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Aktualisiert: 16.06.2017, 21:37 Uhr

Merkel zum Tod von Kohl „Lassen Sie mir bitte etwas Zeit“

Auf der Fahrt vom Flughafen wird Angela Merkel in Rom von der Nachricht über den Tod von Helmut Kohl überrascht. Die Kanzlerin reagiert bestürzt – und sagt einen wichtigen Besuch ab. Dann gibt sie doch noch eine Erklärung ab.

von , Rom
© dpa, reuters Merkel zum Tod von Helmut Kohl: „Ich verneige mich vor seinem Angedenken.“

Bundeskanzlerin Angela Merkel wurde auf der Fahrt vom Flughafen Fiumicino in den Vatikan in Rom vom Tod des früheren Bundeskanzlers Helmut Kohl überrascht. Noch war die Nachricht nicht offiziell, da hatte Frau Merkel den Hof vor dem deutschen Friedhof Campo Santo Teutonico erreicht. Am Vorabend ihrer vierten Audienz bei Papst Franziskus an diesem Samstag, bei dem der G20-Gipfel Anfang Juli in Hamburg wichtigstes Thema sein soll, wollte sie die erste gemeinsame Ausstellung des Vatikans und der jüdischen Gemeinde zur Geschichte der Menorah besuchen.

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Doch als sie aus dem Wagen stieg, sah man ihrer Miene schon die innere Bewegung und Ergriffenheit an. „Lassen Sie mir bitte etwas Zeit; ich brauche etwas Ruhe“, sagte Frau Merkel und zog sich mit nur wenigen Begleitern, so auch der Botschafterin am Heiligen Stuhl Annette Schavan, in die Kirche des Campo Santo zurück. Einige Minuten später wurde der Besuch der Ausstellung abgesagt. Sie müsse nun vielmehr in die Residenz, um dort eine Erklärung zum Tode des früheren Kanzlers Kohl abzugeben, der der jungen Christdemokratin aus der DDR Merkel einst den Weg in die westdeutsche Politik geebnet hatte. Während sich ihr Ehemann Joachim Sauer die Ausstellung alleine ansah, trat Merkel vor die Fernsehkameras.

„Kohl hat auch meinen Lebensweg entscheidend verändert“

Dort erklärte sie, dass Kohl „ein Glücksfall für uns Deutsche“ gewesen sei. Die in Ostdeutschland aufgewachsene Kanzlerin hob auch ihre ganz persönliche Verbundenheit mit seinem Wirken hervor: „Helmut Kohl hat auch meinen Lebensweg entscheidend verändert“ und verwies auf dessen Wirken für die deutsche Einheit. Entschlossen und geschickt hätten Kohl und seine Mitstreiter die Gunst der Stunde genutzt. „Das war höchste Staatskunst im Dienste der Menschen und des Friedens“, sagte sie. Die Deutschen hätten ihm viel zu verdanken.

© reuters Bundespräsident zu Helmut Kohl: „Sein Werk wird Bestand haben“

Sein Tod erfülle sie mit tiefer Trauer, sagte Merkel, deren politische Karriere an der Seite des früheren Kanzlers Fahrt aufnahm. 1991 wurde sie Ministerin in seinem Kabinett. „Ich bin ganz persönlich dankbar dafür, dass es Helmut Kohl gegeben hat“, sagte Merkel. Alles, was ihr Leben heute ausmache, wäre niemals denkbar gewesen ohne Helmut Kohl. Sein Tod lasse sie auch deswegen innehalten, weil man wisse, es sei ein Leben, das in die Geschichte eingehe. Kohl sei ein großer Deutscher und ein großer Europäer gewesen.

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Zu dem ursprünglich geplanten Rundgang mit der Kanzlerin war eigens Maram Stern aus Brüssel gekommen, der Stellvertreter von Ronald Lauder, dem Chef des World Jewish Congress (WJC) in Europa; denn nicht nur hatte dieser jüdische Mäzen etwa die Hälfte des Geldes für diese historische Präsentation des jüdischen siebenarmigen Leuchters gegeben, für die aus allen Teilen der Welt Darstellungen an den Tiber gebracht wurden.

Trauer um den Kanzler der Einheit Nachruf auf Helmut Kohl: Trauer um den Kanzler der Einheit © F.A.Z. Interaktiv 

Es ist das erste Mal in der Geschichte der katholischen Kirche, dass ein Besucher beim Kauf eines Tickets für das Vatikanische Museum gleichzeitig eines für das Museum der jüdischen Gemeinde auf der anderen Tiberseite erwirbt. So soll interreligiöse Nähe gezeigt werden. Für Judentum und Christentum ist eben der siebenarmige Leuchter, den Moses der Bibel zufolge als Schmuck für den Tempel gießen sollte, ein gemeinsames Erbe, das Gottes barmherziges Licht auf Erden und den Baum des Lebens repräsentieren soll.

Vom Provinzpolitiker zum Einheitskanzler Der Kanzler der Einheit © Barbara Klemm Bilderstrecke 

Quelle: wahlrecht.de
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