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Leipzig : Das sind die Köpfe hinter Legida

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Demonstranten auf der Kundgebung des Legida-Bündnisses, das in seinem Positionspapier unter anderem fordert: „Keine Multikultur auf Regierungsbefehl“. Bild: AP

„Wir sind keine Mischpoke, sondern das mündige Volk“, behauptet das Legida-Bündnis von sich, das in Leipzig rund 15.000 Demonstranten mobilisierte. Wer aber sind die Organisatoren hinter den Protesten, die noch extremer ausfallen als die von Pegida in Dresden?

          „Wir sind keine Mischpoke, sondern das mündige Volk“, stand im Aufruf zur Demonstration, zu der das Bündnis mit dem Namen „Leipzig gegen die Islamisierung des Abendlandes“ am Mittwochabend aufgerufen hatte. Und wie bei den „Montagsspaziergängen“ in Dresden, organisiert von den „Patriotischen Europäern gegen die Islamisierung des Abendlandes“, grölte auch die Menge von rund 15.000 in Leipzig ein ums andere Mal: „Wir sind das Volk!“

          Doch wer steckt eigentlich hinter diesem „Volk“? Dass sich nicht einmal die Gruppen in Leipzig und in Dresden einig sind, wurde spätestens am Mittwochnachmittag klar: Nach dem Rücktritt des Pegida-Vorsitzenden Lutz Bachmann kündigte Sprecherin Kathrin Oertel an, eine Unterlassungsklage gegen Legida zu prüfen. „Alles, was heute Abend in Leipzig gesagt und gefordert wird, ist nicht mit uns abgesprochen“, sagte sie. Der sächsische Verfassungsschutz stuft Legida zudem als „entschlossener und viel radikaler als Pegida“ ein.

          Wer also steckt in Leipzig hinter den Protestaufrufen?

          Als Sprecher von Legida tritt der Militaria-Gutachter Jörg Hoyer auf. Hoyer stammt aus dem Erzgebirge und wohnt in Heidenau bei Dresden - gut 120 Kilometer von Leipzig entfernt. Am vergangenen Sonntag wurde er 50. Hoyer betreibt ein „Sachverständigenbüro für Militärhistorik und Zeitgeschichte“, begutachtet Orden, Waffen, Uniformen und andere militärische Antiquitäten aus den Jahren 1914 bis 1945. Sein Büro führt auch „Schicksalsrecherchen nach deutschen Militärangehörigen“ durch. Außerdem hält er nach eigenen Angaben Vorträge über Themen wie „Mythos Bernsteinzimmer“ und „Die Bombardierung Dresdens: Wahrheiten - Hintergründe - Opferzahlen“.

          Auf seiner Internetseite posiert Jörg Hoyer vor dem Waldfriedhof Halbe, einer der größten Kriegsgräberstätten Deutschlands und in den neunziger Jahren Treffpunkt von Rechtsextremen

          Früher handelte Hoyer auch selbst mit Militaria. Weil er auf einem Flohmarkt in Brandenburg an der Havel unter anderem eine Hitlerbüste und Schuhe aus dem Konzentrationslager Mauthausen anbot, wurde ein Ermittlungsverfahren gegen ihn eingeleitet - nach Informationen der Zeitung „Welt“ aber wieder eingestellt. Allerdings, berichtet die Zeitung, hätten immer wieder Gläubiger vollstreckbare Titel gegen Hoyer erwirkt. Erst vor Kurzem habe er vor Gericht erscheinen müssen, weil er der Landesjustizkasse des Freistaats Sachsen Geld schuldete.

          Politisch engagierte sich Hoyer nach der Wende in der CDU, bis 1994 war er Fraktionschef im Kreistag von Döbeln. Seit September 2012 ist Hoyer Mitglied in der Dresdner FDP. Seinen Mitgliedsbeitrag habe er allerdings nicht gezahlt, teilte der Kreisverband vor Kurzem mit und kündigte an, ein Ausschlussverfahren einzuleiten.

