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Landtagswahl in Niedersachsen : Alltag statt Marxismus

Umstellung in der Linkspartei

Die niedersächsische Linkspartei stünde für eine Zusammenarbeit mit SPD und Grünen jedenfalls bereit. Nach endlosen Wirren, finanziellen Problemen und internen Grabenkämpfen hat sich der Landesverband personell wie inhaltlich neu positioniert. 2013 war die Partei mit 3,1 Prozent aus dem Landtag geflogen. Der damalige Landesvorsitzende Manfred Sohn war ein geistreicher Redner, dessen strikt marxistische Interpretation des Weltgeschehens bisweilen jedoch hermetische Züge hatte. Nach der verlorenen Landtagswahl überwarf er sich mit Dieter Dehm und trat unter Protest aus der Partei aus. Der erfolgreiche Liedtexter Dehm („1000mal berührt – 1000mal is nix passiert“) gilt bis heute als so einflussreich, dass er eine Mitgliedschaft im Landesvorstand gar nicht nötig hat und sich auf sein Mandat im Bundestag konzentrieren kann.

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In die anstehende Landtagswahl in Niedersachsen wird die Linkspartei darum von der Landesvorsitzenden Anja Stoeck geführt. Anders als ihr Vorgänger Sohn, der in einem aktuellen Aufsatz vom 25. Jahrhundert aus auf einen dann zurückliegenden Zusammenbruch des kapitalistischen Weltsystems zurückblickt, steht die 50 Jahre alte Physiotherapeutin Stoeck für eine Fokussierung auf Alltagsprobleme des frühen 21. Jahrhunderts. Stoeck, die vor vielen Jahren ihren Ehemann durch einen Unfall verlor, ist Mutter von sieben Kindern. Da inzwischen jedoch einige Kinder aus dem Haus seien, sei es ihr mit den dort verbliebenen Kindern, Hunden und Katzen „langweilig geworden“, berichtet sie. Sie habe einen „ganz niedrigen Blutdruck“ und brauche ständig neue Herausforderungen. Also wirft sie sich in den Wahlkampf. Stoeck kann dabei im Unterschied zu den Spitzenkandidaten anderer Parteien nicht auf eine schwarze Limousine mit Fahrer zurückgreifen. Sie bewegt sich mit öffentlichen Verkehrsmitteln durch Niedersachsen. Hetze und Terminstress kommen dabei nicht auf. Gelassen hangelt sich Stoeck durch ihren Tag, der maßgeblich von Zigarettenpausen strukturiert wird.

Dieser entspannte Stil korrespondiert mit Stoecks politischem Anliegen, aus der Gesellschaft insgesamt Druck zu nehmen. Gymnasien findet sie wegen des Notenstresses „total grässlich“. Als Physiotherapeutin habe sie auch im Krankenhaus erleben müssen, dass man sich dem einzelnen Patienten kaum mehr widmen könne. Dabei sei in Deutschland eigentlich genug Geld da, meint Stoeck.

Bleibt die Frage, wer die Rechnung dafür bezahlen würde. Geht es nach der Linkspartei, würde man zunächst die „Reichen“ heranziehen. Da die Partei die Schuldenbremse ablehnt, könnten die Kosten aber auch auf künftige Generationen abgewälzt werden. Anja Stoeck und ihre Parteigenossen würden vermutlich auch damit ganz stressfrei umgehen.

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