergleich sei die Zahl der Freiwilligen je nach Teilstreitkraft im laufenden Jahr um bis zu 62 Prozent eingebrochen, heißt es in einem internen Papier. Besonders bei Ärzten und Piloten seien die Zahlen rückläufig. (Siehe auch: Weniger Bewerber bei der Bundeswehr: „Dramatische Dimensionen“)

„100 Aufständische getötet“

Bei viertägigen Gefechten im Süden von Afghanistan sind nach Angaben der internationalen Streitkräfte mehr als hundert Aufständische getötet worden.

Die Rebellen hätten seit Montag Patrouillen der afghanischen und der internationalen Streitkräfte in der Provinz Helmand angegriffen. Diese hätten zurückgeschossen und Unterstützung aus der Luft angefordert, sagte ein Sprecher. Die Kämpfe dauerten am Donnerstag noch an.

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