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Veröffentlicht: 15.01.2016, 16:07 Uhr

Marc Jongen Der Parteiphilosoph der AfD

Marc Jongen ist Philosophiedozent und stellvertretender Landesvorsitzender der AfD in Baden-Württemberg. Derzeit arbeitet er an einer philosophischen Grundlegung seiner Partei. Die soll die Dekonstruktion von Familie und Volk verhindern.

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© Imago Marc Jongen philosophiert für Deutschland

Marc Jongen ist eine Amphibie, so nennt er sich. Man könnte an einen Frosch denken oder an den Sibirischen Winkelzahnmolch, dem es als einzigem Schwanzlurch gelingt, nördlich des 66. Breitengrades zu überleben. Jongen aber meint, dass er wie eine Amphibie in zwei Welten unterwegs ist. Während die Amphibie zwischen Wasser und Land wechselt, lebt Jongen „halb im politischen System, halb im akademisch-philosophischen“. Das erklärt sich aus seinen Funktionen.

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Er arbeitet als Philosophiedozent an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe, dort war er Assistent von Peter Sloterdijk. Außerdem ist er stellvertretender Landesvorsitzender der AfD in Baden-Württemberg, erster Nachrücker der AfD für das Europaparlament sowie Mitglied der Bundesprogrammkommission seiner Partei. Marc Jongen schreibt also am Parteiprogramm der AfD mit. Vor allem aber hat der 47 Jahre alte Politiker eine Funktion, für die es in der Partei keine Visitenkarte gibt: Jongen ist der Parteiphilosoph. Er arbeitet an einem Buch, einer philosophischen Grundlegung zur AfD. Er nennt das unfertige Werk ein „Manifest“.

Jongens politische Aktivitäten sind umstritten

Jongen ist bereit, vor der Veröffentlichung über die Inhalte seiner Theorie zu sprechen. Das Gespräch findet im Foyer des Karlsruher Zentrums für Kunst- und Medientechnologie statt. Jongens Universitätsbüro liegt nur wenige Schritte entfernt. Dass er sich nicht dort treffen will, hat einen Grund. Seine politischen Aktivitäten sind an der Hochschule umstritten. Es gibt Studenten und Professoren, die Maßnahmen gegen ihn fordern, und einen Universitätsrektor, der alle Beteiligten auf die Existenz der Meinungsfreiheit hinweist. Jongen musste versprechen, seine Arbeit an der Hochschule und seine Parteiarbeit nicht miteinander zu vermischen – und keine Interviews an der Universität zu geben.

Das sind die Hindernisse im Lebensraum Jongens. Seine amphibische Existenz hat aber auch Vorzüge. Wenn er in Karlsruhe in intellektueller Manier über seine Philosophie spricht, steht er nicht im Verdacht, etwas mit den Auswüchsen seiner Partei zu tun zu haben. Jongen redet über Nietzsche, AfD-Anhänger schimpfen über kriminelle Muslime. Jongen redet über Soziokybernetik, AfD-Anhänger prophezeien den Staatszerfall. Jongen spricht leise, AfD-Aktivisten grölen Parolen, etwa bei einer Demonstration in Magdeburg im Oktober. Hier das Land, dort das Wasser. Und vielleicht muss man, während Jongen seine Trockenübungen betreibt, immer auch einen Blick auf die stürmischen Gewässer werfen, in die sich die AfD begeben hat.

Jongen hat nichts gegen die Rauheit der AfD-Anhänger gerade im Osten Deutschlands, im Gegenteil. Er würde sich wünschen, dass es insgesamt rauher, aufgepeitschter zuginge. Denn die Bundesrepublik, da ist Jongen sicher, leidet an einer „thymotischen Unterversorgung“, einer Armut an Zorn und Wut. Thymos ist ein altgriechisches Wort, das in seiner Bedeutung zwischen Mut, Zorn und Empörung schwankt. Der Begriff spielt in Jongens Ausführungen über die Philosophie der AfD eine zentrale Rolle. Er nennt den Thymos eine der drei „Seelenfakultäten“ neben Logos und Eros, der Vernunft und der Lust.

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