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Martin Sonneborn im Interview : Vielleicht handeln wir bald mit Devisen

Martin Sonneborn am Donnerstag im Verwaltungsgericht in Berlin Bild: dpa

Die Partei „Die Partei“ hat sich mit dem Verkauf von Geldscheinen ein nettes Zubrot verdient. Das war rechtens, sagt nun ein Gericht. Dabei hat Satire-Parteigründer Martin Sonneborn schon ein paar Ideen, wie die Partei sonst zu Geld kommen kann.

          Herr Sonneborn, die Partei hat vor Gericht gesiegt und muss keine staatlichen Zuschüsse aus der Parteienfinanzierung an die Bundestagsverwaltung zurückzahlen. Ist das der Sieg über das Establishment, für den Sie schon so lange kämpfen?

          Das ist ein großer Tag für die Partei und ein noch größerer für die Menschheit. Und ich bin sehr froh, dass der Prozess nicht in Polen oder in der Türkei stattgefunden hat. Da hätten wir wahrscheinlich nicht recht bekommen. Oder noch Schlimmeres.

          Was machen Sie jetzt mit dem ganzen Geld, das Sie zwar nicht hatten, aber hätten bezahlen müssen?

          Wir werden neue Plakate drucken lassen. Wir haben bisher ja einen sehr sparsamen Wahlkampf über das Internet geführt und mit vier Wahlkampfergänzungsaufklebern gearbeitet, die man über die Plakate anderer Parteien kleben kann. Das Motiv für Christian Lindner wurde sehr gerne geklebt, und auch das SPD-Motiv mit der Aufschrift „Jetzt SPD wählen und 1 Kugelschreiber gewinnen!“ war sehr beliebt. 

          Das Motiv Angela Merkel als Kind ist ja schon weg.

          Ja, das ist schade. Wenn ich es gerade richtig auf Twitter gesehen habe, hat uns die AfD aber wegen unseres Plakats „Es gibt den sauberen Diesel“ verklagt...-

          ... das ein brennendes Auto zeigt...

          Genau. Das werden wir jetzt noch einmal ganz groß vor der AfD-Zentrale plakatieren. 

          Die AfD wäre sicher begeistert davon. Ist die „Partei“ mit ihrem Sieg vor Gericht jetzt im Sumpf der Normalität angekommen, den Sie eigentlich trockenlegen wollen, um mit Donald Trump zu sprechen?

          Überhaupt nicht, wir wollen den Sumpf ja nicht trockenlegen, wir wollen ihn übernehmen. Außerdem ist unser Sieg vor Gericht auch einer über die AfD. Uns hat missfallen, dass sie sich mit ihrem Goldverkauf etliche Millionen Euro geholt und die Unsinnigkeit der Parteienfinanzierungsgesetze ausgenutzt hat, die ursprünglich zugunsten der größeren Parteien geschaffen wurden. Diesen Missstand wollten wir öffentlich machen – dass die Bundestagsverwaltung uns mit einem ruinösen Strafbescheid kommen würde, war ja nicht abzusehen.

          Kurz nach dem betreffenden Rechenschaftsbericht der Partei wurde die Parteienfinanzierung reformiert. Seither ist nicht mehr der Umsatz, sondern der Gewinn entscheidend..-

          Ja, das haben wir erfolgreich eskaliert. Im Jahr nach der Geldverkauf-Aktion haben wir den Leuten 100-Euro-Scheine für 80 Euro angeboten. Die Scheine wurden uns praktisch aus der Hand gerissen, günstiges Geld ist offensichtlich sehr beliebt. Danach habe ich angekündigt, dass wir im nächsten Jahr 200-Euro-Scheine zum Kilopreis verkaufen, und dann hat sich endlich etwas getan.

          Wie wollen Sie künftig zu Geld kommen?

          Ach, es gab heute schon viele schöne Anregungen. Die Bundestagsverwaltung hat vor Gericht den Devisenverkauf ins Spiel gebracht. Wenn wir Devisen verkauft hätten, wäre das glatt durchgegangen – in diese Richtung denken wir jetzt. Außerdem brauchen wir gar nicht so viel, wir sind nicht so auf Geld fixiert wie andere Parteien. Wir sind nur motiviert, weil jeder Euro, den wir bekommen, nicht an die CDU geht.

          Was hätten Sie eigentlich gemacht, wenn Sie verloren hätten und knapp 400.000 Euro zurückzahlen müssten?

          Dann wären wir sofort in die geordnete Insolvenz gegangen und hätten Norbert Lammert, den scheidenden Bundestagspräsidenten, zum Insolvenzverwalter bestellt. Bei der Bundesversammlung habe ich kurz mit ihm gesprochen. Er hat den AfD-Goldverkauf als juristisch einwandfrei bezeichnet und mir gesagt, unsere Angelegenheit würden wir juristisch klären lassen. Ich habe das so verstanden, dass er als Insolvenzverwalter dabei gewesen wäre.

          Für das Wahlplakat der Partei mit dem toten Flüchtlingsjungen am Strand haben Sie viel Kritik und Empörung geerntet. Sind Sie mit der Satire dieses Mal zu weit gegangen?

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