http://www.faz.net/-gpf-v9p3

Maria Böhmer : Die integrative Staatsministerin

Maria Böhmer bezeichnet sich selbst als konservative Feministin Bild: dpa

Das Integrationsressort war nicht ihr Traumziel. Doch inzwischen geht Staatsministerin Maria Böhmer ihrer Arbeit mit Begeisterung nach. Die Eingliederung von Einwanderinnen in Deutschkurse ist der Rheinland-Pfälzerin dabei besonders wichtig. Ein Porträt.

          Gedrängt hat sich Maria Böhmer gewiss nicht zum schwierigen Ressort der Integrationsbeauftragten im Kanzleramt. Um ein Haar hätte sie Bernd Neumanns Part übernommen und wäre Kulturstaatsministerin geworden. Inzwischen aber hat sie - trotz aller Dornen und Fallstricke - längst die Begeisterung gepackt.

          Heike Schmoll

          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          Es fällt ihr als lebensfroher Rheinland-Pfälzerin nicht schwer, den Kontakt mit den Betroffenen zu suchen. Denn Integrationspolitik lasse sich nur mit den Einwanderern machen, ist sie überzeugt. Sie kennt die wichtigsten Integrationsprojekte der Stiftungen und Länder, und sie weiß längst, wie wichtig es wäre, eine gemeinsame Plattform für die Stiftungen und Initiativen zu schaffen.

          Patriarchales häusliches Regiment

          Aber sie lässt auch keinen Zweifel daran, dass die kulturelle und soziale Eingliederung nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten mit sich bringt. Ein freiwilliges Angebot für Deutschkurse hält sie für sinnlos - gerade für viele türkische Frauen, die als Analphabeten hierherkommen. Denn die Sprachkenntnisse sind längst als Dreh- und Angelpunkt jeglicher Integration erkannt worden.

          Häufig liegen die Sprachhindernisse im patriarchalen häuslichen Regiment. Organisationen wie die Hertie Stiftung, die Mercator Stiftung oder die Bosch Stiftung widmen sich deshalb verstärkt den kulturellen Barrieren. Doch am Ende hängt alles an Ländern und Kommunen. Die Staatsministerin für Integration kann Bildungspaten installieren und Vorschläge unterbreiten, doch mit freiwilligen Selbstverpflichtungen ist es nicht getan.

          Noch immer ein eigener Weinberg

          Frau Böhmer bleibt trotzdem unverdrossen. Als Mathematikerin und Physikerin besitzt die 57 Jahre alte Pädagogikprofessorin aus Mainz Ausdauer. Sie stammt aus einer katholischen Winzerfamilie, hat das Keltern gelernt und koordinierte mit 14 Jahren die Erntehelfer ihrer Eltern. Sie besitzt noch immer einen eigenen Weinberg bei Alzey.

          Gleichzeitig mit dem Beginn ihrer Lehrtätigkeit, die sie später an der Heidelberger Pädagogischen Hochschule fortsetzte, wurde sie 1982 für acht Jahre Frauenbeauftragte des Landes Rheinland-Pfalz. 1985 trat sie in die CDU ein und bereitete den Essener „Frauen-Parteitag“ mit Rita Süssmuth vor, bei dem sich erste Risse im traditionellen christlich-demokratischen Bild von Ehe und Familie zeigten. 1990 zog sie als Abgeordnete des Wahlkreises Frankenthal in den Bundestag ein, engagierte sich in den Sozialausschüssen der CDU und arbeitete am Grundsatzprogramm der Partei mit.

          Katholikin, Frau und Pädagogin

          Bekannt wurde Frau Böhmer vor allem durch ihr Engagement gegen die Forschung an embryonalen Stammzellen. Als Bundesvorsitzende der Frauenunion stärkte die zweimal wiedergewählte Frau Böhmer, die als Vertraute Angela Merkels gilt, ihre politische Stellung. So nähert sich Frau Böhmer, die sich selbst als konservative Feministin bezeichnet, den Integrationsfragen als Katholikin, Frau und Pädagogin.

          Sie weiß, wie wichtig die frühe Sprachförderung in Kindergarten und Grundschule ist, wie schwierig es sein kann, Schulverweigerer doch noch zu einem Abschluss zu bewegen und vor allem dafür zu sorgen, dass sie eine Lehr- oder Ausbildungsstelle erhalten. Sie ist warmherzig-direkt, versteht es aber auch, politische Formeln gezielt einzusetzen und notfalls hart zu bleiben, ohne in Opportunismus zu verfallen.

          Weitere Themen

          Weidel weist Vorwürfe zurück

          AfD-Spendenaffäre : Weidel weist Vorwürfe zurück

          Die Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion bezeichnet die gegen sie erhobenen Vorwürfe wegen zweier Großspenden an ihren Kreisverband als Versuch, sie zu diskreditieren.

          Am Ort der Entladung

          Chemnitz vor dem Merkel-Besuch : Am Ort der Entladung

          Drei Monate nach den Ausschreitungen besucht Angela Merkel Chemnitz. Sie trifft auf eine tief verunsicherte Stadt, die noch lange nicht verarbeitet hat, was dort im Sommer geschah.

          Regierungskrise wegen des Brexit-Deals Video-Seite öffnen

          Misstrauensvotum gegen May : Regierungskrise wegen des Brexit-Deals

          Der Brexit-Deal mit Brüssel sorgt für innenpolitische Spannungen in Großbritannien. Zwei Minister und zwei Staatssekretäre haben ihren Rücktritt eingereicht. Auch aus den eigenen Reihen erhält May Gegenwind.

          Topmeldungen

          Brexit-Kommentar : Das riskante Spiel der May-Kritiker

          Die Brexit-Befürworter planen ein Misstrauensvotum gegen Premierministerin Theresa May. Doch stürzt die Premierministerin, droht der ungeregelte Austritt aus der Europäischen Union.
          „In wesentlichen Punkten falsch, unvollständig und tendenziös“: Alice Weidel kritisiert die Berichterstattung über die Großspenden an ihren Kreisverband.

          AfD-Spendenaffäre : Weidel weist Vorwürfe zurück

          Die Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion bezeichnet die gegen sie erhobenen Vorwürfe wegen zweier Großspenden an ihren Kreisverband als Versuch, sie zu diskreditieren.

          TV-Kritik „Maybrit Illner“ : Das Ende der Beliebigkeit

          Der Amtsverzicht der CDU-Parteivorsitzenden scheint eine neue politische Dynamik auszulösen. Bei Maybrit Illner geht es aber auch um die Frage, was das für die Grünen und die AfD bedeuten könnte.
          Linksextreme, die durch die Straßen zogen und randalierten, prägten das Bild des G20-Gipfels in Hamburg.

          FAZ Plus Artikel: Linksextremismus : Moralisch wertvolle Gewalt?

          In der Öffentlichkeit wird vor allem rechtsextreme Gewalt thematisiert. Dabei offenbart sich im Linksextremismus eine neue Qualität der Gewalt – sie wird organisierter, enthemmter und versteckt sich zunehmend hinter anschlussfähigen Parolen, wie dem Klimaschutz.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.