Es geht schon gegen elf Uhr, als sich in der alten Sattelflickstube der Burg Lohra am Südrand des Harzes ein junger Mann aus dem Bett quält. Es ist Vinzent Eppelt, 24 Jahre, blonder Seitenscheitel, Kinnbart, grüne Augen. Schon beim Aufstehen weiß er, dass ein großer Tag vor ihm liegt. Eine ganze Stadt wird er befrieden, Eindringlinge in die Flucht schlagen, das Gleichgewicht der Elemente wieder herstellen. Denn das Feuer hat Überhand genommen in Habanas Wacht. Und dagegen kann nur er etwas tun. Er, Vinzent Eppelt, Fotograf aus Berlin, mit blauer Farbe im Gesicht: Aqua, der Avatar des Wassers.
Während er sich ankleidet, kriechen draußen die ersten Trolle und Orks aus ihren Zelten, grün und blau geschminkte Elfen mit Goldstaub im Haar kommen dazu, Huren in bauschigen Kleidern mit tiefen Décolletées, Edelmänner und Ritter, lendenschurztragende Steinzeitkreaturen, Fabelwesen mit Widderkopf und Axt über der Schulter. Bis in die Morgenstunden waren sie unterwegs, in dem Laubwald, der die verwitterte Anlage umgibt, in den Rapsfeldern und fliedergesprenkelten Wiesen, auf der engen Straße, die in Serpentinen den Berg hinauf führt, auf dem löchrigen Schotterweg, der zur Burg führt. Nun versammeln sie sich an den Ständen, an denen man Met und Absinth kaufen kann, Morgensterne aus Gummi und Metallrüstungen für 3000 Euro, und mit ihnen legt sich ein dichter Schleier aus Mittelaltersehnsucht und Spanferkelduft über die Grafenburg aus dem 12. Jahrhundert.
Als Vinzent „Aqua“ Eppelt die Sattelflickstube verlässt, ist die Burg längst vergessen. Dann liegt da, wo sie einmal war, die Stadt „Habanas Wacht“. Dann gibt es auch Thüringen nicht mehr, das Eichsfeld, den Harz: für 700 Menschen gibt es jetzt nur noch „Mythodea“. Eine Welt der guten und bösen Elemente, der Könige und Siegel, der Magier und Konvente. Eine Welt, die sich die Veranstalter des „Jenseits der Siegel“, einem der größten Liverollenspiel-Events in Deutschland, für sie ausgedacht haben, damit sie die andere für ein paar Tage vergessen können.
Am Vormittag kann Eppelt es ruhig angehen lassen. Aqua wird noch nicht gebraucht. Wenn doch, sagen die Spielleiter Bescheid, die mit ihren Headsets umher rennen und den Gang der Handlung kontrollieren. In der Nacht kamen sie gegen Mitternacht, weil er seiner Gefolgschaft im Traum erscheinen sollte. Aqua ist eine der wichtigsten Rollen in Mythodea, über Jahre hat Eppelt sie sich erspielt.
Wie im Computerspiel hat ein „Larper“ (von Live-Action-Roleplay) einen oder mehrere Charaktere, mit denen er Abenteuer erlebt und Schlachten schlägt. Der Unterschied ist: beim Live-Rollenspiel kann man tatsächlich einen Schatz finden, zum Weltenherrscher werden, Komplotte schmieden, sich prügeln, sterben. In Dänemark wird „Larp“ im Schulunterricht eingesetzt. Auch auf der Burg Lohra sagen viele, dass Rollenspiel gut für Kinder sei, um ihr Sozialverhalten zu verbessern. Bloß sind die, die das sagen, alle jenseits der zwanzig.
Eppelt spielt, seitdem er 17 ist. Damals fuhr er mit ein paar Freunden zu einem Berliner „Con“, wie die Rollenspieltreffen genannt werden, und spielte einen „Streuner“. Mit 19 hatte er seine erste größere Rolle. Er wurde zum Anführer des Feuerlagers bestimmt, weil jemand ausfiel. 700 Leute hatte er zu organisieren. Er ist heute noch stolz darauf, wie gut das ging.
