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Muslime in Deutschland : „Wir wollen ohne Hass leben“

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Aiman Mazyek ist Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland Bild: dpa

Der Zentralrat der Muslime wehrt sich gegen den Vorwurf von Dieter Graumann, Präsident des Zentralrats der Juden, nicht genug gegen Antisemitismus zu tun. Im Interview spricht der Vorsitzende Aiman Mazyek über den „strukturell antirassistischen“ Islam und den Umgang mit Extremisten in den eigenen Reihen.

          Herr Mazyek, der Präsident des Zentralrats der Juden, Dieter Graumann, übt scharfe Kritik an muslimischen Verbänden. Sie täten zu wenig gegen Antisemitismus. Hat er Recht?

          Die jetzige Situation verlangt eine Unterscheidung zwischen einem legitimen Protest gegen die israelische Kriegspolitik und dem Versuch, über den Nahostkonflikt Antisemitismus zu verbreiten. Wir verurteilen Antisemitismus. Die Raketen der Hamas auf Wohngebiete in Israel sind völkerrechtlich ein Vergehen, die pausenlose Bombardierung eines der dichtbesiedelsten Wohngebiete der Welt durch die israelische Luftwaffe ist es eben auch. Beide Seiten sind dabei nicht gleich oder gleichartig, deshalb spricht man auch von einer Asymmetrie. Israel muss endlich den Palästinensern das Recht geben, zu leben und sich zu bewegen, und ihnen eine eigene Staatlichkeit zuerkennen.

          Was tun Sie genau?

          Mit Wort und Tat für Mitmenschlichkeit und Solidarität mit Menschen in Not einstehen. Ein Jude, Christ oder Muslim sollte für diese Werte seiner Religion kompromisslos einstehen. Keine falsch verstandene Verbundenheit mit Glaubensgeschwistern, wenn sie ein eklatantes Unrecht begehen.
           
          Hat der Zentralrat der Muslime mal Rundbriefe an die Gemeinden geschrieben? Oder wie sieht die Kommunikation aus?

          Über Gemeindebriefe, steten schriftlichen und telefonischen Kontakten zu unseren Gemeindevorstehern und über unsere Öffentlichkeitsarbeit. In den Freitagsgebeten und im Austausch gerade auch mit den Jugendlichen müssen und wollen wir uns auch im Hinblick der Demonstrationen mit dem Thema proaktiv auseinandersetzen. Konkret heißt das: friedlicher Protest und Aufruf zur sofortigen Ende des Krieges und Nein zum Antisemitismus. Bei allem Schrecken des Krieges ist es für uns ein hoffnungsvolles Zeichen, dass dies  überwiegend klappt. Wir sind uns dabei der Verantwortung als Deutsche bewusst.

          Sie haben gesagt, dass sich Antisemiten außerhalb Ihrer Gemeinden bewegen. Damit waren Sie der einzige namhafte Verbandsvertreter, der sich so deutlich zu dem Thema geäußert hat.

          Der Sprecher des Koordinationsrates der Muslime hat zum Ende der Gewalt im Nahen Osten aufgerufen und sich dann ähnlich geäußert.

          Aber niemand tat es so unmissverständlich wie Sie. Haben Sie eine Erklärung dafür?

          Es gibt im Koordinationsrat keinen Dissens darüber, ob man das Thema angeht, sondern lediglich in der Frage, wie man das tut, gibt es unterschiedliche Akzente. Denn gruppenspezifische Menschenfeindlichkeit ist aus religiösen Gründen schändlich. Der Islam bejaht Vielfalt und ist strukturell antirassistisch. Das müssen wir noch stärker in die muslimische Community hineintragen. Deswegen schäme ich mich, wenn muslimische Extremisten das Gegenteil davon machen, und es schmerzt mich ebenso, dass sie damit gegen die Grundsätze des Islam verstoßen. Ebenso dürfte es der jüdischen Gemeinde ergehen, wenn Radikale zur Vernichtung von Gaza aufrufen oder „Tod den Arabern“ rufen.
           
          Welche Reaktionen gab es auf Ihre Worte zum Antisemitismus?

          Ich habe meistens positive und unterstützende Rückmeldungen aus der muslimischen Community erhalten. Wir haben auch Hassmails bekommen, mutmaßlich auch von Muslimen. Aber man weiß ja nie genau, wer sich hinter den anonymen Absendern verbirgt. Darunter waren ganz heftige Sachen. Dass man uns in die Hölle wünscht, zum Beispiel. Noch mehr üble Reaktionen kamen von mutmaßlichen Rechtsradikalen. Das fängt beim Telefonterror in unserer Geschäftsstelle an und hört auf bei Mails, wonach Muslime vergast werden müssten, weil sie antisemitisch seien.

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