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SPD-Chef : Der trotzige Schulz

Erst einmal am Kopf kratzen: SPD-Chef Martin Schulz Bild: dpa

Beim Europathema klang der SPD-Chef fast trotzig. Doch Martin Schulz ist alles andere als stark. Und die nächste Hürde steht schon vor ihm.

          Nochmal gut gegangen? Würde man nur das Ergebnis des Sonderparteitags der SPD betrachten, und hätte nicht die Stimmung, die zum Teil harten Angriffe und Vorwürfe gegen die Parteiführung erlebt – man könnte meinen, der Parteivorsitzende der SPD sei in einer starken Position. Aber Martin Schulz ist alles andere als stark. Der Sonderparteitag sollte die Basis besänftigen, die erbost war über die schnelle Kehrtwende der Parteiführung in Richtung große Koalition. Doch das Treffen wurde zur hohen Hürde. Schulz musste vorab durchs Land reisen, um Delegierte zu überzeugen. Dann hielt er in Bonn eine schwache Rede; nicht nur die Fraktionsvorsitzende Andrea Nahles, sondern auch so mancher Juso steckt ihn rhetorisch derzeit in die Tasche.

          Mona Jaeger

          Redakteurin in der Politik.

          Aber es geht nicht nur um die Show. Der entscheidende Impuls, der den ein oder anderen Delegierten doch noch umgestimmt haben dürfte, ging nicht von Schulz aus. Als er zu Europa sprach, seinem Herzensthema, blieb es meist still im Saal. Und als er sagte, er habe das Europathema zur Chefsache während der Sondierung gemacht, klang das nicht kraftvoll, sondern fast trotzig. Europa steht ganz am Anfang des Ergebnispapiers, die Sondierer wussten, dass dies ein Pfund sein könnte, mit dem Schulz beim Sonderparteitag wuchern könnte. Er konnte nicht. Schon im Wahlkampf hatte Schulz seine eigene, persönliche Europa-Geschichte und -kompetenz versteckt. Da hilft auch nicht, dass er am Sonntag stolz erzählte, dass er am Vortag des Parteitags mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron telefoniert habe.

          Selbst im politischen Betrieb, wo Sterne schnell aufsteigen und noch rascher abstürzen können, ist die Causa Schulz eine Besonderheit. Vor einem Jahr präsentierte Sigmar Gabriel Schulz als Kanzlerkandidaten. Ein Parteitag wählte ihn mit 100 Prozent zum Spitzengenossen. Es war eine laute, fast ekstatische Inthronisierung. Vielleicht wird Schulz einmal der SPD-Vorsitzende sein, der den lautesten Applaus und den leisesten Applaus für einen Parteitagsauftritt bekam. Am Sonntag war nach etwa einer Minute Schluss. Nach 60 Sekunden ist die Euphorie der Genossen für ihren Vorsitzenden inzwischen aufgebraucht.

          Was wird nun aus Schulz? Die Überlegung, Schulz müsse den Delegierten ein Opfer bringen, damit sie seinem Wunsch, Koalitionsverhandlungen mit der Union aufzunehmen, entsprechen, spielte am Sonntag keine Rolle mehr. Der Zweiundsechzigjährige musste nicht versprechen, auf ein Ministeramt zu verzichten. Längst werden in der SPD Diskussionen geführt, die weit über das Amt des Vorsitzenden hinausgehen. Wie kann die deutsche Sozialdemokratie wieder erstarken? Wie gewinnt sie die Wähler zurück, die zur AfD abgewandert sind? Wie kann sie verhindern, dass sie das gleiche Schicksal ereilt wie die Parteischwestern in Europa? Schulz hat in den Augen vieler Genossen auf diese Fragen keine Antworten geben können – trotz des positiven Votums des Sonderparteitags. Die nächste Hürde steht schon vor ihm: Die Basisabstimmung, wenn ein Koalitionsvertrag vorliegt.

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