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Machtkampf in der Union : Duell der schwarzen Sheriffs

Rivalen: De Maiziere und Herrmann Bild: F.A.Z.

Die CSU will ihrer großen Schwester das Innenministerium abnehmen. Doch Thomas de Maizière will sich gegen Joachim Herrmann wehren. Ausgang offen.

          Das haben sich die Frechdachse von der CSU so gedacht: Den Schutz der Bundesgrenzen und der Verfassung soll demnächst ein rackernder Wächter aus ihren eigenen Reihen garantieren. Ein Münchner Franke, den sie im heimischen Binnenland spaßeshalber „Panzerkreuzer“ nennen, weil er so bugwellenstark und tieftönend daherkommt. Joachim Herrmann soll Bundesinnenminister werden. Im Freistaat sorgt der heitere Panzerkreuzer schon zehn Jahre für die öffentliche Ordnung – er gilt als fähiger Organisator seiner Verwaltung, ruhigen Gemüts in Krisensituationen, und er repräsentiert mit regional angehauchtem Bass Land und Partei recht passabel auch in Talkshows oder Fernsehinterviews. Herrmann ist bewährt, bewandert und beliebt. Das führt zu seltsamen Auftritten.

          Peter Carstens

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Am Donnerstag war er in einem bayerisch kostümierten Festzelt am Stadtrand von Mönchengladbach, um den lokalen Unionskandidaten Günter Krings zu unterstützen. In Sichtweite des Ruhrgebiets wird dort die ,Wiesn‘ oder Oktoberfest im September gefeiert. Der türkischstämmige Taxifahrer hatte gesagt, den Einheimischen sei jeder Anlass zum Saufen willkommen und bis Karneval sei es eben noch lange hin. Im Zelt prangt alles weiß-blau dekoriert, Marschmusik aus Lautsprechern, vierzig lange Biertische, davon sechs besetzt mit rund einhundert Zuhörern, fast alles ältere Parteianhänger. Ein paar mehr könnten es schon sein, Herrmann witzelt, dass immerhin das Bier schon echt bayerisch sei, aber sonst noch Luft nach oben. Die Bedienung trägt Dirndl und Bergwanderschuhe, auch einige Mitglieder der Jungen Union haben sich verkleidet. Andere tragen Polohemden mit der Aufschrift „Wir krings das hin“.

          Kontrollierte Grenzen und eine klare Haltung zum Islam

          Der Verballhornte eröffnet selbst die Veranstaltung, Krings freut sich ganz besonders, dass Herrmann da ist. Denn der Mönchengladbacher Lokalmatador ist im Berliner Leben Parlamentarischer Staatssekretär im Innenministerium. Was er gerne bliebe. Vor ihm steht also quasi der eventuell neue Chef. Krings preist Herrmann, Herrmann lobt Krings. So geht das eine Weile. Dann hält der Spitzenkandidat der CSU seine Rede. Die handelt zunächst von Arbeitsplätzen, Soli-Abschaffung, Kindergeld und Mütterrente, dann aber von der inneren Sicherheit. Herrmann präsentiert den Rheinländern noch einmal ihre schrecklichen Verbrechensstatistiken und die himmelblauen Zahlen aus Bayern: 294 Einbrüche auf hunderttausend Einwohner in Nordrhein-Westfalen, 58 in Bayern. „Und das liegt nicht daran, dass die Bayern von Natur aus bräver wären“, ruft Herrmann, und alle müssen lachen.

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          Etwas bayerischer sollen die Zustände schon auch in NRW und sonst wo werden, das will Herrmann gerne versprechen. Er ist offenkundig bereit, in der nächsten Bundesregierung das Innenministerium zu übernehmen. Horst Seehofer will ihn dort an der Schaltstelle des Krisenmanagements und der Terrorabwehr positionieren. Herrmann in Berlin, davon verspricht sich Seehofer vor allem sichere, kontrollierte Grenzen und eine klare Haltung zum Islam, zur Einwanderung. Die Idee könnte in der ganzen Union freundlichsten Widerhall finden. Herrmann war bereits im NRW-Wahlkampf von Armin Laschets CDU ein gern gesehener Gast. Man muss schon was geleistet haben, um als Bayer an Rhein und Ruhr Vorbild zu sein. Niedrige Einbruchsraten, eine gut aufgestellte Polizei mit großzügigen Kompetenzen, das wollten sie in Düsseldorf „nach bayerischem Vorbild“ organisieren und nicht mehr nach der SPD-Methode Kraft und Chaos. Mit diesem Versprechen hat Laschet die Wahl gewonnen, mal sehen, was sich wirklich ändert.

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