http://www.faz.net/-gpf-8yfxu

Markus Blume : See­ho­fers neu­er Lieb­ling

Horst Seehofer (Mitte) besucht das Truderinger Volksfest im Wahlkreis von Markus Blume (rechts). Bild: SZ Photo

Mar­kus Blu­me ver­kör­pert die an­de­re CSU: nicht pol­ternd, son­dern nach­denk­lich. Wei­ter kam er da­mit nicht – bis jetzt. Porträt eines Aufsteigers.

          Das größ­te Ta­lent der CSU heißt Mar­kus Blu­me – und ist jen­seits der baye­ri­schen Gren­zen noch weit­ge­hend un­be­kannt. Das könn­te sich je­doch bald än­dern, zu­min­dest wenn man den Lo­bes­hym­nen glaubt, die Horst See­ho­fer über den Münch­ner ver­kün­det. Blu­me sei ei­ner der „krea­tivs­ten Köp­fe der Par­tei“, „ein star­ker Ana­ly­ti­ker“ und oben­drein so­gar groß­stadt­taug­lich. Das von Blu­me ver­ant­wor­te­te Grund­satz­pro­gramm der CSU, das um die Leit­kul­tur, ei­nen star­ken Staat und die Be­gren­zung der Ein­wan­de­rung kreist, nann­te See­ho­fer über­schwäng­lich ei­ne „Stern­stun­de“, ein „Meis­ter­werk“. See­ho­fers Vor­gän­ger Er­win Hu­ber nennt Blu­me „ge­scheit und wort­ge­wandt“.

          Timo Steppat

          Redakteur in der Politik.

          Wei­te­re Für­spre­cher fin­den sich leicht. Da­bei ist Mar­kus Blu­me, der seit ein paar Wo­chen den Ti­tel des zwei­ten Ge­ne­ral­se­kre­tärs trägt, mit 42 Jah­ren si­cher­lich kein jun­ges Ta­lent mehr. Aber er steht für ei­ne an­de­re CSU, der Sprung in die ers­te Rei­he ist ihm dar­um lan­ge Zeit nicht ge­lun­gen. Auf den ers­ten Blick hat Blu­me ei­nen ty­pi­schen (po­li­ti­schen) Le­bens­lauf: Ein­tritt in die Par­tei mit 20 Jah­ren, Mit­glied im Be­zirks­aus­schuss im Münch­ner Os­ten, Orts­vor­sit­zen­der bei der Jun­gen Uni­on, Lan­des­vor­sit­zen­der der CSU-Stu­den­ten­or­ga­ni­sa­ti­on RCDS. Nach dem po­li­tik­wis­sen­schaft­li­chen Di­plom be­ginnt er ei­ne Pro­mo­ti­on über die „Ver­netz­te Ge­sell­schaft und Cy­ber­space – ethi­sche und po­li­tik­theo­re­ti­sche As­pek­te“. Für die Auf­stel­lung als Kan­di­dat im Münch­ner Os­ten hat er im Jahr 2003 gu­te Aus­sich­ten, denn als CSU-Mann wird man dort in al­ler Re­gel ge­wählt. Nächs­te Stu­fe: Ein­zug in den Baye­ri­schen Land­tag. So hät­te es kom­men kön­nen, mit nicht mal 30.

