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Limburger Bischof Vatikan verordnet Tebartz-van Elst eine Auszeit

Der Limburger Bischof Tebartz-van Elst darf seinen Posten vorerst behalten, muss sich aber von den Amtsgeschäften im Bistum zurückziehen. Mit sofortiger Wirkung setzte der Vatikan den designierten Generalvikar Wolfgang Rösch als Verwalter des Bistums ein.

© dpa Vergrößern Bischof Tebartz-van Elst

Papst Franziskus hat am Mittwoch den Bischof von Limburg, Franz-Peter Tebartz-van Elst, auf unbestimmte Zeit von der Leitung seines Bistums entbunden. Dem Vernehmen nach soll sich Tebartz-van Elst, mit dessen Abreise aus Rom am Mittwoch gerechnet wurde, in ein Kloster zurückziehen.

Seines Amtes enthoben wurde der Generalvikar des Bistums Limburg, Franz Kaspar. Er wurde ersetzt durch den bisherigen Stadtdekan von Wiesbaden, Wolfgang Rösch. Tebartz-van Elst hatte diesen personellen Wechsel bisher erst zum Jahreswechsel vorgesehen. In einer am Mittwoch veröffentlichten Erklärung des Vatikans hieß es: „Auf Entscheidung des Heiligen Stuhls tritt die durch den Bischof von Limburg zum 1. Januar 2014 ausgesprochene Ernennung des Herrn Stadtdekan Wolfgang Rösch zum Generalvikar bereits mit dem heutigen Tag in Kraft.“

Rösch soll nach dem Willen des Papstes die Diözese „während der Abwesenheit des Diözesanbischofs im Rahmen der mit diesem Amt verbundenen Befugnisse verwalten“. Zur Begründung teilte der Vatikan mit, in der Diözese sei „es zu einer Situation gekommen“, in der Tebartz-van Elst „seinen bischöflichen Dienst zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht ausüben kann“. In Anbetracht der laufenden Prüfungen der Baukosten für eine Bischofsresidenz auf dem Domberg, die mit mindestens 31 Millionen Euro beziffert werden, hält der Heilige Stuhl es für angeraten, dem Bischof „eine Zeit außerhalb der Diözese zu gewähren“. Am Montag hatte der Papst den Limburger Bischof in Privataudienz empfangen.

„Eine Situation ohne Vorbild“

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, äußerte, mit der Entscheidung aus Rom werde „ein Raum eröffnet, um in dieser Situation zur inneren Ruhe zurückzufinden und eine neue Gesprächsbasis zu schaffen“. Die von ihm eingesetzte Prüfungskommission, die am Freitag ihre Arbeit aufgenommen hat, werde ihre Arbeit „zügig und sorgfältig“ fortsetzen, um die offenen Fragen zu den Bauprojekten auf dem Limburger Domberg zu beantworten, teilte Zollitsch mit.

In Limburg sagte Domdekan Günther Geis, das Domkapitel sei von der Entscheidung aus Rom „überrascht“ worden. „Es ist eine Situation ohne Vorbild.“ Auf die Frage, ob der Bischof ins Bistum zurückkehre, antwortete der Personaldezernent, Domkapitular Helmut Wanka, wenn ein Pfarrer eine Auszeit von einer Pfarrei nehme, werde er meist danach in einer anderen Pfarrei tätig. Eine Rückkehr des Bischofs hält auch Ingeborg Schillai, die Präsidentin der Diözesanversammlung, für ausgeschlossen: „Das ist jetzt eine Zwischenlösung.“

In der Erklärung des Heiligen Stuhls ist weiter zu lesen, der Papst sei „umfassend und objektiv“ über die Lage im Bistum informiert. „In der Diözese ist es zu einer Situation gekommen, in welcher der Bischof, Seine Exzellenz Monsignore Franz-Peter Tebartz-van Elst, seinen bischöflichen Dienst zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht ausüben kann.“ Nach dem „brüderlichen Besuch“ von Kardinal Giovanni Lajolo im September habe die Deutsche Bischofskonferenz gemäß einer Vereinbarung zwischen dem Bischof und dem Limburger Domkapitel eine Kommission eingesetzt, um eine gründliche Prüfung der Baukosten auf dem Limburger Domberg vorzunehmen. Die Kommission hatte erst am Freitag ihre Arbeit aufgenommen. Nach Abschluss der Überprüfung werde Papst Franziskus eine endgültige Entscheidung über den Bischofssitz in Limburg fällen, heißt es.

„Ein Ausnahmezustand“

Dem 53 Jahre alten Tebartz-van Elst wird vorgeworfen, die Baukosten für seine Residenz auf dem Limburger Domberg widerrechtlich in die Höhe getrieben und versucht zu haben, die Öffentlichkeit über das Ausmaß der Kostensteigerung zu täuschen. Inzwischen wird von mindestens 31 Millionen, wenn nicht 40 Millionen Euro gesprochen. Zudem beantragte die Staatsanwaltschaft Hamburg einen Strafbefehl gegen den Bischof; dabei geht es um zwei falsche eidesstattliche Erklärungen über einen Erste-Klasse-Flug nach Indien.

Der Frankfurter Stadtdekan, Domkapitular Johannes zu Eltz, sagte zu der Entscheidung aus Rom, die Zeit ohne Bischof sei ein „Ausnahmezustand“, der nicht bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag andauern dürfe. „Einen Neuanfang können wir uns nur mit einem neuen Bischof vorstellen“, äußerte zu Eltz am Mittwochnachmittag in Limburg. Domdekan Günther Geis sagte, das Domkapitel biete dem neuen Generalvikar nach Kräften seine Unterstützung an. „Wolfgang Rösch ist ja kein Unbekannter für uns.“

Angesichts der anlässlich der Limburger Geschehnisse geführten Debatte über die Finanzen der Kirche äußern sich nunmehr auch mehr und mehr evangelische Kirchenführer. Der Berliner Bischof Markus Dröge befürchtet negative Folgen auch für die evangelische Kirche. Der Fall richte „einen Flurschaden an, der auch uns mit trifft“, sagte Dröge. Es werde kaum noch zwischen evangelisch und katholisch unterschieden.

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Quelle: jöb./toe./bin./FAZ.NET

 
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