http://www.faz.net/-gpf-999o4

Merkel-Vertraute : Emily Haber wird Botschafterin in Washington

Emily Haber im Bundesministerium des Innern in Berlin (Archivbild) Bild: Matthias Lüdecke

Die bisherige Innen-Staatssekretärin und Merkel-Vertraute Emily Haber wird als Botschafterin in die Vereinigten Staaten entsandt. Sie wird damit die zentrale Übersetzerin der Politik der Kanzlerin in Amerika sein.

          Nicht zum ersten Mal hat sich Angela Merkel für Emily Haber eingesetzt. Die künftige Verwendung der ins Auswärtige Amt zurückgekehrten bisherigen Staatssekretärin im Bundesinnenministerium als deutsche Botschafterin in den Vereinigten Staaten war Teil eines größeren Pakets, das der neue Außenminister Heiko Maas zu schnüren hatte.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Wie bei großen Botschaften üblich, sprach das Kanzleramt ein Wörtchen mit. Wie zu hören war, setzte die Kanzlerin sich dafür ein, dass Haber nach vier Jahren, die sie auf ihren Wunsch im Hause Thomas de Maizières verbrachte (die zweite Hälfte davon vor allem als Flüchtlingskoordinatorin), mit dem Posten in Washington belohnt wird. So hat es das Kabinett am Mittwoch beschlossen.

          Dass das Schnüren des Pakets ein Weilchen dauerte, lag mitnichten daran, dass Maas Zweifel an der Eignung Habers hatte, die auch schon Staatssekretärin im Auswärtigen Amt war. Die 62 Jahre alte Frau wird vielmehr parteiübergreifend geschätzt. Da aber Merkel schon Vertraute auf den Botschafterposten in Paris und New York sitzen hat, wurde die Entsendung der CDU-nahen Diplomatin eben zum Gegenstand von Verhandlungen mit Gegengeschäften.

          Zugeständnisse auf einer anderen Position

          In Washington wird Haber im Sommer Peter Wittig ersetzen, der nach vier Jahren am Potomac den vakanten Posten in London übernimmt. Der Posten in London war seit der Pensionierung Peter Ammons im Herbst 2017 vakant. Während Maas mit der Haber-Personalie einem Wunsch Merkels folgte, musste die Kanzlerin auf einer anderen Position Zugeständnisse machen. Eigentlich wollte sie ihren früheren europapolitischen Berater, den deutschen Botschafter in Paris, Nikolaus Meyer-Landrut, zum Botschafter bei der EU machen. Da sie aber mit den beiden CDU-nahen Diplomaten Haber und Christoph Heusgen, dem Ständigen Vertreter bei den Vereinten Nationen in New York, schon zwei Vertraute auf Großbotschafterposten gut positioniert hat, verweigerte Maas seine Zustimmung, wie  „Spiegel Online“ berichtete. Meyer-Landrut bleibt nun in Paris. Nach Brüssel geht der bisherige Botschafter in Peking, Michael Clauß. Dort ersetzt der EU-Fachmann – in Berlin leitete er zuletzt die Europaabteilung – Reinhard Silberberg, der in Pension geht.

          Schon 2013 soll Emily Haber mit Washington geliebäugelt haben, da ihr klar war, dass der seinerzeit zurückkehrende sozialdemokratische Außenminister Frank-Walter Steinmeier die erste Staatssekretärin in der Geschichte des Auswärtigen Amtes nicht übernehmen würde.

          Im Kanzleramt aber soll man ihr seinerzeit signalisiert haben, man werde sie anderweitig in Berlin brauchen: Zunächst war der neugeschaffene Beauftragtenposten für die Nachrichtendienste im Gespräch. Dann die Position im Innenministerium, die Haber nicht ausschlagen konnte. Dass die stets leise auftretende, analytisch argumentierende Frau unter dem CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer nicht bleiben würde, konnte nicht überraschen.

          Weitere neue Personalie geklärt

          Haber, 1956 in Bonn geboren, ist die Tochter des Diplomaten Dirk Oncken und Enkelin des Historikers Hermann Oncken. Sie selbst wurde nach einem Geschichtsstudium von Andreas Hillgruber in Köln mit einer Arbeit über die wilhelminische Außenpolitik („Panthersprung nach Agadir“) promoviert. Im Auswärtigen Amt, in dem sie 1982 zum Attaché ausgebildet wurde, entwickelte die Russisch sprechende Diplomatin auf zwei Stationen in Moskau ein ostpolitisches Profil. Als Politische Direktorin, zu der sie Guido Westerwelle berief, war sie dann für die großen Dossiers zuständig, darunter auch die Verhandlungen über das iranische Atomabkommen und die Strategie der Nato.

          In Washington wird die mit dem Diplomaten Hansjörg Haber verheiratete Mutter zweier erwachsener Kinder die zentrale Übersetzerin der amerikanischen Politik für Merkel und Maas sein. Und zwar von Beginn an: Mitten im Kongresswahlkampf und seinen Folgewirkungen für den sogenannten Kurs des Weißen Hauses nimmt sie ihre Arbeit auf.

          Unterdessen wurde im Auswärtigen Amt auch eine hausinterne Personalie geklärt. Wie es im Auswärtigen Amt hieß, ist Antje Leendertse die neue politische Direktorin. Sie folgt Andreas Michaelis, den Maas nach seinem Amtsantritt zum Staatssekretär berufen hatte. Wie zu hören ist, stand für Maas früh fest, den Posten, der alle Fragen europäischer und transatlantischer Sicherheitspolitik gestaltet, mit einer Frau zu besetzen, da die Leitungsebene des Hauses ansonsten rein männlich gewesen wäre. Die 55 Jahre alte Niederrheinerin, nach Haber die zweite Frau auf dem Posten, war unter Steinmeier zunächst Beauftragte für Osteuropa, den Kaukasus und Zentralasien, sodann Beauftragte für Fragen der Abrüstung und Rüstungskontrolle.

          Weitere Themen

          Anschlag auf Militärparade in Iran Video-Seite öffnen

          Is bekennt sich zu Attacke : Anschlag auf Militärparade in Iran

          Mindestens 29 Menschen sind bei einem Angriff auf eine Militärparade in Iran getötet worden. Irans Staatsfernsehen sprach von einer „terroristischen Attacke“ in der südwestlichen Stadt Ahwas, die zudem 57 Verwundete hinterlassen habe.

          Entschuldigung im Namen der Bundeswehr Video-Seite öffnen

          Moorbrand im Emsland : Entschuldigung im Namen der Bundeswehr

          Der Landkreis Emsland hatte wegen des seit mittlerweile zwei Wochen schwelenden Moorbrandes bei Meppen den Katastrophenfall ausgerufen. Die Ministerin entschuldigte sich für das Vorgehen der Bundeswehr.

          Topmeldungen

          Welchen Plan hat die Kanzlerin? Hier auf der IAA sitzt sie in einem Hybridfahrzeug (Archivbild).

          FAZ Plus Artikel: Hardware-Nachrüstungen : Merkel wendet beim Diesel

          Am Sonntag trifft sich die Kanzlerin mit den Autobossen. Kommen dann Hardware-Nachrüstungen? Umtauschprämien für Dieselautos wären jedenfalls wirkungslos, heißt es im Umweltbundesamt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.