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Lügen im Internet : Trennt Propaganda von Wahrheit!

Der Kampf um die Wahrheit im Internet hat längst begonnen. Bild: Reuters

Das Internet ist hässlich geworden, feindselig, erregt. Jetzt kommt ihm auch noch die Wahrheit abhanden. Wie aus einem Medium der Aufklärung ein Instrument der Irritation wurde – und was Facebook und Google jetzt tun müssten.

          Das Internet ist unbestreitbar eine der größten Kulturleistungen der Menschheit. Doch die Frage ist: Werden wir das in einigen Jahren auch noch so sehen? Das Netz ist hässlich geworden in der jüngsten Zeit, erregt und feindselig. Menschlichkeit, Achtung, Toleranz sind in dem globalen Medium vielerorts auf dem Rückzug.

          Jetzt kommt ihm auch noch die Wahrheit abhanden. Das intelligenteste Kommunikationswerkzeug, das der Menschheit je zur Verfügung stand, wandelt sich zusehends in ein Instrument der Irritation, der Desinformation und der Propaganda. Und niemand schafft es derzeit, diese Entwicklung umzudrehen.

          Warum ging die Wahrheit im Netz verloren?

          Folgte vor einigen Jahren nur eine kleine Minderheit abstrusen Verschwörungstheoretikern, säen Propagandisten und Überzeugungsschwindler Zweifel bis tief in die bürgerliche Gesellschaft hinein: Haben nicht doch die Ukrainer das malaysische Passagierflugzeug MH17 abgeschossen, wie es Videos nahelegen? Rauben nicht Flüchtlinge doch die Ziegen aus Deutschlands Streichelzoos, wie es auf Facebook vielerorts zu lesen ist? Ist der Berliner Polizei wirklich zu trauen, wenn sie sagt, dass das russische Mädchen Lisa nicht von Flüchtlingen vergewaltigt wurde?

          Nun ist das Web kein lebender Kosmos mit eigener Identität. Es ist eine Technologie der Kommunikation und Information, von höchster Raffinesse zwar, aber dennoch nur so gut wie die Menschen, die sie nutzen. „Der große Erfolg des Internets liegt nicht im Technischen, sondern im Menschlichen begründet“, sagte einst der Internetpionier David Clark.

          Warum hat es dann die Wahrheit so schwer? Das Netz wurde einmal als Medium der Aufklärung konzipiert, es sollte Erkenntnisgewinn beschleunigen und Wissen schneller zugänglich machen. Doch je mehr es sich zum Massenmedium wandelte, umso mehr wandelte sich sein Charakter. Heute ist das Internet vielerorts eine gigantische Emotionsmaschine, bei der nicht Erkenntnis im Vordergrund steht, sondern pralle Unterhaltung nach den Regeln des Boulevards. Wer Gefühl aufwühlt, gewinnt den Kampf um die Aufmerksamkeit: Katzenvideo schlägt Naturdoku. Wutrede schlägt differenzierte Argumentation. Und Erfundenes verdrängt oft die Wahrheit.

          Weltverbesserungsdrang droht an Realität zu scheitern

          So weit hätte es eigentlich gar nicht kommen dürfen, wenn die Gründerväter recht behalten hätten. Sie glaubten an die Selbstreinigungskräfte einer vernunftgesteuerten Gesellschaft. Wissende würden sich schon mit Argumenten gegenüber Unwissenden durchsetzen. Gemeinschaften würden sich selbst befrieden, Trolle würden isoliert. „Wir werden eine Zivilisation des Geistes schaffen“, schrieb der Internetaktivist John Perry Barlow noch 1996 in seiner legendären „Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace“.

          Noch heute werden die Gründer der großen Online-Plattformen im Silicon Valley vom Drang zur Weltverbesserung getrieben. Sie empfinden sich als libertäre Kapitalisten, die der Welt die Werkzeuge an die Hand geben, um den Missbildungen staatlicher Apparate, fett gewordener Konzerne, in die Jahre geratener Gesellschaften zu Leibe zu rücken. Es ist das romantische Bild vom vernünftigen Anarchisten.

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          Doch die Hoffnung auf die selbständige Entwicklung zum Besseren droht zu scheitern. Die Zeiten haben sich geändert, Angst vergiftet die westlichen Gesellschaften, der Ruf nach Abgrenzung wird immer lauter. Wenn es den Trumps, Le Pens und Petrys dieser Welt gelingt, den etablierten Institutionen ihre Autorität streitig zu machen, dann auch deshalb, weil sie im Netz einen idealen Resonanzboden für ihre Empörungsrhetorik finden. Die globalen Plattformen der Erregung wie etwa Facebook sind ein sehr lukratives Geschäftsmodell.

          Notwendige Qualitätsmaßstäbe fehlen

          Was es dagegen nicht gibt, ist ein Geschäftsmodell für Wahrheit, genauso wenig wie für Konsens oder die Förderung der Vernunft. Es gibt bei den Suchmaschinen keinen Algorithmus für Aufrichtigkeit. Es gibt noch nicht einmal eine Auszeichnung für sorgfältig recherchierte Informationen.

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