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Leipzig Staatsanwaltschaft ermittelt wegen manipulierter Transplantationen

 ·  Am Universitätsklinikum Leipzig sind offenbar Krankenakten gefälscht worden, in deren Folge einige Patienten auf der Warteliste für Spenderlebern bevorzugt wurden. Der Direktor des Transplantationszentrums und zwei Oberärzte wurden beurlaubt.

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In dem neuen Fall um manipulierte Organtransplantationen in Leipzig hat die Staatsanwaltschaft Leipzig Ermittlungen aufgenommen. Man wolle herausfinden, ob genügend Hinweise auf eine Straftat und damit Gründe für reguläre Ermittlungen vorlägen, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Zuvor hatte das Leipziger Universitätsklinikum bekannt gegeben, dass es in den Jahren 2010 bis 2012 im Transplantationszentrum zu Manipulationen gekommen sei, in deren Folge einige Patienten auf der Warteliste für Spenderlebern bevorzugt worden seien. Der Leiter der Uniklinik, Wolfgang Fleig, sagte am Mittwoch dazu: „Ich kann im Moment Absicht weder ausschließen noch nachweisen.“

Die Universitätsklinik hatte am Neujahrstag bekanntgegeben, dass bei Patienten, die auf ein Spenderorgan warteten, die Krankenakte gefälscht worden seien. Damit wurden sie in der Warteliste für Organempfänger höher gestuft. Der Direktor der Transplantationschirurgie und zwei Oberärzte waren Ende Dezember beurlaubt worden, nachdem die Klinik selbst Mitte Dezember eine Revision angeordnet hatte. Fleig äußerte, er wisse nicht, ob Geld geflossen sei. Bei den betroffenen Ärzten könne er sich das nicht vorstellen.

Ähnliche Vorwürfe, die teils von der Staatsanwaltschaft untersucht werden, gibt es auch bereits gegen Transplantationszentren in Regensburg, Göttingen und München. Der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, hält es für möglich, dass im Zuge der laufenden Nachkontrolle aller Zentren weitere Manipulationen aufgedeckt werden. „Wir haben zwar schon ein knappes Viertel der 47 Transplantationszentren überprüft und bei drei Zentren in den Jahren 2010/2011 erhebliche Auffälligkeiten entdeckt, aber wir können weitere Fälle derzeit nicht ausschließen, auch wenn es im letzten Jahr kaum noch Auffälligkeiten gab“, sagte Montgomery dieser Zeitung. Nach Bekanntwerden der ersten Fälle im vergangenen Jahr hatte der Verband der Krankenkassen, die Deutsche Krankenhausgesellschaft und die Bundesärztekammer zwei Prüfkommissionen eingesetzt, die alle Transplantationszentren kontrollieren sollen.

Als Dialysepatienten ausgegeben

Bei den Überprüfungen sei festgestellt worden, dass Organempfänger in Leipzig als Dialysepatienten ausgegeben wurden, obwohl sie es nicht waren, teilten die Institutionen mit. Nur deswegen seien sie aber auf der Warteliste für eine Ersatzleber nach oben gerückt. Derzeit werden bundesweit alle Lebertransplantationsprogramme untersucht, später sollen auch die für Nieren und Herztransplantationen kontrolliert werden. Abgeschlossen sind die Prüfungen in Göttingen Hamburg, München rechts der Isar, Berlin, Heidelberg, Essen, Regensburg, Kiel, Hannover und Leipzig. In vielen Fällen prüfen auch die Krankenhäuser selbst die Abläufe und Vorgänge der vergangene Jahre.

In Leipzig waren bei knapp 40 Patienten Dialyseverfahren an die für die Vergab der Spenderorgane zuständige Einrichtung Eurotransplant gemeldet worden, die es nie gegeben habe, berichtete Klinikchef Fleig. Werde ein Patient mit einer fortgeschrittenen Lebererkrankung wegen Beeinträchtigung der Nierenfunktion einer Dialyse unterzogen, gelte dies als zusätzlicher Hinweis auf die Dringlichkeit einer Lebertransplantation, erläuterte Fleig. Nach derzeitigem Kenntnisstand seien in den Jahren 2010/2011 für 54 Patienten Dialysen gemeldet worden. Bei 37 von ihnen habe es nie Dialysen gegeben. 2012 betraf das einen von 10 Patienten.

Nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation ist die Bereitschaft zur Organspende seit Bekanntwerden der Skandale gesunken. Im Oktober sei mit 60 Spenden ein Tiefpunkt erreicht worden, normal seien 100 Spenden im Monat.

Interaktiv: Verschlungene Wege zum rettenden Organ

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01.01.2013, 20:06 Uhr

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