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Muslimische Schüler : Nicht ohne mein Kopftuch

Muslimische Schülerin auf dem Schulhof des Städtischen Gymnasiums in Wuppertal-Vohwinkel. Wie sie wohl zur Debatte um ein Kopftuchverbot steht? Bild: Martin Franke

Die Debatte um ein Kopftuchverbot ist zurück: Sollten Schülerinnen unter 14 Jahren eine islamische Kopfbedeckung tragen dürfen? Politiker sind sich uneins – was sagen die Betroffenen dazu? Teil 1 der Mini-Serie.

          Das Thema Kopftuchverbot für Schülerinnen unter 14 Jahren spaltet Politik und Öffentlichkeit in Deutschland. Die Integrationsstaatssekretärin von Nordrhein-Westfalen, Serap Güler (CDU), spricht sich für ein Verbot aus, weil sie die „freie Entfaltung des Kindes“ durch ein Kopftuch gefährdet sieht. Der deutsch-israelische Psychologe Ahmad Mansour sagt, dass Kinder mit Kopftuch sexualisiert würden. Und auch FDP-Chef Christian Lindner ist dafür, dass sich heranwachsende Teenager vor der Pubertät nicht das Haar verdecken dürfen, da dies in die Persönlichkeitsentwicklung eingreife.

          Martin Benninghoff
          Martin Franke

          Redakteur vom Dienst bei FAZ.NET.

          Anderer Meinung ist dagegen die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung Annette Widmann-Mauz (CDU). Sie sagt, dass ein Verbot nicht das „Problem, das dahintersteht“, löse. Der Zeitung „Welt“ sagte sie dazu: „Wichtig ist doch, dass wir uns fragen, wie wir an diese schwierigen Fälle rankommen.“ Die aktuelle Debatte, die vor wenigen Wochen in Österreich entbrannt ist, wird nun stellvertretend im bevölkerungsreichsten Bundesland Deutschlands geführt. Nordrhein-Westfalens Integrationsminister Joachim Stamp von der FDP will ein Kopftuchverbot prüfen, Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) unterstützt diesen Kurs. Aus der Sicht des Islamwissenschaftlers Mouhanad Khorchide mit gutem Grund: „In den meisten Fällen beeinflusst der Vater das Mädchen subtil dazu, Kopftuch zu tragen“, sagt der Leiter des Zentrums für islamische Theologie der Universität Münster.

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          Doch was sagen eigentlich die Schülerinnen und Schüler selbst dazu? Bisher wurden sie von Seiten der Politik kaum gefragt. Auch nicht, welche Motive es für das Tragen des Kopftuches gibt und ob dies freiwillig geschieht. Zahlen, wie viele Mädchen überhaupt von einem Verbot betroffen wären, sind nicht vorhanden. Sicher ist: Es gibt eine Vielzahl von Schülerinnen mit Kopftuch schon in der fünften Klasse, wie am Städtischen Gymnasium in Wuppertal zu sehen ist. Von den 795 Schülern ist rund jeder vierte muslimisch, etwas mehr als die Hälfte davon sind Mädchen. Aus den Aussagen (insbesondere) der Schülerinnen zum Kopftuch lassen sich verschiedene Faktoren ablesen, aber auch ein Junge hat seine Meinung dazu.

          Kopftuch – freiwillig oder erzwungen?

          Die 12 Jahre alte Elisa (alle Namen der Schüler geändert) hat von der Debatte um das Kopftuch gehört, sie ist schon in jungen Jahren damit vertraut, dass das Thema in Deutschland und nicht nur dort die Gemüter erhitzt und kontrovers diskutiert wird. Sie selbst ist seit der fünften Klasse verschleiert, jetzt geht sie in die siebte Klasse. Sie sagt: „Viele denken, dass wir das aus Zwang machen. Wir tun es freiwillig zum Dienst an Gott.“ Wenn eine muslimische Frau möchte, könne sie das Kopftuch jederzeit wieder abnehmen, so Elisa. Spätestens nach der Hochzeit aber sollte sie sich bedecken, „weil man ja schon einen Mann hat“.

          „Spätestens“, wirft ihr Klassenkamerad Ali ein, der alleine unter lauter Mädchen den Reportern Rede und Antwort steht. Für muslimische Frauen gebe es keine richtige Zeit, um mit dem Kopftuchtragen zu beginnen, sagt er. Aber auch er bemüht ein ähnliches Argument wie Elisa: „Wenn man einen Mann hat als Frau, dann können ja andere Männer die Haare sehen, und das ist wegen der Religion nicht gut.“

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