10.01.2009 · Der Passauer Polizeichef Alois Mannichl hat Spekulationen zurückgewiesen, das Attentat auf ihn habe möglicherweise einen familiären Hintergrund gehabt. Einige Medien hatten zuvor von Ungereimtheiten in dem Fall berichtet. Auch der Verfassungsschutz hat nach eigenen Angaben bislang keine Hinweise auf einen rechtsextremistischen Hintergrund.
Mit Empörung hat der Passauer Polizeichef Alois Mannichl Spekulationen über einen möglichen familiären Hintergrund der Messerattacke auf ihn zurückgewiesen. „Ich bin wütend“, sagte Mannichl der „Passauer Neuen Presse“ und bezeichnete die Gerüchte als „Quatsch“. Zuvor hatte die „Süddeutsche Zeitung“ unter Berufung auf Ermittler über Ungereimtheiten und offene Fragen in dem Fall berichtet.
Der Leitende Oberstaatsanwalt Helmut Walch nannte es demnach „merkwürdig“, dass für den Angriff ein Messer aus dem Haushalt des Polizeichefs benutzt worden sei und dass bisher keine Fremdspuren auf diesem Messer gefunden worden seien. Allerdings bestritt auch Walch angebliche Hinweise auf eine Beziehungstat. Der Staatsanwalt verteidigte zugleich das Vorgehen der Ermittler. Sie hätten aufgrund der Hinweise des Opfers vor allem die rechtsradikale Szene im Visier gehabt, doch werde von Anfang an auch in andere Richtungen ermittelt.
Keine Erkenntnisse über rechtsextremen Hintergrund?
Auch dem Verfassungsschutz liegen trotz Beobachtung der rechten Szene durch V-Leute keine Erkenntnisse über einen rechtsextremistischen Hintergrund vor. „Hätten wir Hinweise, würden wir diese sofort weiterleiten. Das ist bisher nicht der Fall“, sagte der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Heinz Fromm, der Tageszeitung „Die Welt“. Der derzeitige Ermittlungsstand erlaube aber noch keine abschließende Bewertung.
Mannichl hatte ausgesagt, der Messerstecher habe ihm vor seiner Tat „Grüße vom Nationalen Widerstand“ ausgerichtet. Fromm sagte der Zeitung: „Der häufig als Parole gebrauchte Begriff ,Nationaler Widerstand' wird seit den Verbotsmaßnahmen in den 90er Jahren besonders von Neonazis verwendet, aber nicht ausschließlich.“ Jedenfalls firmiere unter diesem politischen Label keine bestimmte Gruppe.
Phantombilder unbrauchbar
Nach Angaben Walchs sind die bundesweit verbreiteten Phantombilder, die zwei mögliche Täter aus der rechtsradikalen Szene zeigten, unbrauchbar. Man zweifle mittlerweile an der Beobachtungsgabe der Zeugin. Zugleich klagte der Staatsanwalt über das Schweigen der Nachbarn, die Angaben zu dem Attentat machen könnten. Viele von ihnen seien erst auf eine „scharfe zweite Befragung“ hin zu Aussagen bereit gewesen.
Mannichl sagte, die Spekulationen über den Tathergang belasteten ihn sehr. Im Nachrichtenmagazin „Focus“ bezeichnete er die bislang erfolglose Fahndung als nicht ungewöhnlich: „Das ist ein ganz normaler Ermittlungsfall. Nur weil der Polizeidirektor das Angriffsziel ist, besteht für den Täter keine Veranlassung, die Visitenkarte an der Haustür zu hinterlassen.“