          Hoyer, heißt es, habe auch maßgeblich am Positionspapier von Legida mitgeschrieben, das den „Erhalt der christlich-jüdisch wertgeprägten Kultur“ in Deutschland in den Mittelpunkt stellt. Darin stehen 17 Forderungen, unter anderem die Schaffung eines Einwanderungsgesetzes nach amerikanischem Vorbild, „keine Multikultur auf Regierungsbefehl“, ein „massiver Personalaufbau bei Polizei und Zoll sowie eine „würdige Erinnerung an unsere Geschichte, jedoch keine Generationenhaftung“.

          Bei der Kundgebung am Mittwochabend wetterte Hoyer - dunkler Mantel, dunkler Hut, Brille - gegen korrupte Politiker und gängelnde Politik, worauf die Menge mit „Volksverräter“-Rufen antwortete. Eine starke Gesellschaft brauche keine Angst vor Islamisierung haben, sagte Hoyer. „Und es gibt viele Muslime, die diesen ganzen Koranunterricht, die Hasspredigen, das wollen diese Menschen nicht, das sind prächtige Menschen. Gut, sie können nicht gut Skat spielen, aber das lernen die auch noch“. Viel Beifall bekam Hoyer für seine Rede nicht.

          Der Einheizer des Legida-Volkes war auch am Mittwochabend wieder Silvio Rösler, schwarze Jacke, grüne Mütze, der als Versammlungsleiter fungierte, und auf dessen Namen auch die Internetseite www.legida.eu angemeldet ist. Rösler machte Stimmung gegen „Terror von links“ in Leipzig. „Schämt euch, ihr rotes Pack“, rief er den Gegendemonstranten zu. „Das ist kein Spaziergang gegen Asyl oder Asylsuchende. Sondern das ist ein Spaziergang gegen die, die den Begriff Asyl missbrauchen, und diejenigen in der Politik, die das fördern“, rief er. „Und vor allem ist das kein Spaziergang gegen Ausländer. Das ist ein Spaziergang für unser deutsches Volk und alle seine ausländischen Mitbürger. Für unsere ausländische Mitbürger, welche sich mit viel Fleiß und gegenseitiger Achtung integriert haben. Was wir nicht mehr unterstützen und auf das Tiefste ablehnen, sind die, die unter dem Deckmantel der drei Wörter (Asyl, Islam, Ausländer; Anm. der Redaktion) dem deutschen Volke Schaden zufügen wollen.“

          Silvio Rösler (links) als Versammlungsleiter am 12. Janaur in Leipzig

          Rösler wird in Leipzig der rechten Fußball-Szene zugeordnet. Er gehörte lange zu den Fans von „SG Leipzig-Leutzsch“. Bei der Kundgebung in Leipzig waren deutlich mehr Hooligans dabei als zuletzt bei Pegida in Dresden. Mit ihrem Schlachtruf „Ahu!“ rückten sie immer wieder in Richtung der Gegendemonstranten vor.

          In den neunziger Jahren soll Rösler nach Recherchen der „Welt“ Mitinhaber einer Castingagentur gewesen sein. Auch habe es Ermittlungen gegen ihn wegen des Verdachts der Schleuserei und des Menschenhandels im Zusammenhang mit dem Rotlichtmilieu in Leipzig und der sogenannten „Sachsensumpf“-Korruptionsaffäre gegeben. Inzwischen arbeitet Rösler nach eigenen Angaben bei dem Unternehmen „Energiezentrale-Sachsen UG“, dessen Geschäftsführerin seine Frau ist.

          Der Dritte im engeren Kreis des Legida-Organisationsteams, ist laut „Welt“ der Anwalt Arndt Hohnstädter. Er soll Rösler bei den Anmeldungen der Demonstrationen beraten. Außerdem, heißt es, vertrete seine Kanzlei Beschuldigte aus der rechten gewaltbereiten Szene sowie die NPD.

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