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Muslimische Schüler : „In Deutschland gehe ich nicht mehr schwimmen“

Muslimische und nicht-muslimische Schüler des Städtischen Gymnasiums in Wuppertal-Vohwinkel: Das Zusammenleben der Kulturen und Religionen funktioniert hier recht gut. Bild: Martin Franke

Wie leben muslimische Kinder ihre Religion? Wie klappt das Zusammenleben im Klassenzimmer? Wir haben Schülerinnen und Schüler eines Gymnasiums gefragt, wie sie es mit Beten, Fasten und Heiratsplänen halten. Ein großes Problem liegt bei deren Eltern. Teil 2 der Mini-Serie.

          Wann darf ich Sex haben? Darf ich vor der Ehe wenigstens küssen? Kann ich einen Christen heiraten? Oder einen Atheisten? Dass Jugendliche oft mehr Fragen als Antworten haben, ist keine Spezialität von Muslimen, und doch kann eine muslimische Jugend verdammt kompliziert sein. Die Zwillinge Aische und Lana (alle Namen geändert), die im Wuppertaler Stadtteil Vohwinkel in die neunte Klasse des Städtischen Gymnasiums gehen, finden Antworten bei Youtube, genauer: dem deutsch-muslimischen satirischen Jugendkanal „Datteltäter“. Hier erfahren sie zum Beispiel, dass Sex vor der Ehe eigentlich nicht erlaubt ist, Küssen aber irgendwie schon. Und vor allem, dass auch andere Muslime nicht nur die reine Lehre leben, sondern versuchen, sich in einem Dickicht aus weltlichen und religiösen Regeln irgendwie durchzuschlagen.

          Martin Benninghoff
          Martin Franke

          Redakteur vom Dienst bei FAZ.NET.

          Für die religiös erzogenen Kinder und Jugendlichen unter den 795 Schülern am Wuppertaler Gymnasium ist das eine besonders schwere Aufgabe. Rund jeder vierte Schüler ist muslimisch, das Gros sind Protestanten und Katholiken, 128 kommen ohne Bekenntnis aus. Rund 330 Schüler haben einen Migrationshintergrund, viele stammen aus der Türkei, aus arabischen Ländern und Staaten der ehemaligen Sowjetunion. Was viele Schüler eint, mit denen wir haben sprechen können: Sie sind religiös, beten regelmäßig und kennen sich mehr oder minder gut mit den Grundregeln ihrer Religionen aus. Das gilt auch für die Christen, die zum Teil evangelischen Freikirchen angehören.

          Und so ist auch der Islam für die 205 muslimischen Schüler Alltag. Larissa geht in die fünfte Klasse, ihre Eltern stammen ursprünglich aus dem Libanon. „Bei uns spielt Religion eine große Rolle, weil wir sollen ja die Regeln befolgen, die Gott uns in den Koran geschrieben hat“, sagt sie. Ein Mädchen aus der siebten Klasse: „Im Koran steht, dass Gott schon alles vorbestimmt hat.“ Ein anderes Mädchen, das die neunte Klasse besucht, sagt: „Ich bin sehr religiös und tue alles, was ein Muslim tun sollte. Fünf Mal am Tag Beten, dazu Spenden und Fasten.“ Die Kinder spenden teilweise Geld aus ihren Spardosen für wohltätige Zwecke – die soziale Abgabe, Zakat, ist eine der fünf religiösen Grundpfeiler des Islam. Eine Pflicht für gläubige Muslime. Einen islamischen Bekenntnisunterricht gibt es an der Schule nicht. Die muslimischen Kinder gehen entweder in den Philosophiekurs oder nehmen am evangelischen oder katholischen Religionsunterricht teil. Ein Schüler habe gesagt, der Religionsunterricht einer anderen Religion sei besser als der atheistische Philosophieunterricht, erzählt Schulleiter Kai Hermann. 

          Auffallen in der Multi-Kulti-Stadt Wuppertal?

          Da auch christliche Kinder wie die Fünftklässlerin Olga, deren Mutter aus Kasachstan und deren Vater aus Griechenland stammt, beten und in die Kirche gehen, fällt Religiosität am Gymnasium nicht weiter auf. Anders aber sieht es in der Außenwelt aus, selbst in der Multi-Kulti-Stadt Wuppertal, die einen Migrantenanteil von gut einem Drittel hat. Als die 14 Jahre alte Nadja, die in die neunte Klasse geht, ein Praktikum in einer Arztpraxis absolvieren wollte, verbot ihr die Chefin das Kopftuch. Also suchte sie sich einen anderen Platz. Für Max aus der fünften Klasse ist das Leben in dieser Beziehung leichter. Weder an seinem Vornamen noch seinem Aussehen kann man erkennen, dass seine Eltern aus der Türkei stammen. „Das merkt halt niemand“, sagt er.

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