http://www.faz.net/-gpf-6m896

Nach Boettichers Rückzug : Führungskrise in Nord-CDU

  • Aktualisiert am

Der schleswig-holsteinische CDU-Vorsitzende Christian von Boetticher in Kiel bei der Bekanntgabe seines Rücktrittes, hinter ihm sein Pressesprecher Bild: dapd

Schleswig-Holsteins CDU-Vorsitzender Christian von Boetticher ist zurückgetreten. Hintergrund ist eine frühere Beziehung zu einem damals 16 Jahre alten Mädchen. Boetticher sollte eigentlich Spitzenkandidat bei der vorgezogenen Landtagswahl werden.

          Der Vorsitzende der CDU von Schleswig-Holstein Christian von Boetticher ist am Sonntagabend nach einer Sitzung des Landesvorstandes in Kiel zurückgetreten. Grund ist ein mehr als ein Jahr zurückliegendes Verhältnis des heute 40 Jahre alten Politikers zu einem damals 16 Jahre alten Mädchen in Nordrhein-Westfalen.

          Boetticher sollte eigentlich Spitzenkandidat bei der vorgezogenen Landtagswahl im Mai 2012 werden. Boetticher sagte in einer kurzen Erklärung, er sei Anfang 2010 für mehrere Monate mit der jungen Frau zusammen gewesen: „Es war schlichtweg Liebe.“ Die „ungewöhnliche Beziehung“ sei „von unserem Umfeld“ akzeptiert worden. Zu dieser Zeit sei er noch nicht Parteivorsitzender gewesen. Boetticher sagte, er habe keinen privaten, wohl aber einen politischen Fehler begangen. Er habe stets „Geradlinigkeit und Berechenbarkeit“ in der Politik gefordert. Daran werde auch sein Privatleben gemessen.

          Boetticher wurde erst vor elf Monaten Landesvorsitzender - als Favorit von Ministerpräsident Peter Harry Carstensen. Dieser sagte, er habe im Juli von der Geschichte gehört und Boetticher auf „die Brisanz dieser Gerüchte hingewiesen“. Schon vor der Sitzung hatte Carstensen gesagt, er hoffe, dass Boetticher die richtigen Schlüsse ziehe.

          Jost de Jager und Torsten Geerdts mögliche Nachfolger

          Ob Boetticher Vorsitzender der CDU-Fraktion im Landtag bleibt, will die Fraktion nach Angaben einer Sprecherin am Dienstag entscheiden. Von Boetticher will zwar dieses Amt beibehalten, aber in der Partei gilt es als ausgemacht, dass es auch hier einen Wechsel geben muss.

          Die stellvertretende CDU-Landesvorsitzende Angelika Volquartz teilte mit, der geschäftsführende Landesvorstand nehme Boettichers Rücktritt „mit Respekt“ zur Kenntnis und würdigte dessen politische Leistung. Boetticher war allerdings in der Partei umstritten. Als mögliche Nachfolger werden nun Jost de Jager, der Wirtschaftsminister, und Torsten Geerdts, der Landtagspräsident, genannt.

          Derzeit regiert in Kiel eine Koalition aus CDU und FDP mit einer Stimme Mehrheit. Sie war im Jahr 2009 gewählt worden, nachdem die CDU die Koalition mit der SPD aufgegeben hatte. Die hohe Zahl der Überhangmandate, die für die anderen Parteien nicht vollständig ausgeglichen wurden, hatte zu Klagen vor dem Landesverfassungsgericht geführt.

          Das Gericht verlangte ein neues Wahlgesetz und Neuwahlen bis spätestens September 2012. Gewählt wird in Schleswig-Holstein nun am 6. Mai. Die CDU lag bisher in Umfragen knapp vor der SPD, für die der Kieler Oberbürgermeister Torsten Albig antritt.

          FDP respektiert Rücktritt

          Die FDP in Schleswig-Holstein reagierte mit Respekt auf den Rücktritt von Boettichers. Der Landesvorsitzende der FDP, Jürgen Koppelin, sagte am Montag in Kiel, er nehme die Entscheidung des Vorsitzenden des Koalitionspartners mit Respekt zur Kenntnis. „Ich danke dem scheidenden CDU-Landesvorsitzenden für die gute und stets faire Zusammenarbeit“, sagte Koppelin.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Panne bei Hessenwahl : „Fehler können passieren“

          Für den hessischen Landeswahlleiter ist der Rummel um Tausende falsch ausgezählte Stimmen am Wahlabend in Hessen unverständlich. Fehler seien normal, müssten aber korrigiert werden. Und er hat Verbesserungsvorschläge.
          Angela Merkel in Chemnitz

          Merkel in Chemnitz : „Nicht von denen die Tagesordnung vorgeben lassen“

          Bei ihrem Besuch in Chemnitz will Angela Merkel ein anderes Bild der sächsischen Stadt zeigen. Es sei schrecklich, dass ein Mensch gestorben sei, sagt die Kanzlerin. Das aber rechtfertige nicht, selbst Straftaten zu begehen.

          Richter urteilt gegen Trump : Jim Acosta kehrt ins Weiße Haus zurück

          Ein Bundesrichter zeigt Donald Trump die rote Karte und hebt die Verbannung des CNN-Reporters Jim Acosta aus dem Weißen Haus auf. Acostas Suspendierung sei „mysteriös“, so der Richter. Die Presse feiert einen Sieg.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.