http://www.faz.net/-gpf-8ofpz

Elmar Hörigs Sendeausfälle : Früher Radio-Star, heute Facebook-Hetzer 

Einst ein gefeierter Radio-Star, jetzt Sprücheklopfer gegen Ausländer und Flüchtlinge: Elmar Hörig, hier auf einem Archivbild aus dem Jahr 2006 Bild: Picture-Alliance

Elmar Hörig war früher einer der bekanntesten Radio-Moderatoren Deutschlands. Jetzt macht er im Internet Stimmung gegen Flüchtlinge und Schwarze. Eine Landtagsabgeordnete aus Rheinland-Pfalz hat ihn deshalb angezeigt.

          In den Achtziger und Neunziger Jahren war Elmar Hörig ein gefeierter Radio-Star. Seine Sendung „Elmi Show“ bei SWF3 und später bei SWR3 war bei den Zuhörern so legendär wie seine Schlagfertigkeit, die vor nichts und niemandem Respekt hatte. Elmar Hörig, das war der Frechste unter den Frechen; ein cooler Hund, dem man deshalb auch manchen derben Spruch über Hitler, junge Mädchen oder Schwule verzieh. Für viele der heute 40-Jährigen war „Elmi“ ein Teil ihrer Jugend, an den sie noch immer gerne zurückdenken.

          Umso fassungsloser sind sie jetzt darüber, was aus ihrem Idol geworden ist. Denn schon seit geraumer Zeit sorgt der 67 Jahre alte Radio-Mann mit fremdenfeindlichen Äußerungen vor allem auf Facebook für Entsetzen bei seinen früheren Fans. Hörig, ein gelernter Lehrer mit 35.000 Followern, hetzt gegen Schwarze, postet menschenverachtende Bilder über Flüchtlinge, kritisiert die Verurteilung des niederländischen Rechtspopulisten Geert Wilders, der in einer Rede Marokkaner diskriminiert hatte, als „Schauprozess“. Seit dem dritten Adventswochenende aber hat die Erschütterung noch einmal eine neue Dimension bekommen. Auf Facebook postete Hörig ein Bild von drei Schoko-Nikoläusen. Zwei davon tragen weiße Ku-Klux-Klan-Masken, ein dritter, der nicht mehr in Stanniolpapier gekleidet ist, also schokoladenbraun daliegt, ist geköpft, dahinter stehen eine Kerze und ein kleines Holzkreuz. „Nicht vergessen, morgen 3ter Advent. Kerze?“ schrieb Hörig dazu – und löste damit einen Sturm der Entrüstung aus. „Unfassbar“, kommentierte eine Leserin, „rassistisch, armselig, primitiv und dumm“, schrieb ein anderer.  

          Der Post reiht sich ein in viele weitere, in denen Hörig, oft im Gewand der vermeintlichen Satire, unverhohlen gegen Flüchtlinge Stimmung macht. Am Tag der Schoko-Nikoläuse postete er auch das Bild eines Schwarzen, der in einer U-Bahn-Station auf die Gleise uriniert. Darüber schrieb er: „Asylantrag abgelehnt. Jetzt wieder Harnstrahlmessung in Timbuktu. All you need is Strom.“ Einen Tag später veröffentlichte er ein Video, in dem ein einzelner Mann auf einen Strand zuschwimmt. Hörigs Kommentar: „Meine gute Tat am 3ten Advent: Flüchtling gerettet.“ Die Reaktion der Fans: Ungläubigkeit. „Sie sind nicht der Elmar Hörig, den man vom Radio kennt“, kommentierte einer. „Oder Sie haben schlicht nicht mehr alle Latten am Zaun.“

          Auch die rheinland-pfälzische SPD-Landtagsabgeordnete Giorgina Kazungu-Haß war früher ein großer Fan des Moderators. Doch jetzt ist auch sie so fassungslos, dass sie Strafanzeige gegen Hörig erstattet hat – wegen des Verdachts auf Volksverhetzung und der Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole. „Ich beobachte den Abstieg von Elmar Hörig schon eine ganze Weile, aber jetzt reicht es“, sagt die 38 Jahre alte Politikerin, eine Deutsche kenianischer Abstammung, die dadurch auch persönlich betroffen ist. „Für mich ist der Ku-Klux-Klan, wie für alle schwarzen Menschen, eine unglaubliche Bedrohung, weil er eine reine Gewaltvereinigung ist, dessen einziges Ziel die Ausrottung der schwarzen Bevölkerung ist.“

          Eigentlich sei die Diskriminierung gegen Schwarze in Deutschland in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen, findet Kazungu. „Und ich möchte einfach nicht, dass Menschen, die so viele Follower haben wie Elmar Hörig, ungestraft ihr rechtes Gedankengut verbreiten können und diese Entwicklung wieder zerstören. Wehret den Anfängen.“

          Weitere Themen

          Merkel will „Lage neu bewerten“ Video-Seite öffnen

          Maaßen-Affäre : Merkel will „Lage neu bewerten“

          Sie halte dies für richtig und für notwendig, so die Kanzlerin. Zuvor hatte SPD-Chefin Andrea Nahles eine Neubewertung der Übereinkunft von SPD, CDU und CSU vom Dienstag gefordert.

          Was nun, Frau Nahles?

          Aufruhr in der SPD : Was nun, Frau Nahles?

          Nach der Maaßen-Entscheidung kocht die SPD-Basis vor Wut. Der Druck auf Andrea Nahles wird immer größer. Mit der Forderung nach neuen Verhandlungen versucht die SPD-Chefin einen Befreiungsschlag.

          Nahles will Maaßen-Deal neu verhandeln Video-Seite öffnen

          Koalitionsstreit : Nahles will Maaßen-Deal neu verhandeln

          „Die durchweg negativen Reaktionen aus der Bevölkerung zeigen, dass wir uns geirrt haben“, schrieb Nahles am Freitag an die Vorsitzenden von CDU und CSU, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesinnenminister Horst Seehofer.

          Topmeldungen

          Brexit-Verhandlungen : Schlichtweg inakzeptabel

          Die Zurückweisung auf dem EU-Treffen in Salzburg hat die Briten schockiert. Premierministerin Theresa May reagiert trotzig. Die Gegner ihres Plans im Land sehen sich aber bestätigt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.