http://www.faz.net/-gpf-7hcci
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 09.09.2013, 17:29 Uhr

Mann stellt sich dem Staatsanwalt Steinbrück-Erpresser will Brief versehentlich abgeschickt haben

Bei der Bonner Staatsanwaltschaft hat sich der Verfasser des Erpresserbriefs an die Ehefrau von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück gemeldet. Der Mann habe angegeben, er habe den Brief nur versehentlich abgesendet.

Der Erpresser des SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück hat sich bei der Staatsanwaltschaft Bonn gestellt. Eine Person habe glaubhaft eingeräumt, Verfasser des Erpresser-Briefes zu sein, teilte die Staatsanwaltschaft Bonn am Montag mit. Nach einem Bericht der „Bild“-Zeitung hatte ein Unbekannter der Familie Steinbrücks mit Enthüllungen über eine angeblich vor 14 Jahren illegal beschäftigte Putzfrau gedroht und gefordert, bis zum 10. September müsse Steinbrück den Rückzug von seiner Kandidatur erklären.

Der Erpresser habe angegeben, aus einer momentanen Verärgerung heraus den an die Ehefrau des Kandidaten adressierten Brief geschrieben zu haben, hieß es in der Mitteilung der Staatsanwaltschaft. Zwar habe er den Brief nicht absenden wollen, aber aus Versehen habe er ihn dann doch mit anderen Briefen in die Post gegeben. Dies habe er erst nach entsprechenden Medienberichten bemerkt. Er sei dann mit einem Rechtsanwalt zur Staatsanwaltschaft gegangen.

Die „Bild“-Zeitung hatte berichtet, der Erpresser wolle erfahren haben, dass die Steinbrücks eine Frau schwarz beschäftigt hätten, die sich damals illegal in Deutschland aufgehalten habe. Gertrud Steinbrück sagte dem Blatt, ihre Mutter habe der Familie nach dem Umzug 1999 von Kiel nach Bonn „zum Einzug geschenkt, dass ihre Putzhilfe für ein halbes Jahr einmal in der Woche bei uns saubermachen soll“. Dabei habe es sich um eine Philippinerin gehandelt, die mit einem Gärtner der philippinischen Botschaft verheiratet und dort auch versichert gewesen sei.

Die Zeitung zitierte Gertrud Steinbrück mit den Worten: „Ich zahlte sie für die bei mir abgeleisteten Stunden aus und rechnete das jeweils mit meiner Mutter ab.“ Nach Ablauf des halben Jahres habe Gertrud Steinbrück der Frau einen Arbeitsvertrag angeboten, schrieb die Zeitung weiter. Das habe die Frau aber abgelehnt, weil ihr Mann beim Botschaftsumzug nach Berlin seinen Job und die Familie damit den Aufenthaltsstatus verloren habe. Deshalb habe sie nur schwarz arbeiten können. Gertrud Steinbrück sagte dem Blatt, sie habe ihr sagen müssen, „dass ich sie natürlich nicht schwarz beschäftigen kann“.

Mehr zum Thema

Quelle: Reuters/dpa

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Korruptionsverdacht Razzia bei Thyssen-Krupp

Ermittler haben die Essener Zentrale von Thyssen-Krupp durchsucht. Es geht um den Verdacht von Schmiergeldzahlungen bei Waffengeschäften einer Tochtergesellschaft. Mehr

24.06.2016, 11:07 Uhr | Wirtschaft
Amerika Familie des Attentäters von Orlando im Zwielicht

Nach dem Massaker in Orlando erscheint die Familie des Attentäters Omar Mateen im Zwielicht: Dessen Ehefrau Noor Mateen soll in Polizei-Vernehmungen ausgesagt haben, dass sie ihren Mann von den Anschlagsplänen abzubringen versucht habe. Mateens Vater macht mit ultrakonservativen Ansichten von sich reden und lässt nichts auf seine Familie kommen. Mehr

15.06.2016, 17:10 Uhr | Politik
Herzblattgeschichten Unter Präsidenten und Prinzen

Jogi Löw und seine Frau bekommen afrikanischen Nachwuchs, Model Nathalie Volk eine eigene Fernsehsendung. Und CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer überzeugt mit seiner Sprungkraft. Mehr Von Jörg Thomann

26.06.2016, 08:34 Uhr | Gesellschaft
Airbnb & Co In Berlin bleiben Ferienwohnungen illegal

Seit dem 1. Mai 2016 gilt ein Zweckentfremdungsverbot für Wohnungen in Berlin. Denn durch Airbnb und andere Vermittler, die Wohnungen für kurze Zeit an Touristen vermieten, fällt Wohnraum für die Bevölkerung weg. Nach dem Grundsatz Gemeinwohl vor Privatinteresse will der Berliner Senat mit diesem Mittel Ferienwohnungen wieder in normale Mietwohnungen verwandeln. Mehr

09.06.2016, 14:43 Uhr | Wirtschaft
Mordfall Ursula Herrmann Immer noch offene Punkte

Vor 35 Jahren erstickte die zehnjährige Ursula Herrmann in einer Holzkiste. Jetzt verklagt der Bruder des Opfers den Entführer auf Schmerzensgeld. Er will damit den Fall neu aufrollen. Mehr Von Karin Truscheit, München

16.06.2016, 16:36 Uhr | Gesellschaft

Die unerträgliche Leichtigkeit des politischen Seins

Von Berthold Kohler

Boris Johnson begeht Fahnenflucht, weil er weiß, dass er seine Versprechen nicht halten kann. Doch könnte auch dieser Offenbarungseid sein Gutes haben. Mehr 164