Home
http://www.faz.net/-gpg-u85f
Mehr Angebote
| Abo|Hilfe
Donnerstag, 16. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Michael Naumann Eloquent und selbstbewusst

07.03.2007 ·  Nun hat die Hamburger SPD doch einen prominenten Spitzenkandidaten gefunden. Michael Naumann war Schröders Kulturstaatsminister. An Eloquenz mangelt es ihm nicht, mitunter greift er verbal dennoch daneben. Ein Porträt.

Von Frank Pergande, Hamburg
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (4)

Nach wochenlangem Streit in der Hamburger SPD darüber, wer Spitzenkandidat bei der Bürgerschaftswahl 2008 sein soll, hat die Partei doch noch eine bekannte Persönlichkeit gefunden, die diese Aufgabe übernehmen will: Michael Naumann, einer der Herausgeber der Hamburger Wochenzeitung „Die Zeit“.

Anscheinend ist mit dem früheren Kulturstaatsminister schon länger verhandelt worden. In der Parteiführung hieß es jedenfalls, die Personalie sei keine Überraschung. Erst am Montag hatte der frühere Bürgermeister Henning Voscherau den Wunsch der Partei abgelehnt, gegen Bürgermeister Ole von Beust (CDU) anzutreten. Voscherau hatte damit die schwere Krise der Partei verschärft.

In Schröders Wahlkampfteam

Naumann, inzwischen 65 Jahre alt, arbeitete als Journalist, unter anderem bei der „Zeit“ und beim „Spiegel“. Später wurde er Verleger. Der SPD-Kanzlerkandidat Gerhard Schröder holte ihn 1998 in die Politik und nahm ihn in sein Wahlkampfteam als möglichen Kulturminister auf. Nach dem Wahlsieg Schröders übernahm Naumann tatsächlich das neu geschaffene Staatsministerium für Kultur.

In seine Amtszeit fiel unter anderem die Diskussion über das Holocaust-Mahnmal in Berlin. Naumann sagte damals, eine Nation, die sich in Erinnerung an das Verbrechen ein „elegantes, ästhetisch befriedigendes Denkmal“ ins Zentrum ihrer Hauptstadt stelle, werde „irgendwann einmal der Schamlosigkeit geziehen“.

„Ein kühles Gemüt im Umgang mit Menschen“

Überraschend verabschiedete sich Naumann schließlich 2001 aus der Politik und ging nach Hamburg zurück zur „Zeit“. Zunächst war er neben Josef Joffe auch Chefredakteur, bevor Giovanni di Lorenzo 2004 dieses Amt übernahm. Seitdem ist er nur noch Herausgeber.

Den Hamburgern ist der eloquente Naumann vertraut durch zahlreiche Auftritte. Er liebt Talk-Shows und kann sich in seinem Selbstbewusstsein mit Voscherau messen. Mitunter griff er verbal daneben, so als er seinerzeit den gegen Michel Friedman in der „Kokain-Affäre“ ermittelnden Staatsanwalt als „durchgeknallt“ bezeichnete. Naumann sagte einmal von sich, er habe sich „ein kühles Gemüt im Umgang mit Menschen antrainiert“.

„Ole von Beust muss sich warm anziehen“

Die Hamburger SPD hatte seit der wegen gestohlener Stimmzettel gescheiterten Mitgliederbefragung über die Spitzenkandidatur vor knapp zwei Wochen nach einem Ersatz gesucht. Im Streit darüber war der gesamte Landesvorstand zurückgetreten. Zunächst hatte sich die Findungskommission, zu der die bisherigen Kandidaten, der amtierende Parteivorsitzende Mathias Petersen und seine Stellvertreterin Dorothee Stapelfeldt, sowie die sieben Kreisvorsitzenden gehörten, auf Voscherau geeinigt.

Dass Ingo Egloff Parteivorsitzender werden soll, war schon länger klar. Der fünfzig Jahre alte Rechtsanwalt, der in seiner Partei als Wirtschaftsfachmann gilt, ist seit 2001 Mitglied der Bürgerschaft. Er hat sich in der jüngsten Krise durch seine ausgleichende Art bewährt. Der bis zuletzt immer wieder als Kandidat genannte Fraktionsvorsitzende der Bürgerschaft Michael Neumann sagte über Naumann, er verfüge „über politische Kenntnisse, Erfahrung und den Blick nicht nur für große, sondern auch für kleine Zusammenhänge.“ Neumann zeigte sich außerdem erleichtert, dass die Hamburger SPD „den Weg aus einer ziemlich schwierigen Situation gefunden hat“.

Der aus Hamburg stammende Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagfraktion Olaf Scholz sagte über Naumann: „Ole von Beust muss sich warm anziehen.“ Die Hamburger SPD habe sich eindrucksvoll zurückgemeldet. „Michael Naumann wird ein toller Bürgermeister, auf den Hamburg stolz sein kann.“ Gewählt werden soll er auf einem Sonderparteitag am 24. März, ebenso die gesamte neue Parteiführung.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Ein Projekt des Volkes

Von Reinhard Müller

Der Protest war das gute Recht der Bürger, demokratische Entscheidungen aber gilt es zu akzeptieren. Das muss eine Lehre aus „Stuttgart 21“ sein - und zum „Bildungsaufbruch“ der grün-roten Koalition gehören. Mehr 1 6