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Schulen : Lehrer stellen Inklusion vernichtendes Zeugnis aus

Junge mit Rollstuhl nimmt am Unterricht einer Regelschule in Baden-Württemberg teil. Bild: dpa

Die Inklusion wird ihren eigenen Ansprüchen nicht gerecht: Die meisten Lehrer fühlen sich laut einer neuen Umfrage schlecht vorbereitet und überfordert. Sie haben einen deutlichen Appell an die Politik.

          In einer Umfrage haben Lehrer der Inklusion in den Schulen ein vernichtendes Zeugnis ausgestellt. Für die Umfrage des Forsa-Instituts im Auftrag des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), die am Montag vorgestellt wurde, waren 2050 Lehrer an allgemeinbildenden Schulen befragt worden. Die Hälfte der Lehrer befürwortet den gemeinsamen Unterricht zwar, prangert aber die schlechten Bedingungen an ihren jeweiligen Schulen an. Sie bemängeln die ungenügende materielle und finanzielle Ausstattung, nur wenige fühlen sich auch ausreichend vorbereitet. Deshalb gibt ein Fünftel der Befragten an, dass die Regelschule den erhöhten Förderbedarf behinderter Kinder nicht leisten kann. 59 Prozent der Befragten haben sich für den vollständigen Erhalt der Förderschulen und 38 Prozent für das teilweise Fortbestehen ausgesprochen, nur zwei Prozent der Lehrer halten sie für verzichtbar. „Die Politik sollte vor Scham im Boden versinken, wenn sie hört, was die Lehrkräfte an Gründen gegen Inklusion vorbringen“, sagte der Bundesvorsitzende des VBE, Udo Beckmann.

          Heike Schmoll

          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          Selbst für die einfachste Form des gemeinsamen Unterrichts mit körperlich behinderten Kindern sind die Schulen noch immer nicht gerüstet. Nur 16 Prozent der Lehrer geben an, dass ihre Schule völlig barrierefrei sei. 98 Prozent sprechen sich dafür aus, grundsätzlich mit einer Doppelbesetzung aus einem Regelschullehrer und einem Sonderpädagogen zu unterrichten. Die Wirklichkeit aber sieht ganz anders aus: Auch wenn Ministerien in einer Anfangsphase die Doppelbesetzung zur Verfügung stellten, entschieden sich nicht wenige Länder für einen Abzug des Sonderpädagogen und ließen die Regelschullehrer wieder allein. Hinzu kommt, dass die meisten Lehrer sich überhaupt nicht auf den inklusiven Unterricht vorbereitet fühlen. 32 Prozent geben an, dass sie bislang nicht an Lehrerfortbildungen zur Inklusion teilgenommen haben, mehr als die Hälfte hatte nur wenige Wochen oder weniger Zeit, sich auf das inklusive Unterrichten vorzubereiten. Nur 21 Prozent hatten dafür mehrere Monate.

          Fast 80 Prozent berichten, dass es an ihrer Schule keine Unterstützung bei physischen und psychischen Belastungen gebe. Besonders hohen Unterstützungsbedarf sehen sie bei Kindern mit dem Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung (92 Prozent), mit dem Schwerpunkt Lernen (86 Prozent) und bei Kindern mit geistigen Entwicklungsstörungen, gefolgt von Sprachproblemen (65 Prozent) und körperlichen und motorischen Beeinträchtigungen (60 Prozent). Ein Viertel der Lehrer unterstützt auch noch die Medikamentengabe ihrer Schüler. Der VBE fordert eine bessere Vorbereitung, durch Aus-, Fort- und Weiterbildung, kleinere Klassen, multiprofessionelle Teams und eine durchgängige Doppelbesetzung aus einem Lehrer und einem Sonderpädagogen.

          Quelle: F.A.Z.

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