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Linksextremismus Die immer recht haben

Der Schwarze Block ist kein Verein, keine Partei, kein Bündnis, nicht einmal eine Gruppe. Er ist der linksextremistische Schwarm, der mit Moral und Militanz auf Polizisten losgeht.

© Lüdecke, Matthias Vergrößern „Zwischen Bullenhelm und Nasenbein passt immer noch ein Pflasterstein“: Ein Aktivist des Schwarzen Blocks bei Krawallen vor dem G8-Gipfel in Heiligendamm 2007

Der erste Pflasterstein ist immer der schwerste. Um ihn aus dem Untergrund zu lösen und auf einen Polizisten zu werfen, benötigt man ein Stück Metall, einen Schraubenzieher oder eine Brechstange, so hart ist der Fugensand meist über die Jahre geworden. Ist der erste Stein aber herausgelöst, seien die anderen kein Problem, sagt Hannah aus Frankfurt, die schon als Schwarzvermummte an Demonstrationen teilgenommen hat. „Man kann sie dann einfach heraushebeln.“ Das eigentlich Problematische an einem Pflasterstein aber ist sein Gewicht, die zehn mal zehn Zentimeter großen Granitbrocken müssen mit großer Wucht geworfen werden, wenn sie einen etliche Meter entfernten Block von Polizisten oder einen Wasserwerfer treffen sollen. „Wenn von hinten Pflastersteine geworfen werden, treffen die nicht selten die eigenen Leute in den ersten Reihen. So etwas passiert ständig“, sagt Hannah.

Justus Bender Folgen:  

Der fliegende Pflasterstein ist in Deutschland zu einem Symbol geworden für die Gewaltbereitschaft radikaler Gruppen. Fliegende Pflastersteine und Brandsätze sind ein Grund, warum Polizisten mittlerweile auf Demonstrationen auftreten wie Profispieler einer Footballmannschaft, mit dicken Polstern, Schonern und Helmen. In der autonomen Szene werden sie dafür als „Robocops“ oder „Playmobilmännchen“ verlacht, gefürchtet und verflucht, auch mit dem jahrzehntealten Reim: „Zwischen Bullenhelm und Nasenbein passt immer noch ein Pflasterstein.“ Das Bundesamt für Verfassungsschutz schätzt, dass in Deutschland 6600 „gewaltbereite Autonome“ leben, das sind Menschen, die „Anwendung von Gewalt – auch gegen Personen – zur Durchsetzung ihrer Ziele für legitim halten“, heißt es. So exakt diese Definition scheinen mag, so wenig ist sie eine Antwort auf die Frage, was ein Mensch für wahr erachten muss, um diesen allerersten Stein aus dem Boden zu kratzen und zu werfen. Ebenso wenig ist sie eine Antwort auf die Frage, wer diese 6600 Menschen eigentlich sind.

Bosbach fordert Isolation des linksextremen "schwarzen Blocks" © ddp Vergrößern Der Schwarze Block ist eine Kleiderordnung: Autonome am 1. Mai 2009 in Berlin


„Es sind überwiegend Studenten“, sagt Hannah, 27 Jahre alt. Sie sitzt in einem Kaffeehaus der Frankfurter Innenstadt, ihr gegenüber sitzt Tom, 26 Jahre alt. Beide sind Studenten der Politikwissenschaft. „Das Gros der Aktivisten kommt aus bürgerlichen Verhältnissen“, sagt er. Nach Angaben des Berliner Verfassungsschutzes ist der Bildungsstand von gewalttätigen Linksextremisten höher als der von gewalttätigen Rechtsextremisten, aber nicht höher als der Durchschnitt der Bevölkerung. Tom und Hannah fühlen sich der „Antifaschistischen Aktion Frankfurt“ (Antifa) zugehörig, einer linksradikalen Gruppe, die sich dem „Kampf gegen Faschismus und Rassismus“ verschrieben hat und in Teilen vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Marschiert in Frankfurt der sogenannte Schwarze Block auf, dann besteht er meist aus sogenannten Antifa-Aktivisten.

Der Schwarze Block ist aber kein Verein. Er ist keine Partei, kein Bündnis, nicht einmal eine Gruppe. Im Grunde ist er nicht mehr als eine Kleiderordnung. Junge Männer und Frauen vermummen ihre Gesichter mit Sonnenbrillen und Schirmmützen, sie tragen schwarze Pullover, schwarze Hosen, manchmal auch ein schwarzes Tuch über Mund und Nase.

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Veröffentlicht: 27.10.2012, 11:22 Uhr