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Baden-Württemberg : Muhterem Aras zur Landtagspräsidentin gewählt

Die neue Parlamentspräsidentin in Stuttgart: Muhterem Aras Bild: dpa

Ihre Mutter musste als Putzfrau dazu verdienen, ihr Vater war Schafzüchter – doch ihre Tochter Muhterem Aras hat es nun zur ersten Parlamentspräsidentin des baden-württembergischen Landtags gebracht. Bei der AfD brachte das keinen Applaus.

          Mit der Wahl von Muhterem Aras zur Präsidentin des baden-württembergischen Landtags sind drei Premieren verbunden: Die 50 Jahre alte grüne Politikerin ist in der Geschichte des Landes die erste Frau, die künftig als Präsidentin Sitzungen des Landtags leiten wird. Sie ist zudem die erste Parlamentspräsidentin eines deutschen Landtags, die aus einer Einwandererfamilie stammt. Und sie ist auch die erste Muslimin, die in einem deutschen Landtag über Redezeiten entscheidet. Letzteres ist Muhterem Aras nicht wichtig, denn sie stammt aus einer alevitischen Familie mit einem liberalen Islamverständnis. Sie ist, was man eine säkulare Muslimin nennen könnte.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Viel wichtiger ist es der grünen Politikerin, von ihrer eigenen Erfolgsgeschichte zu erzählen, davon, wie sie sich in Deutschland von der Hauptschule, über die Wirtschaftsschule, die Universität bis zur Gründung der eigenen Steuerkanzlei mit zehn Mitarbeitern hochgearbeitet hat. Ihre Mutter musste als Putzfrau dazu verdienen, ihr Vater war Schafzüchter, kam Ende der siebziger Jahre aus dem Dorf Elmaagac in Ostanatolien, wo auch die Tochter Muhterem 1966 geboren wurde, nach Deutschland und schuftete bei einer Aufzugsfirma. Mit ihrer Wahl zur Parlamentspräsidentin, so Aras in ihrer Rede, hätten die Abgeordneten ein „Zeichen für Weltoffenheit, für Toleranz und für das Gelingen von Integration“ gesetzt.

          Eine Frau, die das Kämpfen gewohnt ist

          Von 143 Abgeordneten wählten sie nur 96, das ist für eine Parlamentspräsidentin eher ein schwaches Ergebnis, aber Muhterem Aras ist das Kämpfen gewohnt. Auch in ihrer Landtagsfraktion konnte sie sich erst im zweiten Wahlgang gegen die bisherige Vize-Parlamentspräsidentin Brigitte Lösch durchsetzen. Frau Lösch hatte in der vergangenen Legislaturperiode nicht jede Sitzung wirklich souverän geführt. Außerdem sei die Vorstellungsrede von Aras in der Fraktion engagierter gewesen.

          Aras ist eigentlich keine überragende Rednerin, ihr Format sind eher die direkten Gespräche und Diskussionen mit den Bürgern. Wenn sie gefragt wird, ob sie islam- oder ausländerfeindliche Attacken der AfD im Landtag fürchte, dann antwortet sie, dass sie darauf vorbereitet sei und sie sich deshalb nicht davon abhalten lasse, ihr Amt klug, entschlossen, abwägend und mit menschlicher Wärme zu führen.

          Ihre Beliebtheit bei den Bürgern hat sie jedenfalls bei zwei Landtagswahlen bewiesen: 2011 holte die Mutter einer Tochter und eines Sohnes das Direktmandat für den Wahlkreis Stuttgart 1 mit 42,5 Prozent, 2016 mit 42,4 Prozent. Bei beiden Wahlen war sie die Stimmenkönigin der Grünen in Baden-Württemberg. Allerdings gehört zu ihrem Wahlkreis der Stuttgarter Westen, wo genau das urbane Publikum anzutreffen ist, das sich bei den Grünen politisch gut aufgehoben fühlt. Im Januar und Februar zog sie im Wahlkampf von Haustür zu Haustür, um Flyer zu verteilen, dabei habe sie auch von ehemaligen Stammwählern der CDU und der FDP viel Zuspruch erfahren.

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