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Missbrauch in Katholischer Kirche Ein absehbarer Eklat bei der Aufklärung

Nach dem Zerwürfnis mit dem Kriminologen Christian Pfeiffer stehen die Bischöfe wieder als Vertuscher da. Es war ein absehbarer Eklat, der ihrem Willen zur echten Aufklärung nicht gerecht wird.

© dpa Vergrößern Der Kriminologe Christian Pfeiffer bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Trierer Bischof Stefan Ackermann im Juli 2011: Für beide Seiten stand viel auf dem Spiel

Professor Christian Pfeiffer war schnell, wie immer. Kaum sah sich die katholische Kirche in Deutschland im Winter 2010 nach den Berichten über sexuelle Übergriffe von Ordensleuten am Berliner Canisius-Kolleg dem Vorwurf ausgesetzt, Täter in ihren Reihen um jeden Preis geschützt zu haben, war der langjährige Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN) zur Stelle.

Daniel Deckers Folgen:

Es sei höchste Zeit für eine breitangelegte Untersuchung über sexuellen Missbrauch durch Priester, ließ er die Öffentlichkeit per Zeitungsartikel und einige Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz per Telefon wissen. Und die Bischöfe ließen sich das nicht zweimal sagen. Sie standen ja mit dem Rücken zur Wand, auch wenn die meisten Taten, die Gegenstand von Berichten wurden, lange zurücklagen und nach Kirchen- wie nach deutschem Strafrecht verjährt waren. Der Öffentlichkeit mussten sie neben Zeichen der Reue auch Werke der Buße präsentieren.

Pfeiffer kam da wie gerufen. Denn in Gestalt des protestantisch-sozialdemokratischen Kriminologen bot sich eine Persönlichkeit an, die nicht im Entferntesten im Verdacht stand, bei der wissenschaftlichen Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs im Raum der Kirche falsche Rücksicht zu nehmen. Überdies verfügte Pfeiffer, der in der kurzen Amtszeit des niedersächsischen Ministerpräsidenten Sigmar Gabriel in Hannover Justizminister war, auf dem Forschungsgebiet sexueller Missbrauch über eine im deutschen Sprachraum seltene Fachkenntnis. Am KFN, einem 1979 gegründeten Institut, das vom niedersächsischen Wissenschaftsministerium grundfinanziert wird, im Wesentlichen aber von drittmittelfinanzierten Forschungsaufträgen lebt, war schon 1982 eine Erhebung über sexuellen Missbrauch in Deutschland entstanden.

Der Kriminologe Christian Pfeiffer © AFP Vergrößern Der Kriminologe Christian Pfeiffer

Im Herbst 2010 konnten sich der Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz, der Jesuit Hans Langendörfer, und der Missbrauchsbeauftragte der Bischofskonferenz, der Trierer Bischof Stephan Ackermann, bereits über erste Vertragsentwürfe beugen. Das Vorhaben schien auf gutem Weg, so dass es die Bischöfe nicht für nötig hielten, das Forschungsprojekt öffentlich auszuschreiben. Ebenso wenig drangen Stimmen aus dem Raum der Wissenschaft und auch der Politik durch, die die Bischöfe gewarnt hatten, Pfeiffer mit dem Forschungsprojekt zu betrauen.

Effekthascherische Zuspitzungen

Denn der Wissenschaftler war nicht nur dafür bekannt, im Umgang mit Medien virtuos zu sein. Vor allem war er bei der Beurteilung von Jugendgewalt, Ausländerfeindlichkeit oder Kindstötungen mit Diagnosen und Ratschlägen schnell bei der Sache. Mehr als einmal erwiesen sich seine Einschätzungen als vorschnell, wenn nicht gar grundfalsch, seine politischen Zuspitzungen durchaus seriöser Forschungsergebnisse als effekthascherisch und die schillernden Kausalketten als wenig belastbar – was nicht nur unter Fachkollegen Befremden über einen „inkontinenten“ Kollegen hervorrief, sondern auch in der Politik zu Vorbehalten führte. Für beide Seiten aber stand zu viel auf dem Spiel. Das Projekt musste gelingen. Pfeiffer, Jahrgang 1944, winkte zum Abschluss seines Wirkens als Direktor des KFN die Krönung seines Lebenswerks. Und die Gruppe der an einer Aufarbeitung der Vergangenheit interessierten Bischöfe um Ackermann wollte die Gunst der Stunde nutzen und das Eisen schmieden, solange es heiß war – will sagen: solange das Interesse der Öffentlichkeit noch nicht erlahmt und der Druck auf die Kirche noch nicht abgenommen hatte.

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