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Piratenpartei : Was vom Aufbruch übrig blieb

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Leitet den parlamentarischen Untersuchungsausschuss zum neuen Hauptstadtflughafen: Martin Delius, Vorsitzender der Piratenfraktion im Abgeordnetenhaus von Berlin Bild: dpa

Martin Delius ist einer der wenigen politischen Talente in der Berliner Landespolitik: Er zog als Pirat in das Abgeordnetenhaus ein – und wird nach dem Untergang seiner Partei nun von anderen begehrt.

          Welcher Politiker könnte eigentlich sein Wahlkreisbüro „Büro der guten Laune“ taufen, ohne sich damit lächerlich zu machen? Martin Delius, der Fraktionsvorsitzende der Piraten im Berliner Abgeordnetenhaus, hat es getan. Und er hat, wie ein kluger Architekt beim Kinderspielplatzbau, das Gute-Laune-Büro äußerst dezent eingerichtet. Draußen die Piratenflagge als Leuchtreklame in mildem Orange-Grau-Weiß, innen Regale und ein großer weißer Tisch. Wie es sich für einen Piraten gehört, herrscht vollkommene Transparenz: Durch die großen Fenster kann jeder Passant sehen, was sich in dem Ladenlokal tut und wer es tut.

          Delius raucht. Und da er seit 2012 den Parlamentarischen Untersuchungsausschuss leitet, der den bislang missglückten Flughafenbau unter die Lupe nimmt, gehört er zu den bekannteren Gesichtern der Berliner Politik. Wenn er da vor dem Gute-Laune-Büro im gutbürgerlichen Wilmersdorf steht, die Nil in der Hand, erzählt er, sprechen ihn die Leute an: „Sagen Sie mal, was ist denn da eigentlich falsch gelaufen am BER?“ Seine Standardantwort auf diese Standardfrage sei: „Ist doch egal, Sie wählen ja doch SPD!“. Den Satz darf man sich jedoch nicht etwa berlinerisch-patzig gesprochen vorstellen, sondern freundlich. Gut gelaunt eben.

          „Die Piratenpartei ist untergegangen“

          Ob man in Berlin im nächsten Jahr, wenn wieder gewählt wird, noch Piraten wählen kann, ist ungewiss. Ins Abgeordnetenhaus gelangten sie 2011 mit 15 Abgeordneten, drei haben inzwischen die Partei verlassen. „Die Piratenpartei ist untergegangen“, sagt Delius. Aber in Umfragen erzielte sie kürzlich verblüffende fünf Prozent; das sagt weniger über sie als über die Arbeit der anderen Fraktionen. Auch ohne das Lebenszeichen seiner Partei ist Delius ein begehrter Mann. Denn so viele politische Talente bringt die Berliner Landespolitik nicht hervor, als dass nicht SPD und Linkspartei ihn nicht gern auf ihre Seite ziehen würden.

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          Als ein Foto auftauchte, das ihn mit der Fahne der Linkspartei beim Christopher Street Day zeigte, dachten viele, sein Parteiwechsel sei schon vollzogen. Doch das, sagt Delius, komme für ihn in der laufenden Wahlperiode nicht in Frage. Schließlich sei er auf der Landesliste der Piraten ins Abgeordnetenhaus gelangt und habe kein Interesse daran, sich seiner persönlichen Glaubwürdigkeit zu berauben. Kein Wort also zu seiner politischen Zukunft.

          Vor vier Jahren seien 15 politische Neulinge mit „völlig überzogenen Erwartungen“ ans Parlament und an die Politik ins Abgeordnetenhaus eingezogen. Zwei Jahre habe seine Fraktion damit zugebracht, sich zu finden. Dann habe man sich ein halbes Jahr ins Chaos der Piratenpartei gestürzt, sei aber inzwischen bei der ernsthaften Arbeit. So hat sie kürzlich eine Machbarkeitsstudie zu dem Projekt eines durch Beiträge aller Bürger finanzierten öffentlichen Nahverkehrs vorgelegt.

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