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Harter Job : Sie machen Landschaft

Karger und steiler Boden: eine echte schwarzwälder Idylle Bild: Verena Müller

Steile Wiesen, karge Böden und harte Winter: Die Landwirtschaft war im Schwarzwald schon immer beschwerlich. Doch ohne seine Bauern wäre die Region nicht dieselbe.

          Viele Schwarzwaldtäler sind so eng, dass unten für kaum mehr Platz ist als für ein Flüsschen. Der Prinschbach fließt durch so ein Tal. Fast am Ende liegt auf vierhundert Meter Höhe der „Jägertonihof“. Ein Bauernhaus mit Langdach, ein Backhaus, ein Bienenstock, ein kleiner Teich, in dem Wasser aufgestaut wird, bevor es auf die Räder der alten Getreidemühle fließt. Bis vor zwanzig Jahren gab es im Prinschbachtal fünf Höfe dieser Größe. Die Landwirtschaft im Schwarzwald war immer beschwerlich: Die Wiesen sind steil, die Böden karg, die Winter hart. Dennoch verstanden es die Bauern über Jahrhunderte, dem Land Gerste, Viehfutter, Gemüse und Obst abzutrotzen. Die ersten Siedler kamen im elften Jahrhundert. Adelige und geistliche Grundbesitzer ließen den Wald entlang der schmalen Bäche roden und Hofstellen anlegen, und sie verteilten Lehen. Im Schutter- und im Prinschbachtal waren es die Herren von Geroldseck, einige Hofgüter gehörten auch zum Kloster Ettenheimmünster. Leibeigene Lehensfamilien bewirtschafteten die Höfe. Später wurden Kirchen und Schulen gebaut.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Die Geschichte der Schwarzwaldbauernhöfe lässt sich in den Archiven oft bis zum Beginn des 15. Jahrhunderts zurückverfolgen. Der Schwarzwald ist kein Realteilungsgebiet, der älteste Sohn übernahm den Hof, die Flächen mussten nicht geteilt werden. Deshalb gehört zu den meisten Höfen bis heute ein geschlossenes Hofgut. Manche Höfe sind seit Mitte des 18. Jahrhunderts oder länger im Besitz einer Familie. Mit der Idylle aus Bollenhut-Heimatfilmen hatte der Alltag der Schwarzwald-Bauern wenig zu tun. Viele Höfe brannten mehrmals ab und wurden wieder aufgebaut. Auch Kriege, Krankheit und Armut machten den Bauern zu schaffen.

          Der letzte Vollerwerbsbetrieb

          Im Prinschbachtal ist der Jägertonihof der einzige, der heute noch Vollerwerbsbetrieb ist. „Hinter vielen Schwarzwaldbauernhöfen, die man beim Vorbeifahren sieht, steckt nicht mehr als eine Schlafstätte mit Pferd“, sagt Isolde Kopf, die Bäuerin. Ein Nachbarhof ist heute ein Gasthaus für Wanderer, die anderen drei werden nur noch nebenbei bewirtschaftet. Erstaunlich, dass in einem so engen Tal überhaupt fünf Bauern leben konnten.

          Schwarzwaldhof : Brot backen wie früher

          Den Jägertonihof bewirtschaften Isolde und Alfred Kopf mit ihren vier Kindern. Den ehemaligen Kartoffelkeller haben sie zum Gastraum umgebaut, so ist Platz für hundert Gäste. Gerade waren die Mitarbeiter einer Werbeagentur zur Firmenfeier auf dem Hof, im Schnee stehen noch die Parkschilder. Das Unternehmen schenkte seinen Mitarbeitern Gutscheine für den Einkauf im Hofladen. Da gibt es Wurst, Brot aus dem Holzofen, Honig und Schwarzwälder Schinken.

          An diesem Montag trifft sich die Familie mittags im Gewölbekeller. Die Bäuerin und der Bauer sind froh, die Firmenfeier dort hinter sich zu haben. Die Kinder Anton, Josef, Helena und Sofie kommen aus der Schule. Der 55 Jahre alte Landwirt hat den ganzen Vormittag im Stall gearbeitet, seine 47 Jahre alte Frau trägt einen großen Topf mit Gerstensuppe und zum Nachtisch ein Blech mit Buchteln und Vanillesauce auf. Vieles verändert sich im bäuerlichen Alltag im Schwarzwald, manches bleibt wie die bewährten Gerichte aus der Bauernküche. Die pflegebedürftige 94 Jahre alte Tante sitzt mit am Tisch. Sie kennt noch die Zeiten, als die Tage mit dünner Hafersuppe begannen.

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