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Attentat auf Weihnachtsmarkt : Wo ist der Flüchtige?

Berlin aus der Luft: Unser Bild zeigt den Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz Bild: dpa

Auch am Tag nach dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt können die Regierung und die Behörden nicht sagen, wer ihn begangen hat. Die Suche nach dem Täter geht weiter. In der Hauptstadt herrscht Schrecken, Trauer – und Ungewissheit.

          Die Luft am Morgen danach fühlt sich noch kälter an als die am Abend der Tat. Der Turm der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche reckt seine 1943 im Zweiten Weltkrieg zerstörte Spitze in den grauen Berliner Himmel. Seit Jahrzehnten steht hier, inmitten West-Berlins auf dem Breitscheidplatz, gleich am Kurfürstendamm, ein Mahnmal gegen die Greuel des Krieges. Ein Symbol dafür, was passiert, wenn der Mensch den Boden der Zivilisation verlässt und gewalttätig wird.

          Eckart Lohse

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Wie ein riesiges Auge scheint das glaslose, runde Fenster in der Westseite des Gebäudes hinabzuschauen auf einen großen, schwarzen Lastwagen mit polnischem Kennzeichen. Das Fahrzeug steht am Fuße des Gotteshauses, dort, wo es überhaupt nicht hingehört, inmitten des alljährlichen Weihnachtsmarktes. Fünf Tage vor dem Heiligen Abend wurde die Bedeutung der Gedächtniskirche und des sie umgebenden Breitscheidplatzes als Mahnmal gegen die Gewalt auf mörderische Weise erneuert.

          Mit hoher Geschwindigkeit durch die Stände

          Es war zwei Minuten nach acht Uhr am Montagabend, als der Sattelschlepper aus westlicher Richtung, aus der Richtung des Bahnhofs Zoo kommend, auf das Gelände des Weihnachtsmarktes rollte. Das Fahrzeug war die Kantstraße in östlicher Richtung entlang gefahren. Unmittelbar vor dem Gelände des Weihnachtsmarkts macht die Straße eine scharfe Linkskurve. Wer an dieser Stelle geradeaus fährt, kann mit ziemlich hoher Geschwindigkeit auf den Breitscheidplatz fahren.

          Bild: F.A.Z.

          So tat es derjenige, der am Steuer des Lastwagens saß. Blockaden, etwa Betonklötze oder ähnliche Hindernisse, standen dort nicht. Zwischen den kleinen Verkaufsständen aus Holz hindurch, sechzig, vielleicht achtzig Meter weit fuhr der Lastwagen. Dann kam er zum Stehen, die Front so nach links gedreht, als habe der Fahrer zurückkehren wollen auf die Budapester Straße. Die Windschutzscheibe war zertrümmert, an der rechten Seite der Fahrerkabine hing eine große Tannengirlande, die das Fahrzeug mitgerissen hatte.

          Schnell war klar, dass es viele Opfer gegeben hatte. Bald war von neun Toten die Rede, von Dutzenden Verletzten. Einige von ihnen starben, so dass am Dienstag zwölf Tote und 50 Verletzte gezählt wurden. Die Zahl der Schwerverletzten wurde mal mit etwa zwanzig, mal mit dreißig angegeben.

          Um vier Minuten nach acht wurde die Polizei alarmiert, die am Ende mit 550 Einsatzkräften am Ort sein sollte. Mehr als 200 Mitarbeiter von Feuerwehr und Hilfsorganisationen kamen hinzu. Während auf dem Weihnachtsmarkt Chaos und Zerstörung herrschten, ging allerdings das normale Leben für einige, die sich in unmittelbarer Nachbarschaft aufhielten, zunächst noch weiter.

          Am Dienstagmorgen berichtete Pfarrer Martin Germer im Vorraum der Gedächtniskirche, dass er während der Tat im Europazentrum gleich hinter dem Weihnachtsmarkt gewesen sei. Erst als er es verlassen habe, da habe er gesehen, was passiert sei. In der Kirche fand nach Germers Aussage während der Tat sogar eine Chorprobe statt. Nur weil einer der Sänger zum Rauchen vor die Kirche gegangen sei, hätten die Chormitglieder gemerkt, was wenige Meter entfernt geschehen war.

          Noch am Abend überschlugen sich die Nachrichten. Einer der Toten war nicht von dem Sattelschlepper getötet worden, sondern wurde tot auf dem Beifahrersitz gefunden. Er war offenbar der ursprüngliche Fahrer des polnischen Lastwagens, saß aber nicht am Steuer, als dieser auf den Weihnachtsmarkt fuhr. Schnell verbreitete sich die Version, dass das Fahrzeug gekapert und der Pole vom späteren Todesfahrer erschossen wurde. Vor allem aber verbreitete sich schnell die Nachricht, dass ein Verdächtiger bereits verhaftet worden sei, an der Siegessäule im Tiergarten. Ein guter Läufer kann dort zu Fuß in zehn bis zwanzig Minuten hingelangen.

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