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Maria Jepsen Die erste deutsche Bischöfin

17.07.2010 ·  Maria Jepsen war die erste Frau in einem deutschen Bischofsamt. Die 65 Jahre alte Theologin, die in absehbarer Zeit in den Ruhestand getreten wäre, ist eine zarte, fast zerbrechlich wirkende, aber zugleich äußerst hartnäckige Frau. Ihr Feminismus ist derjenige der ersten Generation.

Von Reinhard Bingener
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Bei ihrer Wahl im Jahr 1992 war Maria Jepsen die erste Frau in einem deutschen Bischofsamt und zudem die erste lutherische Bischöfin weltweit. Es war beileibe kein Zufall, dass sie in der progressiven nordelbischen Kirche und darin für den besonders progressiven Hamburger Sprengel gewählt wurde. Der CSU-Politiker und Vizepräses der EKD-Synode, Günther Beckstein, bezichtigte die nordelbische Kirche vor wenigen Jahren einmal der „Spinnereien“ und „Verirrungen“.

Abseits der Polemik könnte man sich wohl darauf verständigen, dass in Maria Jepsens norddeutscher Kirche eine ernsthafte, ethisch und politisch profilierte Frömmigkeit vorherrscht, deren Galionsfigur niemand anderes als Bischöfin Jepsen selbst war. Die 65 Jahre alte Theologin, die in absehbarer Zeit gemäß der Altersregelung ihrer Kirche in den Ruhestand getreten wäre, ist eine zarte, fast zerbrechlich wirkende Frau, die dennoch mit unerhörter Hartnäckigkeit für ihre Überzeugungen einzustehen vermag. Ihr Feminismus ist derjenige der ersten Generation. Die 14 Jahre jüngere Margot Käßmann konnte Kritik, abweichenden Meinungen, aber auch Anfeindungen bereits deutlich lässiger begegnen.

Die Welt der Aktenvermerke blieb ihr fremd

Mit ihrer im Februar zurückgetretenen früheren Kollegin aus Hannover teilt Jepsen eine Spontaneität, die das Kirchenvolk schätzte, bisweilen aber auch in der Amtsführung Spuren hinterließ. Die Welt der Aktenvermerke blieb ihr fremd. Darin könnte auch der Grund liegen, dass sie trotz ihrer langen Amtszeit zu keinem Zeitpunkt zu einem Machtfaktor auf der EKD-Ebene wurde, wo sie ihr nordelbischer Bischofskollege aus Schleswig, Bischof Gerhard Ulrich, bereits kurz nach seiner Wahl 2008 überflügelt hatte. Mit ihrem Kampf gegen Armut und Unterdrückung, innerkirchlich für die feministische Theologie und die Segnung homosexueller Partnerschaften (dem Streitthema in der weltweiten kirchlichen Ökumene schlechthin) war sie gleichwohl stets auch medial präsent.

Maria Jepsen entstammt einem Akademikerhaushalt und wurde 1945 in Bad Segeberg geboren. Neben der Theologie studierte sie Altphilologie, bevor sie 1970 in den kirchlichen Dienst eintrat. Zunächst arbeitete sie als Gemeindepastorin auf dem Lande, engagierte sich aber mehr und mehr in der innerkirchlichen Gremienarbeit. 1991 wurde sie in Hamburg-Harburg als erste Frau in Nordelbien zur Pröpstin gewählt. Von dieser Position aus gelangte sie dann schnell in das Bischofsamt ihres Sprengels, von dem sie am Freitag nach bald 18 Jahren zurücktrat.

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Jahrgang 1979, Redakteur in der Politik.

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