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Lebenspartnerschaft : Warum zwei?

0,1 Prozent der Deutschen haben sich verlebenspartnerschaftet. Einem riesigen Bevölkerungsteil bleibt dieses Institut verschlossen – eine im Grunde unfassliche Diskriminierung.

          Warum dürfen nur Menschen gleichen Geschlechts eine Lebenspartnerschaft eingehen? Wenn ein Mann und eine Frau sich zusammentun wollen, ist ihnen dieser Weg versperrt. Das Lebenspartnerschaftsgesetz ist zwar angeblich neutral, was sexuelle Orientierung betrifft – in Wahrheit aber schließt es beispielsweise Brüderle aus.

          Wollen heterosexuelle Männer (und Frauen) in einen vergleichbaren rechtlichen Status gelangen, bleibt ihnen allein die Ehe. Gut 0,1 Prozent der Deutschen haben sich verlebenspartnerschaftet, einem riesigen Bevölkerungsteil bleibt dieses Institut verschlossen – eine im Grunde unfassliche Diskriminierung. Es ist höchste Zeit, dass das Bundesverfassungsgericht die Lebenspartnerschaft für alle öffnet.

          Warum aber nur für je zwei? Alle großen monotheistischen Religionen, die spätestens seit Bundespräsident Wulffs großer Rede den Wurzelgrund unserer Zivilisation bilden, sehen in ihren heiligen Schriften die Vielehe vor. Zum Teil wird sie auch hierzulande heimlich praktiziert, sogar von Atheisten. Gleichwohl hat sich die Verengung der Ehe auf zwei bei uns durchgesetzt. Auch hier wird mithin massiv diskriminiert. Was geht’s den Staat an, ob zwei, drei oder mehr Leute einander heiraten oder verpartnern wollen, solange dabei Fürsorge, Respekt, Verantwortlichkeit und Wissen (Erich Fromm) obwalten? Hier ist rechtliche Gewalt im Spiel, zwei dürfen heiraten o.Ä., der Dritte muss draußen bleiben. Aber wer von den dreien, und warum gerade der?

          Sodann: Adoption. Warum beschränken Staat und Verfassungsgericht das Recht des Kindes schnöde auf gerade mal zwei sogenannte Eltern? Eben hat Karlsruhe festgestellt, dass zwei gleichgeschlechtliche Adoptiveltern besser sind als einer; schon weil beispielsweise, wenn dem einen was zustößt, was Gott verhüte, ja immer noch der zweite übrig wäre. Wie nun aber, wenn auch den wieder, sagen wir mal, ein Bus überfährt oder der Schlag hinwegrafft? Dann wäre das Kind doch wieder auf sich allein gestellt – nicht hingegen, wenn drei, vier oder n rechtlich verpartnerte Adoptiveltern zur Verfügung stünden. Die obendrein zusammen auch mehr verdienen. Karlsruhe, bedenke doch bitte auch dies!

          Volker Zastrow

          Verantwortlicher Redakteur für Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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