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Werbung in Oberhausen : Yildirim schafft sich ab

  • -Aktualisiert am

Um wegen des deutschen Versammlungsrechts auf Nummer Sicher zu gehen, meldete sich Binali Yildirim für seine Rede als „Privatperson“ in Oberhausen an. Bild: AFP

In Oberhausen fordert der türkische Ministerpräsident ein Ja zur Verfassungsreform – als Privatmann. Er wirbt auch dafür, sein eigenes Amt zu streichen.

          Es ist ein seltsames Bild von der Lebenswirklichkeit der Deutschtürken, das sich in den Reden türkischer Politiker in Deutschland immer wieder offenbart. Man kennt es von den Auftritten des türkischen Präsidenten Erdogan, und man erlebt es auch bei der Rede des Ministerpräsidenten Binali Yildirim am Samstag in Oberhausen. „Ihr seid nicht alleine“, ruft Yildirim seinen Anhängern zu, „rund 80 Millionen Türken in eurer Heimat sind mit ihren Gedanken und Gebeten bei euch, euer Präsident und euer Ministerpräsident stehen hinter euch!“

          Man könnte meinen, es handele sich bei den rund 1,3 Millionen türkischen Staatsbürgern in Deutschland um eine schutzbedürftige, ausgegrenzte Minderheit, der türkische Politiker hin und wieder Trost spenden müssten. Bei den rund 8000 an diesem Nachmittag in der Oberhausen-Arena versammelten Menschen kommen die salbungsvolle Worte des Ministerpräsidenten gut an. Sie schwenken Türkeiflaggen und jubeln dem Ministerpräsident laut zu. Die Banner, die die Balkone der Arena säumen, verraten freilich, wem ihr Herz wirklich gehört: Das Konterfei Erdogans ist allgegenwärtig.

          Als der Ministerpräsident am frühen Nachmittag in der Oberhausen-Arena auf die Bühne tritt, hat er schon einen langen Tag hinter sich. Am Morgen war er noch auf der Münchner Sicherheitskonferenz, wo er unter anderem mit Bundeskanzlerin Merkel zusammentraf, nun steht er vor rund 8000 seiner Landsleute, um diese mit einer flammenden Rede auf ein Ja beim im April stattfindenden Verfassungsreferendum einzuschwören. Klingt anstrengend, ist aber keine so schwere Aufgabe. Das Publikum an diesem Nachmittag braucht kaum Überzeugungsarbeit, die meisten, die hier sind, haben sich eh schon lange für Erdogan entschieden – und das Referendum verstehen sie als Wahl für oder gegen ihn.

          Bei den Besuchern stößt man auf viel Ahnungslosigkeit

          Fragt man die Besucher der Veranstaltung, was sie von der Verfassungsänderung halten, für die hier geworben wird, stößt man auf viel Ahnungslosigkeit. Asli Yaman, 26 Jahre alt, die mit ihrer Mutter Atife Yaman angereist ist, argumentiert mit den viel zitierten Errungenschaften der AKP-Regierung Erdogans: „Schauen Sie sich die Türkei vor zehn Jahren an, und heute, man kann das nicht vergleichen, Erdogan hat das Land nach vorne gebracht“, sagt sie. Über die Vor- und Nachteile des Präsidialsystems, dem die geplante Verfassungsänderung den Weg ebnen soll, hat sie sich keine Gedanken gemacht. Sie vertraue Erdogan, sagt sie, und erwarte, dass die Verfassungsreform die Türkei wirtschaftlich noch weiter nach vorne bringen werde.

          Auch Elif Ünal, eine junge, elegant gekleidete Frau mit langen glatten Haaren und falschen Wimpern ist hier, „um ihr Vaterland zu unterstützen“, wie sie sagt. Sie wolle sich die Argumente für die Verfassungsreform anhören, habe aber nur wenig Zweifel daran, dass es das Beste für die Türkei wäre, eine neue Verfassung zu bekommen, als Basis für eine künftig noch stabilere Regierung. Vor einer Alleinherrschaft Erdogans habe sie keine Angst, sagt sie: „Die Türkei wurde jahrhundertelang von Alleinherrschern regiert, das parlamentarische System hat doch nur Unruhe ins Land gebracht, das hat man doch am Putschversuch im Sommer wieder gesehen.“

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