29.10.2008 · Anders als in Düsseldorf und Dresden sind die Landesbanker in Stuttgart bislang nicht so stark von der Finanzkrise erfasst worden - die LBBW setzt auf den Mittelstand. Die oftmals bespöttelte schwäbische Bodenständigkeit scheint sich auszuzahlen.
Von Rüdiger Soldt, Stuttgart„Finanzpolitik ist nichts anderes als die Anwendung der Zehn Gebote, kombiniert mit den Grundrechenarten“, hat der frühere Stuttgarter Oberbürgermeister Manfred Rommel (CDU) einmal zur philosophischen Erläuterung der schwäbischen Mentalität gesagt. Bis zu den Investmentbankern an der Wall Street oder in der Londoner City ist diese Weisheit nicht vorgedrungen.
Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) steht angesichts der Turbulenzen an den Finanzmärkten derzeit besser da als alle anderen Landesbanken. Das hat auch damit zu tun, dass man in der Stuttgarter Zentrale der Bank trotz Internationalisierung offenbar schwäbischer denkt und entscheidet als in Düsseldorf oder Dresden. Die Bodenständigkeit, die den Schwaben oftmals als Nachteil ausgelegt wird, hat sich für die Landesbank ausgezahlt.
Das Institut für den „gehobenen Privatkunden“
Der Vorstandsvorsitzende Siegfried Jaschinski, ein promovierter Altphilologe, geboren in Leverkusen, interessierte sich im vergangenen Sommer kurzfristig für das internationale Geschäft der West LB, hielt dann aber Kurs und setzte weiter auf den baden-württembergischen Mittelstand:. Der große Vorteil der LBBW - im Vergleich zu den anderen Landesbanken - ist ihr Privatkundengeschäft: Mit der einstmals zweitgrößten deutschen Sparkasse (Landesgirokasse), die 1999 in die Landesbank integriert wurde, und mit der BW-Bank, die 2005 als fortan unselbständige Bank übernommen wurde, verfügt die LBBW über einen Kundenstamm, der bei anderen Landesbanken schmerzlich fehlt.
Die BW-Bank ist das Institut für den „gehobenen Mittelstand und den gehobenen Privatkunden“. Unternehmer, für die eine Kreissparkasse zu klein und die Deutsche Bank zu groß ist, legen ihre Gelder bei der BW-Bank an und leihen sich für Investitionen auch bei dieser Bank ihr Geld. Der Stellenwert der BW-Bank ergibt sich schon aus der Tatsache, dass dort etwa die Hälfte aller Mitarbeiter der LBBW beschäftigt sind. Mit diesen Stärken im sogenannten Retailgeschäft verdient die LBBW eher bescheidene Summen, doch in der gegenwärtigen Finanzkrise gab ihr dieses Geschäftsfeld Bodenhaftung.
Auf „konservative Risikopolitik“ gesetzt
Jaschinski konnte deshalb in der vergangenen Woche auf staatliche Hilfen verzichten und auf eine hinreichende Liquidität und ausreichende Eigenkapitalreserven verweisen. Eigene Leasing- und Immobiliengesellschaften sowie ein eher geringer Eigenhandel mit risikoreichen Wertpapieren, so heißt es in der LBBW, hätten sich im Nachhinein ebenfalls als richtig erwiesen und größeren Schaden abgewendet. „Internationale Expansion war bei der LBBW immer orientiert an den mittelständischen Kunden. Die sollten dort begleitet werden, wo sie Geschäfte machen. Deshalb hat man sich weniger auf das internationale Kapitalmarktgeschäft gestürzt“, sagt Nils Schmid, stellvertretender SPD-Fraktionsvorsitzender im baden-württembergischen Landtag und Mitglied im LBBW-Verwaltungsrat.
Die Eigentümer - das Land, die Sparkassen und die Stadt Stuttgart - haben in den Aufsichtsgremien der Bank zudem immer für eine „konservative Risikopolitik“ geworben. Außerdem sind die Durchschnittseinkommen der schwäbischen Bankkaufleute wesentlich geringer als die anderer Landesbanken. So beschäftigte die West LB Hunderte von hochbezahlten Investmentbankern in London. „Irgendwie unterscheidet sich unsere Mentalität hier vom Rest der Republik, deshalb ist es bei uns häufig wenigstens ein bisschen bodenständiger zugegangen“, sagt ein ehemaliger Vorstand der LBBW.
Wenn der Mittelstand kränkelt, könnte auch die LBBW leiden
Ganz sorgenfrei ist freilich auch die LBBW nicht: Im August, zur Halbjahresbilanz, musste die Bank einen Verlust von 64 Millionen Euro bekanntgeben. Mitte September konnte die LBBW ihre Gewinnprognose in Höhe von 300 Millionen Euro nicht länger aufrechterhalten. Die Integration der Sachsen LB und der Landesbank Rheinland-Pfalz belastete das Ergebnis ebenso wie Verluste im Wertpapiergeschäft. Bei strukturierten Wertpapieren (ABS) und Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps) musste die Bank erhebliche Verluste verkraften.
Weitere Belastungen sind nicht ausgeschlossen: Die Integration der rheinland-pfälzischen Landesbank und der sächsischen Landesbank ist noch nicht abgeschlossen. Die LBBW muss für die Fehler der Sachsen LB erst zahlen, wenn diese teurer als 2,75 Milliarden Euro sein sollten. Damit rechnen aber noch nicht einmal Pessimisten. In Stuttgart heißt es, die Risiken aus dieser Übernahme seien „dreifach überdeckt“. Von einer Fusion mit der Bayern LB will vorläufig weder der baden-württembergische Ministerpräsident Oettinger (CDU) noch die LBBW etwas wissen. Oettinger hat empfohlen, zunächst die Bilanzen der anderen Landesbanken abzuwarten.
Für die Zukunft der LBBW könnte entscheidend sein, ob und in welchem Umfang der Mittelstand im Südwesten unter der Finanzmarktkrise und der Rezession zu leiden hat. Daimler setzt die Autoproduktion für vier Wochen aus. Diese Produktionsausfälle könnten einige mittelständische Automobilzulieferer in die Insolvenz treiben, und die sind ja die wichtigsten Kunden der LBBW.
Was heisst hier "" schwäbisch ""??
resi mayer (kimwales)
- 29.10.2008, 15:26 Uhr
Arbeitsethos
Ronald Glas (soondecember)
- 29.10.2008, 15:53 Uhr
Auch Jesus kümmerte sich um die 'Kleinen'
Alexander Kloos (AlexanderKloos)
- 29.10.2008, 16:10 Uhr