Gegen Mittag sitzt er an einem groben Holztisch und frühstückt: Dauerwurst mit Supermarktbrot. Eppelt trägt ein schwarzes Samtjackett, ein Halstuch und eine Pluderhose, die in Reitstiefeln steckt - weil er als Aqua nur selten Auftritte hat, spielt er in der restlichen Zeit eine zweite Rolle. Die des Olivio Lafettich, des schmierigen (deshalb der Name) Chefredakteurs vom „Bild der Stadt“. Während Aquas Aktionen weitgehend festgelegt sind, kann er als Chefredakteur machen, was er will. Zum Beispiel unliebsame Artikel schreiben (auf Laptops, die in der Sattelflickstube hinter Decken verborgen sind), und darauf warten, dass zornige Leute seine Redaktionsstube verwüsten. Oder umherlaufen, sich unterhalten, „Zum Gruße“ sagen und „Wie geht es Euch heute?“ Wenn jemand aus der Rolle fällt und so spricht wie im normalen Leben, heißt das „Out-Time“. Out-Time-Gespräche sind verpönt. Möglichst viel In-Time ist das Ziel.
Im Zeltlager des nördlichen Siegels trifft Eppelt einen Beamten, der sich in das Rechtswesen seines Königreichs einarbeitet. Im echten Leben heißt er Fabian Müller. Beide sind Mitglieder der Piratenpartei, beide arbeiten für die ehemalige politische Geschäftsführerin Marina Weisband, die auch ohne Amt noch eines der bekanntesten Parteimitglieder ist: Müller beantwortet die Bürgeranfragen, Eppelt ist ihr Presseassistent.
Wäre sie an dem Wochenende nicht in ihrer ukrainischen Heimat gewesen, man hätte Weisband auf der Burg Lohra als Sklavin einer römischen Legion erleben können. Auf Twitter schreibt sie: „Meine Assistenten und mein Verlobter sind alle auf dem ‚Jenseits der Siegel’. Mein Gram über meine Abwesenheit passt nicht in einen Tweet.“ Das Spielen und die Rolle, in der sie keine Verantwortung übernehmen müsse, seien für sie Entspannung, sagt Weisband. „Unser Körper ist für ein anderes Leben gemacht, als wir es haben. Im Rollenspiel kehren wir freiwillig für eine Weile auf den technischen Stand zurück, mit dem wir biologisch gut zurechtkommen, der für den Körper und den Geist gesund ist“, schreibt sie in ihrem F.A.Z.-Blog.
Dass zwischen Piraten und Live-Rollenspiel eine Verbindung besteht, ist kein Zufall. Viele Spieler auf der Burg Lohra sagen, dass sie Piraten wählen. Dabei hat kaum jemand von ihnen beruflich mit Computern zu tun - viele sind Sozialwissenschaftler, Lehrer, Erzieher. Es geht ihnen nicht um Politik, sondern um Repräsentation: Es ist die Verbrüderung zweier Außenseitermilieus. Die Piraten setzen sich aus mehreren solcher Szenen zusammen, die zum Teil verbunden sind, zum Teil nicht - Hacker etwa können mit Larpern nicht viel anfangen. Was sie vereint, ist das Anderssein. Und das Streben nach bedingungsloser Freiheit des Einzelnen, das daraus folgt.
Auch Vinzent Eppelt war früher ein Einzelgänger, schüchtern und introvertiert. Heute ist das anders: Eppelt ist offen und freundlich, die Leute mögen ihn. Bis zum Sommer 2011 wollte er die Piraten nicht unterstützen, weil er als freier Fotograf ihre Forderungen zum Urheberrecht ablehnte. Aber Freunde sagten, er könne seine Position doch in der Partei vertreten. Also gründete er mit drei anderen die Crew „Spätrömische Dekadenz“ in Berlin-Mitte, die in Smoking und Fliege bei Schaumwein und feinem Essen über „piratige“ Politik redet. Jedes Mitglied hat einen absurden Titel: Eppelt heißt „Lord-Imperator“. Irgendwann kamen so viele Leute, dass der Champagner zu teuer und das mit der Dekadenz schwierig wurde. Die Crew schlief ein. Jetzt soll sie wiederbelebt werden.
