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Söder gegen Seehofer : Die Kunst des Putsches

  • -Aktualisiert am

Die Konkurrenz innerhalb der CSU ist dem Parteivorsitzenden Horst Seehofer dicht auf den Fersen. Bild: dpa

Nachdem sich Markus Söder aus der Deckung wagte, gärt es in der CSU verstärkt. Doch Horst Seehofer wehrt sich – und teilt gegen seine Gegner aus. Hat Bayerns Ministerpräsident wirklich noch eine Zukunft in seiner Partei?

          Die CSU ist eine Partei, die schnell handelt, wenn den Mann an ihrer Spitze das Glück verlässt. Edmund Stoiber, der Bayern in ein weiß-blaues Singapur verwandeln wollte, wurde zum Verhängnis, dass er die Paarungsbereitschaft seiner ärgsten Rivalen unterschätzte. Im Falle Horst Seehofers hat die Verschwörungslust noch nicht den Siedepunkt erreicht; solange in Berlin noch die Jamaika-Sondierungen laufen, kann nur vorsichtig die Temperatur erhöht werden. Es ist eine schwere Geduldsprobe für Markus Söder, den es schon seit einer schieren Ewigkeit in den Händen zuckt, wenn über die Nachfolge Seehofers gesprochen wird.

          Am vergangenen Wochenende plagten Söder seine Reflexe besonders arg, als auf der Landesversammlung der Jungen Union in Erlangen Plakate hochgehalten wurden, auf denen er zum Ministerpräsidenten ausgerufen wurde. Sein glückseliges Lächeln angesichts dieser Bescherung wird die Ikonographie der späten Ära Seehofer prägen. Die Kritiken sind gespalten: Wer an das Gute im Menschen im Allgemeinen und in der CSU im Besonderen glaubt – oder zumindest so tut –, klagt über eine üble Inszenierung. Wer weniger Illusionen über die Natur des Politischen hegt, sieht sich wieder einmal darin bestätigt, dass Söder der Mann der Stunde ist.

          Seehofers Reflexe sind noch intakt

          Wobei nicht feststeht, ob es nur eine Stunde oder doch eine längere Zeit ist. Denn die Reaktion Seehofers folgte am Freitag, als er sich in Berlin zur Debatte um seine Person äußerte: „Dies ist nicht bekömmlich, weder für mich noch für die Gesamtpartei.“ Die schädlichen Wirkungen zeigten in Seehofers Augen Umfragen, nach denen die CSU gegenwärtig bei einer Landtagswahl nur auf 37 Prozent der Stimmen käme: „Die habe ich nicht zu verantworten.“ Auch Seehofers Reflexe sind noch intakt – vielleicht sogar intakter als bei Söder: Eleganter hätte Seehofer die für die CSU so bedrückende 37 Söder nicht ans Revers heften können.

          Eleganter hätte er auch nicht die Zweifel in der CSU auf den Punkt bringen können, ob Söders politische Hyperaktivität – ein Blick auf sein Twitter-Konto genügt, auf dem er, wenn es einmal gar nichts zu posten gibt, auf seinen Bilderfundus aus seiner Kinderzeit zurückgreift – eine Garantie ist, dass sich der Horizont über der CSU bei der Landtagswahl im Herbst nächsten Jahres aufhellt. Überraschend war es zwar nicht, dass sich Söder in Erlangen breitbeinig zu den Schildern „MP Söder!“ und „Erneuerung jetzt!“ stellte, ein Lob für die Junge Union, die den abwesenden Seehofer zum Rückzug aus seinem Regierungsamt drängte, inbegriffen: „Toll gemacht“.

          Irgendwie mussten die kleinen und großen Verschwörer, die in ihm ihre ganz persönliche Zukunftshoffnung sehen, bei Laune gehalten werden. Sie konnten aber kaum damit rechnen, dass ihr Idol sein Entzücken über die wundersame Schildervermehrung in Erlangen so schlecht verbergen konnte. Die bittere Erkenntnis, dass ein halbherziger Putsch ein verlorener Putsch ist, wird Söder möglicherweise nicht zur Neige auskosten müssen. In der CSU dürfte aber die Bereitschaft, ihm die ganze Macht zu überlassen – den Parteivorsitz und das Amt des Ministerpräsidenten –, durch die Erlanger Episode nicht gefördert worden sein.

          Das bewährte Doppelspiel der CSU

          Wer dem Sanguiniker Söder nicht recht über den Weg traut, wird versucht sein, ihm ein ausgleichendes Naturell zur Seite zu stellen – sprich die Ämter des Parteivorsitzenden und Ministerpräsidenten aufzuteilen. Joachim Herrmann, der Stoiker der CSU, böte sich idealtypisch an; er lässt nicht einmal durch ein Wimpernzucken erkennen, was ihn bewegt, wenn es um sein eigenes Fortkommen geht. Mit einem Bundesinnenminister – wenn der CSU dieses Ressort in einem vierten Kabinett Merkel zufallen sollte – und CSU-Vorsitzenden Herrmann und einem bayerischen Ministerpräsidenten Söder könnte die CSU ein bewährte Doppelspiel praktizieren.

          In Berlin am Jamaika-Strang ziehen, in München sich dagegen stemmen – das könnte ein wenig Luft verschaffen für die Landtagswahl, zumal Söder darauf pochen könnte, an der Anbahnung des Bündnisses nicht beteiligt gewesen zu sein. So gesehen hätte Seehofer Söder doch noch einen Dienst erwiesen, ihn nicht zu den Jamaika-Sondierungen nach Berlin mitzunehmen. Herrmann und Söder sind allerdings beide Franken – manche Altbayern könnten bei der Landtagswahl eine fränkische Höchstdosis nicht goutieren.

          Im großen CSU-Personalspiel sind deshalb auch nieder- und oberbayerische Karten vorhanden. Der Niederbayer Manfred Weber, der Vorsitzender der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament ist, verkörpert eine Weltläufigkeit, nach der es die CSU seit den Tagen von Franz Josef Strauß zumindest an hohen Festtagen verlangt; nicht für alle endet die Welt am Ausgang der fränkischen Wurstküche. Auch der Oberbayer Alexander Dobrindt, der als Vorsitzender der CSU-Landesgruppe im Bundestag den Grünen-Schreck gibt, könnte diese Sehnsüchte stillen, hat er doch die Brüsseler Maut-Engen umschifft.

          Und schließlich Ilse Aigner, die große Vergessene der CSU: Sie steht für die Verheißung, dass es mit ihr in ganz Bayern so schön werden könnte wie in dem Dorf, in dem sie zu Hause ist. Aigner ist Vorsitzende des CSU-Bezirks Oberbayern – und Wahlen werden im Freistaat zu einem guten Teil in Oberbayern entschieden. Ganz ausgeschlossen ist es nicht, dass die CSU nach den unsteten Seehofer-Jahren das Verlangen nach einer Idylle mit einer Ministerpräsidentin im Dirndl packt.

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