19.02.2010 · Die Stellvertretende Vorsitzende der Linkspartei, Katja Kipping, will eine direkte Mitgliederentscheidung über die künftige Parteispitze. In der „Leipziger Volkszeitung“ sagte sie, sie sei froh über den Wunsch der Partei nach einer kollektiven Führung. Die Gefahr des Scheiterns eines Einzelnen sei groß.
Die stellvertretende Vorsitzende der Linkspartei, Katja Kipping, hat sich für eine direkte Mitgliederentscheidung über die künftige Parteispitze und den noch zu erarbeitenden Entwurf für ein Grundsatzprogramm ausgesprochen. In der Freitagausgabe der „Leipziger Volkszeitung“ sagte die Politikerin, nach der Zeit von Parteichef Oskar Lafontaine sei es gut, dass sich die Linke um eine „neue Führungskultur“ bemühe. Einer wie Lafontaine könne „nicht einfach so im Stillen ersetzt“ werden.
Kipping sei froh darüber, dass sich in der Partei „nun der Wunsch nach einer kollektiven Führung breitmacht.“ Wer immer sich allein aufgemacht hätte, nach Oskar Lafontaine die Führung der Partei zu übernehmen, für den wäre die Gefahr des Scheiterns groß gewesen, auch wegen des ständigen Vergleichs mit dem Vorgänger.
Zum Vorschlag aus den eigenen Reihen, noch vor dem Rostocker Wahlparteitag der Linken im Mai per Urabstimmung oder Mitgliederbefragung die nächste Führungsstruktur von der Basis entscheiden zu lassen, sagte Kipping: „Mitgliederentscheide und Urabstimmungen tun unserer Partei als Mittel der direkten Demokratie gut. Wir müssen aber aufpassen, dass das nicht nur formale Fragen betrifft.“ Statt über Satzungsfragen abzustimmen, wäre eine Urabstimmung über den neuen Programmentwurf und über die Frage der neuen Doppelspitze nach Lafontaine passender. Ob dies vor Rostock zeitlich noch machbar sei müsse der Parteivorstand klären.
Mit Blick auf den politischen Meinungsstreit innerhalb der eigenen Reihen sagte Kipping, es gebe in der Linkspartei „weniger Diskussionen zwischen Ost und West als zwischen konservativen und modernen Linken“. Konservative Linke meinten beispielsweise, soziale Gerechtigkeit immer nur in Verbindung mit Erwerbsarbeit sehen zu müssen. „Moderne Linke sehen die soziale Teilhabe als ein Grundrecht. Konservative Linke gehen, in Ost wie West, vom traditionellen Familienbild das Vaters als Haupternährer aus. Moderne Linke wissen, wer nicht auch Feminist ist, ist nicht wirklich links.“