Das Rollenspiel ist für ihn Urlaub
Es sind genau diese Dinge, an die Eppelt auf der Burg Lohra nicht denken will. Das Rollenspiel ist für ihn Urlaub, das Handy bleibt die meiste Zeit aus. Auch wenn zwischendurch lange nichts passiert: Eppelts großer Auftritt war für mittags geplant, doch andere Handlungsstränge kommen nicht voran. Das Warten stört aber niemanden: Wer will, schaut sich einen Ringkampf an oder geht zur Hochzeit eines Paars aus dem Magiervolk „unter der großen Eiche“. Am Abend bewegt sich endlich etwas. Den Spielleitern ist aufgefallen, dass viele zum Abschluss des „Cons“ noch Action wollen. Also konstruieren sie einen Grund für eine Schlägerei - und schicken Vertreter des „untoten Fleischs“, also Zombies, in einen Steinbruch außerhalb des Zeltlagers.
Nach und nach finden sich die Spieler ein, die kämpfen wollen. Da stehen dann ein paar Hundert Leute in der prallen Sonne, bis an die Zähne gummibewehrt und bewaffnet, und wieder passiert nichts. Die Spielleiter sprechen hektisch in ihre Walkie-Talkies: Wieso fängt niemand an zu kämpfen? Zuerst fehlt eine wichtige Spielerin, dann ein Magier für eine Zeremonie. Als es schließlich losgeht, stürmen brüllende Männer und kreischende Frauen in einer Staubwolke aufeinander los, fallen Gummiäxte dumpf auf Gummischilde, sirren Pfeile durch die Luft, schleppen sich angeblich Verwundete zu ihren Heilern. Drei Stunden lang geht das so. Ein großer Kämpfer steht blass am Rand und hält sich den lockeren Zahn. Der Sanitäter am Rande sagt, beim Fußball gebe es schlimmere Verletzungen.
Wenn man Larper fragt, wieso sie das eigentlich tun, dann sagen die meisten, dass sie beim Spielen „den Kopf frei“ bekämen. Und dass sie dabei an der frischen Luft seien. Fast alle nennen das soziale Argument: Man werde gezwungen, zu interagieren, auf andere zuzugehen, Empathie zu entwickeln, sich unter- oder überzuordnen. Es geht viel um Respekt und Anerkennung, auch um Hierarchie im Rollenspiel. Etwas, mit dem sich die Piraten im echten Leben sehr schwer tun. Vinzent Eppelt sagt, das Rollenspiel habe ihm Selbstbewusstsein gegeben. „Ich mag dieses Epische“, sagt er. Als er zum ersten Mal einen „Heerwurm aus Untoten“ gesehen habe, sei das ein „erhabener Moment“ gewesen. Und inzwischen reagierten die Leute auch nicht mehr ganz so komisch, wenn er davon erzähle.
Noch vor ein paar Jahren galten „Larper“ als die nerdigsten unter den Nerds: Freaks mit Hang zum Okkulten, die sich in Lederschlappen und Kettenhemd die Köpfe einschlagen. Inzwischen kommen zu den größten Cons mehrere Tausend Menschen. Längst nicht alle Piraten können das nachvollziehen, einige ziehen die harmlosere Variante der „Pen-And-Paper-Rollenspiele“ vor, etwa der gerade abgewählte Bundesvorsitzende Sebastian Nerz. Dabei sitzt man in einer Gruppe am Tisch und spinnt die Handlung im Erzählen weiter. Aber viele haben zumindest Sympathie fürs Larpen: jedenfalls diejenigen, die auch japanische Animationsfilme lieben, sich für eine bizarre Musikrichtung oder ein anderes Nischenthema interessieren. Sie sind noch immer der Kern der Partei. Und sie sind stolz darauf, anders zu sein: „Nerd Pride“ kam als Konzept in den neunziger Jahren auf, als in Hollywoodfilmen plötzlich Sonderlinge die Coolen waren.
Sich anders, auch besonders zu fühlen ist existenziell für die Piraten. Es sind die kleinen, kindlichen Verschrobenheiten, die sie zusammenhalten, die sie attraktiv machen für die gelangweilten Wähler. Verschrobenheiten wie das Bällebad. Auf dem Bundesparteitag im April steht es gleich hinter dem Haupteingang. Nicht-Piraten kennen es vor allem aus Ikea-Märkten, wo weinende Kinder auf ihre Eltern warten. Piraten entspannen gerne mit ihren Laptops in bunten Plastikbällen und Gummischlangen, manchmal geben sie auch Interviews dort. Auf keinem Hackerkongress, auf keinem Parteitag darf das Bällebad fehlen.
