Vom Wahlergebnis für die kleinen Thüringer Parteien hängt ab, ob die CDU ihre absolute Mehrheit verteidigen kann. Sollten die Grünen über fünf Prozent der Stimmen erhalten, wäre die absolute Mehrheit der CDU gefährdet. Doch in der CDU wächst die Zuversicht, auch gegen PDS, SPD und Grüne die Mehrheit der Sitze erringen zu können.
Diese Zuversicht nährt sich aus der wachsenden Unsicherheit des Wahlausgangs, die in den vergangenen Tagen eine Debatte um eine Regierungsbildung unter Beteiligung der PDS begünstigt hat. Eine solche Aussicht könnte wie schon 1999 mögliche Wähler der Union motivieren, zur Wahl zu gehen, und SPD-Wähler, welche die PDS ablehnen, könnten ihre Stimme verweigern. 1999 betrug die Wahlbeteiligung nur 58 Prozent.
Spekulationen um Schwarz-Grün schüren
Nach einer Umfrage der Universität Kiel soll jeder zweite Thüringer unentschlossen sein, wen er und ob er überhaupt wählen werde. Die Grünen auf Bundesebene hatten offenbar ein Interesse daran, Spekulationen um Schwarz-Grün in Thüringen zu schüren. Die Grünen sollten als Funktionspartei interessant gemacht werden, die am Ende über die Mehrheit entscheidet. Im Land aber haben sowohl Althaus als auch die Spitzenkandidatin der Grünen, Astrid Rothe, eine Koalition faktisch ausgeschlossen. Althaus beteuerte, er strebe die absolute Mehrheit an und spekuliere nicht über Unrealistisches wie Schwarz-Grün.
Frau Rothe stellte der CDU so hohe Bedingungen, daß ein Bündnis kaum möglich sein dürfte. Mit der PDS wollen die Thüringer Grünen allerdings erst recht nicht zusammenarbeiten. Der FDP-Vorsitzende Barth wirbt mit dem Argument um Stimmen, die absolute Mehrheit der CDU sei verloren, nur die FDP könne Althaus zur Macht verhelfen. Die Union aber plakatierte: Wer Althaus will, muß CDU wählen.
In Bedrängnis ist die SPD geraten. CDU und FDP halten ihr vor, sie wolle nach der Wahl mit der PDS eine Mehrheit bilden. Matschie wünsche das zwar nicht aber das nutze ihm nichts, wenn seine Partei es anders sehe. Der Spitzenkandidat der PDS, Ramelow, zeigt sich offen für die Opposition, eine Regierungsbeteiligung oder die Tolerierung einer rot-grünen Minderheit. Auch der Parteivorsitzende Bisky sprach sich für eine Zusammenarbeit mit der SPD aus.
Rot-Rot?
Matschie verweist zwar stets darauf, daß er seine Partei in der Ablehnung gegenüber der PDS hinter sich sehe, doch die CDU weist darauf hin, daß seine Aussage weder durch einen Vorstands- oder Parteitagsbeschluß gedeckt sei, und wertet das als Zeichen seiner Schwäche. Wäre Matschies Meinung Konsens, heißt es in der CDU, stünden ihm in der öffentlichen Debatte alle bei, die Angriffe der CDU abzuwehren. Davon kann in der Tat keine Rede sein.
SPD-Generalsekretär Benneter sagte, Matschie brauche keine Ratschläge aus Berlin, es bleibe den Freunden in Thüringen überlassen, mit dem Wahlergebnis umzugehen. Dagmar Becker, Mitglied im Landesvorstand der SPD, sagte, Matschie müsse die Partei je nach Ausgang der Landtagswahl überzeugen, daß der von ihm gewünschte Weg der richtige sei.
Im Berliner Tagesspiegel meldete sich der frühere SPD-Landesvorsitzende Dewes, der für eine Zusammenarbeit mit der PDS steht. Dewes sagte, "solche Überlegungen" seien dem Wahlabend vorbehalten. Als Spitzenkandidat habe Matschie das Vorrecht der Meinungsäußerung. Die Thüringer-SPD bestritt später, daß Dewes dies gesagt habe.