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Missbrauch in Katholischer Kirche Bischofskonferenz stoppt wissenschaftliche Studie

Die Deutsche Bischofskonferenz hat eine Studie zum Missbrauch in der Katholischen Kirche gestoppt. Der Vertrag mit dem Institut des Kriminologen Pfeiffer wurde gekündigt. Pfeiffer nennt „Zensur- und Kontrollwünsche der Kirche“ als Gründe für das Scheitern.

© dpa Eine umfassende Aufarbeitung des Missbrauchsskandals der Kirche droht zu scheitern.

Die wissenschaftliche Aufarbeitung des Missbrauchsskandals in der Katholischen Kirche Deutschlands verzögert sich. Die Deutsche Bischofskonferenz will den sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch „katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige“ von einem neuen Vertragspartner untersuchen lassen. Der Verband der Diözesen Deutschlands (VDD) kündigte am Mittwoch den im Juli 2011 mit dem Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) geschlossenen Vertrag mit sofortiger Wirkung auf. Als Grund nannte der Missbrauchsbeauftragte der Katholischen Kirche, der Trierer Bischof Stephan Ackermann, das „zerrüttete Vertrauensverhältnis“ zum Leiter des Forschungsprojekts, dem Institutsdirektor Christian Pfeiffer: „Vertrauen ist aber für ein so umfangreiches und sensibles Projekt unverzichtbar.“ Bischof Ackermann, der sich derzeit in Israel aufhält, sagte dieser Zeitung weiter, dass sich Pfeiffer „Eigenmächtigkeiten“ gegenüber Mitgliedern der Bischofskonferenz erlaubt habe. Pfeiffer hingegen hatte der Kirche „Zensurforderungen“ und Widerstand gegen das Forschungsprojekt vorgeworfen.

Ackermann sagte, nicht belegte „Verdächtigungen“ über die angebliche Vernichtung von Kirchenakten zu Missbrauchsfällen hätten das Vertrauensverhältnis beschädigt. Pfeiffers öffentliche Kritik an der Bischofskonferenz und dem VDD erwecke in „gewisser Weise den Eindruck, dass er die fristlose Kündigung provoziert hat“. Denn eigentlich sei man in „Mediationsgesprächen“ über strittige Punkte des Forschungsprojekts aufeinander zugegangen. „Der Datenschutz etwa wäre kein unüberwindbares Hindernis gewesen.“ Er und die anderen Bischöfe bedauerten sehr, dass man nun einen neuen Partner finden müsse. „Das Projekt hat uns damals überzeugt. Aber beide Vertragspartner haben damals nicht überblickt, wie viele Detailfragen zu klären sind und welche Ängste es auslöst.“ Unter den Bischöfen habe es „kritische Stimmen“ gegeben, die gefragt hätten, welche Möglichkeit für die Veröffentlichung „abweichender Voten“ es in dem Abschlussbericht Pfeiffers gebe.

Zudem habe es „Vorbehalte“ des „Netzwerks katholischer Priester“ gegeben, sagte Ackermann. Auch kirchenrechtliche Vorgaben wie etwa für die Öffnung von „Geheimarchiven“ durch die Bischöfe hätten beachtet werden müssen. Die Bischofskonferenz sei aber weiter von der Notwendigkeit überzeugt, das Thema sexueller Missbrauch in der Kirche kriminologisch zu erforschen.

Zensurvorwürfe

Pfeiffer war zuvor in der „Süddeutschen Zeitung“ mit Zensurvorwürfen an die Öffentlichkeit gegangen. Der Bischofskonferenz warf der Kriminologe am Mittwoch vor, dass das Projekt an „wachsenden Widerständen“ im Verband der Diözesen gescheitert sei. Die Vorwürfe Ackermanns könne er „nicht nachvollziehen“. Vielmehr habe es „Zensurforderungen“ der Kirche an ihn und die Mitarbeiter seines Instituts gegeben. Der VDD habe Anfang Mai 2012 in einem neuen Vertragsentwurf, der auf den Einwänden der Erzdiözesen München und Freising sowie Regensburg basiere, beansprucht, dass die Forschungsergebnisse nur mit schriftlicher Genehmigung der Kirche veröffentlicht werden dürften. In einem späteren Entwurf sei diese „Zensurforderung“ abgeschwächt worden. Das Verbot der Veröffentlichung sollte zulässig sein, wenn „ein wichtiger Grund“ vorliege. Das KFN habe beide Regelungen abgelehnt, „weil sie nicht mit der Freiheit wissenschaftlicher Forschung vereinbar sind“.

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