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Lobbyismus : Im Dienste der Männer

Ladies first: Manuela Schwesig Bild: Imago

Der Dachverband für Männerinteressen wird vom Familienministerium stark unterstützt – das erregt Unmut. Doch was genau ist das Problem mit dieser Organisation?

          Die Sitzung des Bundesfamilienausschusses am 14. März dauerte lange, die Mitglieder sprachen über ein Thema, das ihnen allen wichtig war. Es ging um die Besserstellung von Alleinerziehenden. Zu der öffentlichen Anhörung waren sechs Sachverständige eingeladen, die den Ausschussmitgliedern Auskunft zur Lebenssituation von Alleinerziehenden geben sollten. Matthias Dantlgraber vom Familienbund der Katholiken etwa forderte, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch für einzelne Elternteile verbessert werden müsste. Miriam Hoheisel vom Bundesverband alleinerziehender Mütter und Väter wies darauf hin, dass 90 Prozent aller Alleinerziehenden Frauen seien, die sich von Politik und Gesellschaft im Stich gelassen fühlten. Eingeladen waren unter anderen noch eine Vertreterin des Paritätischen Gesamtverbands und eine des Deutschen Juristinnenbundes.

          Mona Jaeger

          Redakteurin in der Politik.

          Auffallend war, dass nicht nur mehrfach ausdrücklich die besonderen Herausforderungen von alleinerziehenden Müttern erwähnt wurden, sondern dass auch kein ausgewiesener Männerverband zu der Anhörung eingeladen war. Das war nicht nur bei dieser Sitzung des Ausschusses so, sondern passiert immer wieder. Dabei gibt es einen Männerverband, der es sich nach eigener Beschreibung zum Ziel gesetzt hat, die Interessen von Männern, Vätern und Jungs zu vertreten, und der sogar von der Bundespolitik stark unterstützt wird: das Bundesforum Männer. Dessen Gründung wurde im Jahr 2010 von der damaligen Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen angeregt und unterstützt und von ihrer Nachfolgerin Kristina Schröder (beide CDU) weitergeführt. Schröder fiel immer wieder durch die Bemerkung auf, dass Gleichstellungspolitik für Frauen und für Männer gleichermaßen gelten müsse. Manuela Schwesig, jetzige Bundesfamilienministerin und Sozialdemokratin, sieht sich dagegen wieder mehr im Dienste der Frauen.

          Übereinstimmungen mit dem Deutschen Frauenrat

          Der Unterstützung für das Bundesforum Männer tat das keinen Abbruch. In diesem Jahr werden zwei Projekte des Dachverbands finanziell unterstützt: „Männer übernehmen Verantwortung – Vater, Partner, Arbeitnehmer“ mit 183.000 Euro und „Geschlechterreflektierte Arbeit mit männlichen Flüchtlingen“ mit 166.000 Euro. Damit veranstaltet der Verband, zu dem inzwischen 34 Einzelorganisationen gehören, Kongresse und gibt Informationsmaterial über Männerthemen heraus – und will, nach eigener Aussage, auf die Politik einwirken, verstärkt diese Themen zu berücksichtigen. Ein Lobbyverband also, der eng an das Bundesministerium angedockt ist. Dafür sind die Ergebnisse recht mau: Zwar wurden das „Elterngeld Plus“ und die „Elternzeit“ an die neuen familiären Gegebenheiten, bei denen der Mann mehr Verantwortung übernehmen will, angepasst, aber etwa beim Unterhaltsrecht wurde bislang nichts erreicht.

          Genau das werfen einige Verbände, die nicht Mitglied im Bundesforum Männer sind, diesem jetzt vor. Der Vorsitzende des „Forum Soziale Inklusion“ etwa, Gerd Riedmeier, spricht davon, dass das Bundesforum Männerinteressen „unsichtbar“ mache, anstatt sie aktiv zu vertreten. Das Bundesforum veranstalte Kongresse zu belanglosen Themen und kümmere sich nur um Männer und Väter, die in intakten Familienverhältnissen lebten, und nicht um die, die etwa nach einer Trennung um das Sorgerecht für ihre Kinder kämpften.

          „Bei drängenden Fragen ist das Bundesforum sehr zurückhaltend. Das Schweigen zu bestimmten Themen ist das große Problem“, sagt auch Matthias Enderle von „Manndat e.V.“, einem Verband, der sich für getrennt lebende Väter engagiert. Vor sechs Jahren hatte sich „Manndat e.V.“ erkundigt, ob er Mitglied im Bundesforum Männer werden könnte. Man konnte sich nicht einigen. In einem späteren Interview mit der Zeitschrift „Emma“ sagte Martin Rosowski, Vorsitzender des Bundesforums Männer, dass man nichts mit „Manndat e.V.“ zu tun habe. „Es gibt immer Probleme, wenn Kritik an den Positionen von Herrn Rosowski geäußert wird“, sagt Enderle von „Manndat e.V.“. In vielen Positionen stimme das Bundesforum Männer mit dem Deutschen Frauenrat überein, der das Pendant auf weiblicher Seite ist. So könnten keine männerspezifischen Interessen vertreten werden.

          Parolen der „maskulistischen Männerbewegung“

          Es gibt noch mehr Vereine, die das Bundesforum so deutlich kritisieren. Sie halten die Nähe zur Bundespolitik für schwierig – und gleichzeitig für einen cleveren Schachzug des Bundesfamilienministeriums. Denn durch das vermeintlich starke Bundesforum Männer könnten die Forderungen anderer Interessengruppen abgeblockt werden, Männer seien so schließlich schon ausreichend repräsentiert.

          Für Martin Rosowksi, den Bundesvorsitzenden, sind das Verschwörungstheorien. Sein Verband erreiche insgesamt mehrere hunderttausend Männer; die Kritiker seien Einzelkämpfer. Der Streit eskalierte, als das „Forum Soziale Inklusion“ eine Veranstaltung mit dem Namen „Gender Revisited“ organisierte, bei der über Geschlechterfragen diskutiert werden sollte. Eingeladen waren mehrere Organisationen, aber auch Politiker aller im Bundestag vertreteten Parteien, von der CDU bis zur Linken. An den Verband der Linkspartei in Nürnberg schrieb Rosowski einige Tage vor dem Kongress eine E-Mail. „Der Kongress bietet einer Reihe von radikalen Aktivisten der maskulistischen Szene in Deutschland ein Forum für ihre antifeministischen und zum Teil frauenfeindlichen Thesen“, schrieb Rosowski. „Rechtspopulistische Kreise um AfD, Pegida aber auch NPD“ sympathisierten mit den antifeministischen Parolen der „maskulistischen Männerbewegung“. Mehrere Teilnehmer, unter anderen die bayerische Sozialministerin Emilia Müller und Jörn Wunderlich, Mitglied im Bundesfamilienausschuss für die Linke, sagten ihre Teilnahme wieder ab. Das “Forum Soziale Inklusion“ und andere Vereine haben daraufhin Rosowski wegen Verleumdung und übler Nachrede angezeigt und fordern seinen Rücktritt. Rosowski wiederum geht gegen die Vorwürfe juristisch vor. Die Männerverbände beschäftigen sich im Moment vor allem mit sich selbst.

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