Oder wie der Fankult um die Kinderzeichentrickserie „My Little Pony“. Im Berliner Landesverband kann auf Parteitagen ein Antrag an die Geschäftsordnung gestellt werden: „Eine von der Versammlungsleitung als passend empfundene Folge der Serie „My Little Pony: Friendship is Magic“ wird abgespielt“. Dann guckt der Parteitag dabei zu, wie Ponys mit magischen Fähigkeiten in einer bonbonfarbenen Apfelbaumidylle Abenteuer erleben. Die „bronies“, wie sich die Hardcore-Fans der Serie im Internet nennen, erkennt man zum Beispiel an Pony-Profilbildern auf Twitter. Die Abgeordnete der Piraten im Saarland, Jasmin Maurer, hatte bis vor kurzem so eins.
Twitter ist ohnehin ein guter Ort für die Suche nach Merkwürdigkeiten bei den Piraten. Eines Tages beschwert sich Torge Schmidt, Mitglied der Piratenfraktion in Schleswig-Holstein und auf Twitter „Torgator“ genannt, über eine Erkältung. Umgehend twittert ihm jemand „eine große Tüte Flausch“. Wer jemanden „flauscht“, nimmt ihn virtuell in den Arm. Es ist das Gegenteil zur Hasskommentarflut, dem „Shitstorm“. Wer „Mimimi“ schreibt, signalisiert, dass er in Jammerlaune ist. Wer sich gespielt über etwas aufregt, schreibt: „Ich prangere das an“. Die Wörter funktionieren wie Codes, die eine Welt nach außen abgrenzen. Die Welt der Piraten, der Blogger und Hacker, der Internetsüchtigen. „Chaosfamilie“ nennen manche dieses Gemisch, aus dem die Piraten entstanden. In Anlehnung an den Chaos Computer Club, der sich selbst als „größte europäische Hackervereinigung“ bezeichnet. Ijon jedenfalls benutzt diesen Begriff gerne. Er sitzt im Garten der c-base, eines der ersten Hackerspaces der Welt, in dessen Räumen 2006 von 52 Personen die Piratenpartei gegründet wurde. Hackerspaces sind Orte, an denen man zum Knacken von Codes, zum Lernen neuer Programmiersprachen oder einfach zum Trinken zusammenkommt. Inzwischen gibt es sie überall auf der Welt, selbst in Hildesheim und Neuss.
In der c-base wird sechs Jahre nach der Gründung der Piraten gegrillt
Sechs Jahre nach der Gründung der Piraten wird im Garten der c-base gegrillt. Neben Würstchen, Senf und Ketchup stehen überall Laptops. Viele Piratenpartei-Aufkleber. Ijon, der wie Vinzent Eppelt 24 Jahre alt ist, sitzt in einem Liegestuhl, die gelbe Sonnenbrille im Haar. 2007 trat er in die Piratenpartei ein, 2009 wieder aus. Er hatte sich mehr erhofft in den Themen, die ihn interessierten: Datenschutz und Netzfreiheit. Nun blickt er auf den Fernsehturm am Alexanderplatz jenseits der Spree - nach dem Gründungsmythos der c-base die Antenne eines Raumschiffs, das vor 4,5 Milliarden Jahren über Berlin abstürzte, und das der Verein nun reparieren will. Dessen Räume liegen in einem Hinterhof auf zwei Etagen, am Eingang begrüßt ein Alien als Kassenwart. Überall blinkt es, sausen Ventilatoren, stehen Schweißmasken und Lötkolben herum, in einer Ecke ein Regal voller Science-Fiction-Literatur. Leute in übergroßen Karo-Sakkos sitzen vor Bildschirmen, drehen an Knöpfen, paffen E-Zigaretten.
