Home
http://www.faz.net/-gpf-70ehv
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Mobbing bei den Piraten? Pirat: Wurde mit Lan-Kabel geschlagen

Nachdem der Bundespressesprecher der Piraten zurückgetreten ist, erhebt er schwere Vorwürfe gegen seine Partei: Es gebe etliche Fälle von Mobbing, sagte er der F.A.Z. Er selbst sei unter anderem beschimpft und mit einem Lan-Kabel geschlagen worden.

© dapd Gehören Schläge mit Lan-Kabeln zum Umgang bei den Piraten?

Der am vergangenen Freitag zurückgetretene Bundespressesprecher der Piraten, Christopher Lang, erhebt schwere Vorwürfe gegen seine Partei. Im Kampf um Posten gebe es etliche Fälle von „Mobbing“, sagte er der F.A.Z. Als Beispiel gab er an, dass er von einem Mitglied der Berliner Fraktion öffentlich beschimpft und auf einer Landesmitgliederversammlung „mit einem Lan-Kabel geschlagen“ worden sei. Der Abgeordnete weist die Vorwürfe als „totalen Blödsinn“ zurück.

Lang beklagt außerdem, dass der Ende April neu gewählte Bundesvorstand ihm ohne Angabe von Gründen das Vertrauen entzogen habe. Zudem habe die Parteispitze seine Kündigung an die Presse gegeben, so dass ein freiwilliger Rücktritt „nicht glaubhaft“ gewesen sei. Im Internet schreibt Lang: „Es reicht nicht Wasser zu prädigen (sic) und selbst Wein zu trinken, dieses Plädoyer trifft mich ebenso wie viele die es lesen, wir sollten uns dem nur stets bewusst sein. Wir können nicht anderen Parteien vorwerfen bürgerfern zu sein, Machtspielchen oder Grabenkämpfe zu spielen, zu mobben uvm. Wir müssen diesen Anspruch auch an uns selbst richten und mit guten Beispiel voran gehen. Wie sollen wir sonst beweisen, dass eine andere Art der Politik möglich ist?“

In der Partei heißt es aber auch, Lang habe sich darüber geärgert, dass der Vorstand nicht ihn, sondern Anita Möllering als Pressesprecherin auf 800-Euro-Basis eingestellt habe. Lang selbst arbeitete wie fast alle anderen aktiven Piraten ehrenamtlich. Der Vorstand soll außerdem mit seiner Arbeit unzufrieden gewesen sein.

Mehr zum Thema

Auch die ehemalige Beisitzerin im Bundesvorstand Gefion Thürmer, die bis vor kurzem die Pressearbeit koordiniert hat und im April nicht wieder in den Vorstand gewählt wurde, kritisiert in einem Blogeintrag die neue Parteispitze. Einige Vorstandsmitglieder hätten „aktiv destruktiv“ in das Presseteam eingegriffen. „Das Team wurde auf der eigenen Mailingliste angepampt, wo Motivation benötigt worden wäre.“ Zudem sei sie telefonisch gebeten worden, „die Schwachpunkte einzelner Personen zu benennen, damit man sich ihrer einfacher entledigen könne“. Unter diesen Bedingungen, schreibt Thürmer, werde „die Leistung und Qualität unserer Pressearbeit“ leiden. Es sei absehbar, dass „wir zukünftig in der Pressegruppe genausoschnell Personen verbrennen werden wie anderswo.“

Das frühere Bundesvorstandsmitglied Andi Popp dagegen schreibt auf seinem Blog, in der Pressegruppe der Partei hätten zunehmend „persönliche Animositäten“ darüber entschieden, welche Pressemitteilungen veröffentlicht wurden und welche nicht. Das wolle der neue Bundesvorstand nun ändern.

Quelle: F.A.Z./mkwa.

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Griechenland Umfrage sieht Syriza nicht mehr vorn

Kurz vor der Wahl in Griechenland ist der Vorsprung des früheren Ministerpräsidenten Alexis Tsipras und seiner linken Syriza-Partei weggeschmolzen. Erstmals liegt er nun in einer Umfrage knapp hinter einem seiner Konkurrenten.  Mehr

02.09.2015, 20:03 Uhr | Politik
Bootcamp in der Pampa Leibwächter-Ausbildung in Polen

In einem verschlafenen Dorf in Polen werden die Leibwächter der Zukunft ausgebildet. Die ESA-Akademie hat hier Straßenzüge aus Mogadischu nachgebaut, um so realistisch wie möglich trainieren zu können. Auf dem Programm des Bootcamps stehen außerdem die Abwehr von Piraten und Schießübungen. Mehr

11.06.2015, 13:31 Uhr | Gesellschaft
Beatrix von Storch Die Protestunternehmerin

Beatrix von Storch ist der Politprofi im rechtskonservativen Lager. Aber sie agiert nicht allein. Mit ihrem Mann hat sie ein Netzwerk aufgebaut. Nun ist sie bei der AfD ganz vorn dabei. Mehr Von Markus Wehner

29.08.2015, 19:42 Uhr | Politik
Im Alter von 93 Jahren Schauspieler Christopher Lee ist tot

Der britische Schauspieler Christopher Lee ist tot. Er soll bereits am Sonntag im Alter von 93 Jahren in verstorben sein, berichten britische Medien. Mehr

12.06.2015, 10:31 Uhr | Feuilleton
Kartellverfahren EU-Kommission legt gegen Google nach

Wettbewerbskommissarin Vestager sucht seit ihrem Amtsantritt im Herbst die Konfrontation mit dem Suchmaschinenanbieter Google. Nun verschärft sie den Ton abermals. Mehr

24.08.2015, 12:27 Uhr | Wirtschaft

Veröffentlicht: 06.06.2012, 14:10 Uhr

Orbáns Scheinheiligkeit

Von Stephan Löwenstein

Viktor Orbán legt die Defizite der EU-Flüchtlingspolitik bloß. Doch zur Lösung hat Ungarns Ministerpräsident nur Laissez-faire beizutragen. Seine Rhetorik entlarvt den Hintergedanken. Mehr 37