          So kam es aber nicht. Ein Skan­dal fiel Blu­me vor die Fü­ße. Über Wo­chen be­rich­te­ten die Münch­ner Zei­tun­gen dar­über: Mit­glieds­an­trä­ge soll­ten im Be­zirks­ver­band ge­fälscht, an­de­re Mit­glie­der in ih­rem Stimm­ver­hal­ten be­ein­flusst wor­den sein. We­gen der Ver­stri­ckung in die Af­fä­re muss­te die Toch­ter von Franz Jo­sef Strauß, Mo­ni­ka Hohl­mei­er, als ein­fluss­rei­che Münch­ner CSU-Be­zirks­vor­sit­zen­de zu­rück­tre­ten. Und auch die Blitz­kar­rie­re von Mar­kus Blu­me war vor­erst ge­stoppt. Seit­dem weiß er, wo­zu sei­ne Par­tei fä­hig ist – und grün­de­te mit ei­nem Freund ein Un­ter­neh­men. Er sagt heu­te, er sei dank­bar für die Jah­re au­ßer­halb der Po­li­tik. An­de­re ma­chen un­ter­des­sen Kar­rie­re in der CSU. Do­ro­thee Bär zum Bei­spiel, an die Blu­me die Lei­tung des baye­ri­schen RCDS ab­ge­ge­ben hat­te, als er kurz vor dem Sprung in den Land­tag stand. Sie ist seit ein paar Jah­ren Staats­se­kre­tä­rin im Ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um.

          Stellte das Grundsatzprogramm vor: Markus Blume beim CSU-Parteitag in München im November
          Stellte das Grundsatzprogramm vor: Markus Blume beim CSU-Parteitag in München im November : Bild: dpa

          2007 wird Blu­me ge­fragt, ob er zur nächs­ten Land­tags­wahl an­tre­ten will. Er zö­gert erst, sagt dann aber zu: Er sei eben von Po­li­tik in­fi­ziert. Es ist ein schwe­rer Wahl­kampf, er­in­nert er sich: Den Men­schen geht es ei­gent­lich gut, über Jah­re lag Bay­ern beim Brut­to­in­lands­pro­dukt deut­lich über dem Bun­des­durch­schnitt. Aber es gibt ei­nen Über­druss an der CSU, und die ab­so­lu­te Mehr­heit, das gol­de­ne Kalb der Par­tei, geht ver­lo­ren. Blu­me lernt da­mals: „Es geht nicht nur dar­um, die rich­ti­gen Ent­schei­dun­gen im Gro­ßen zu fäl­len. Man muss die Leu­te auch im Klei­nen mit­neh­men.“

          Weitere Themen

          Der Mann hinter Wikipedia Video-Seite öffnen

          Jimmy Wales : Der Mann hinter Wikipedia

          Der Gründer der Online-Enzyklopädie Wikipedia könnte Geld wie Heu scheffeln, wenn die Werbeindustrie Anzeigen auf Wikipedia stellen dürfte. Darf sie aber nicht. Warum ist Jimmy Wales nicht am Profit interessiert?

          Topmeldungen

          Monokulturen und der Einsatz von Agrarchemikalien stehen im Verdacht als Auslöser des Insektenschwunds.

          75 Prozent weniger Insekten : „Wir befinden uns mitten in einem Albtraum“

          Das Insektensterben lässt sich nicht mehr abstreiten. Der oft kritisierte Krefelder Entomologen-Verein hat jetzt in einer Langzeitstudie gezeigt: Die Populationen sind seit der Wende um drei Viertel geschrumpft. Welchen Anteil hat die Landwirtschaft, welchen das Klima?
          Abgang: Stanislaw Tillich am Mittwoch

          Tillichs Rücktritt : Sächsischer Befreiungsschlag

          Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich tut jetzt das, was während seiner Regentschaft viele bitter vermisst haben: Er handelt konsequent. Die Luft um ihn war schon lange vor seinem Rücktritt dünn geworden.
          Andrea Nahles und Thomas Oppermann, kurz nachdem sie zu seiner Nachfolgerin gewählt wurde. Oppermann schielt jetzt auf das Amt des Bundestags-Vizepräsidenten – nur ist er da nicht der einzige.

          Neuer Bundestag : Das Postengeschiebe hat begonnen

          Die Nominierung des Kandidaten für die Bundestags-Vizepräsidentschaft bereitet der SPD einige Schwierigkeiten. Währenddessen hält die FDP für den Posten ihrer Partei eine Überraschung bereit.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.