„Wir dachten, das sei eine Spaßpartei“
Dass die Piraten sich in der c-base gründeten, ärgert deren Mitglieder jetzt. Ständig kommen Journalisten, wollen gucken, wie es so aussieht am Gründungsort. „Wir dachten ja, das sei eine Spaßpartei“, sagt Ijon. Nach ein paar Wochen merkten sie, dass das nicht so war. Seitdem dürfen die Piraten hier keine öffentlichen Veranstaltungen mehr machen. „Wir sind eine Raumstation, uns interessiert diese irdische Politik nicht“, sagt Ijon. Trotzdem weiß er, dass jeden Tag mindestens eine Handvoll Piraten da ist, zum Hacken, zum Reden, zum Biertrinken. Die halbe Fraktion im Abgeordnetenhaus sei „an Bord“, also Mitglied im Club. Wie zum Rollenspiel kommen auch zu den Hackern viele, die sonst überall anecken. Ein Hacker, sagt Ijon, ist erst zufrieden, wenn er aus einem Küchenmixer einen Antrieb für den Staubsaugermotor gemacht hat. Wenn er herausgefunden hat, was man aus einem Ding noch so alles machen kann.
Man könnte auch sagen: Wenn er aus etwas Kompliziertem etwas Einfaches gemacht hat. Wie beim Rollenspiel, wo die Welt klar in Gut und Böse getrennt ist, und wie bei den Piraten, die mit dem Versprechen antreten, in der Politik sei alles möglich. Wie Hacker zerlegen sie die Methoden der anderen Parteien in ihre Einzelteile. Gucken, wie das Ganze funktioniert. Bloß mit dem Zusammenbauen tun sie sich schwer. Ijon würde zu den Piraten zurückkehren, wenn sie damit schneller vorankämen. Und wenn sie ihr „Hipsterproblem“ in den Griff bekämen: Hipster sind für ihn Leute, die es cool finden, ungewöhnlich zu sein, es aber eigentlich nicht sind. Die Trittbrettfahrer der „Nerd-Pride“.
Beim Live-Rollenspiel gibt es sie nicht. Wer das Ganze nicht ernst nimmt, fällt auf, und zwar unangenehm. Wer aber mitmacht wird belohnt: Vinzent Eppelt bekommt für seine Rolle als „Aqua“ die Kostüme gestellt, er muss für ein „Con“ auch weniger zahlen als die anderen. Gegen Mitternacht nimmt ihn auf der Burg Lohra ein Spielleiter zur Seite: Er soll nun endlich auftreten.
Mit einem Schwamm wird blaue Farbe auf sein Gesicht aufgetragen, auf den Hals, die Hände, sein Haar wird toupiert und weiß angesprüht, er zieht einen bodenlangen, blauen Samtmantel über. Dann kommt das Textbriefing. Eppelts Text für diese Szene ist eine halbe Seite lang, die Zeit ist zu kurz zum Auswendiglernen. Denn die Herrscher der vier Siegel haben schon mit der Beschwörungszeremonie begonnen, um ihn herbeizurufen. Sie stehen im Dunkeln im Kreis, verschütten Wasser und halten längliche Reden. Dann tritt Eppelt auf. Der Spielleiter macht mit einem Leuchtstab blaues Licht. Die Achonten (Könige) tun so, als hätten sie Angst. Eppelt sagt mit dröhnender, tiefer Stimme: „Hier bin ich! Weshalb ruft Ihr mich?“ Die Königin des Westens erklärt mit zitternder Stimme, dass sie die Kristalle des Feuergottes Ignis gesammelt hätten. Nun könne er, Aqua, das Gleichgewicht der Elemente wieder herstellen.
Eppelt poltert: „Dann bringt sie mir“. Die Königin übergibt ihm zwei rote Plastikkristalle. Eppelt beugt sich zum Spielleiter herunter. Der sagt, deutlich zu hören: „Sehet wie Ignis‘ ungezügelte Magie sich erneut in Aquas ruhige Bahnen wandelt.“ Eppelt wiederholt und lässt die Plastikkristalle einen nach dem anderen auf den Boden fallen, wo sie mit hellem Klackern aufeinander fallen. Sein Souffleur flüstert: „Lasst die unkontrollierte Gewalt sinnloser Kämpfe zurück und verspürt die Ausgeglichenheit des Friedens.“ Als Eppelt nachspricht: „Sehet die sinnlose Zerstörung Ignis’, wendet euch ab und empfangt Aquas heilende Kraft“, flüstert ein Spielleiter, der das Ganze von der Seite beobachtet: „Was für eine dichte Stimmung“. Da liegen vor einem jungen blauen Mann erwachsene Menschen auf den Knien. Sie rufen: „Hoch lebe Aqua!“ Vinzent Eppelt sieht glücklich aus.
Ohjemineh...
Dietmar Blum (derEifeler)
- 22.07.2012, 12:03 Uhr