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Ländervergleich Grundschulen Große Unterschiede beim Lesen und Rechnen

 ·  In südlichen Bundesländern lernen Grundschüler deutlich mehr als in nördlichen und in den Stadtstaaten. Kinder aus bildungsfernen Elternhäusern und ausländische Schüler schneiden wesentlich schlechter ab. Das ergab der Ländervergleich über Kompetenzen von Viertklässlern.

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In südlichen Bundesländern lernen Grundschüler deutlich mehr als in nördlichen und in den Stadtstaaten. Überdurchschnittliche Werte im Lesen erreichen die Schüler in Bayern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, beim Zuhören (Beantwortung von Fragen nach dem Hören eines Textes) die Schüler in Bayern. In Mathematik liegen die Schüler in Bayern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Baden-Württemberg über dem bundesdeutschen Durchschnitt. Weit abgeschlagen belegen die drei Stadtstaaten Hamburg, Berlin und Bremen die drei letzten Plätze der Rangliste der 16 Länder.

Insgesamt gelingt es den deutschen Grundschulen zwar, ihren Schülern die Mindestanforderungen im Lesen, Zuhören, in der Rechtschreibung und in Mathematik zu vermitteln. Nur wenige Länder schaffen es allerdings, den Durchschnittswert der 16 Länder oder deutlich bessere Ergebnisse zu erreichen. Das ergab der Ländervergleich für Deutsch und Mathematik im Primarbereich durch das Institut für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB), der am Freitag in Berlin vorgestellt wurde.

Zum ersten Mal wurden dabei die von der Kultusministerkonferenz beschlossenen Bildungsstandards zugrundegelegt. Sie beschreiben, was Grundschüler der vierten Klasse in Deutsch und Mathematik können müssen. Anders als bei der internationalen Grundschulstudie Iglu, deren Ergebnisse im Dezember veröffentlicht werden, wurden die Testaufgaben für diesen Ländervergleich allein aus den Bildungsstandards entwickelt. Sie bilden also stärker als die internationalen Studien die Lehrplanwirklichkeit und Unterrichtspraxis in Deutschland ab. Getestet wurden knapp 28.000 Grund- und Förderschüler, die nach dem Zufallsprinzip ausgewählt wurden.

In den Rechtschreibleistungen gibt es nur einen deutschen Durchschnittswert, weil die Kultusministerkonferenz sich wegen eines Vetos des Stadtstaats Bremen nicht zu einem Ländervergleich in Orthographie durchringen konnte und zunächst die Überprüfung der Leistungsstufen für die Rechtschreibung beim IQB in Auftrag gab. Neu bei diesem Test war, dass eine Testgruppe mit Großstädten mit mehr als 300.000 Einwohnern gebildet wurde, die ähnlich schlecht abschnitt wie die Stadtstaaten. Hier gelingt es weder die Gruppe der leistungsstärksten Schüler ausreichend zu fördern, noch die der leistungsschwächsten.

Soziale Herkunft weiter bedeutend

In Bayern, dem einzigen Land, das mit der Förderung Leistungsstarker keine Schwierigkeiten zu haben scheint, sind die Leistungsstarken aus gebildeten Elternhäusern im Lesen fast 1,5 Schuljahre weiter als die Leistungsschwächsten aus bildungsfernen Elternhäusern. Nur in Sachsen gibt es kaum Zusammenhänge zwischen sozialer Herkunft und Leseerfolg. In allen Ländern ist der Vorsprung der Kinder aus bildungsnahen Elternhäusern erheblich. Das gilt auch für Hessen, das in allen Bereichen schwach und allenfalls durchschnittliche Ergebnisse zeigt.

Bei den ausländischen Schülern schneiden vor allem die türkischen Schüler schlecht im Lesen ab. Ihr Rückstand beträgt etwa ein Schuljahr. Besondere Schwierigkeiten haben auch Schüler, deren Eltern im ehemaligen Jugoslawien oder in der ehemaligen Sowjetunion geboren sind. Kinder, deren Eltern aus Polen eingewandert sind, lasen indessen kaum schlechter als die deutschen Kinder. Auch beim Zuhören und in der Mathematik schneiden ausländische Schüler schlechter ab als ihre deutschen Klassenkameraden, was vor allem mit ihren sprachlichen Schwächen zusammenhängt.

Weitere Initiativen zur Sprachförderung

Die beiden Direktoren des IQB, Petra Stanat und Anand Pant verwiesen in Berlin darauf, dass fast alle Schüler einen Zugang zu systematischer Sprachförderung hatten, fast alle Schulen entsprechende Angebote machten. Allerdings verfügten nur die wenigsten über ein konkretes Konzept.

Es gehe jetzt darum, die Wirksamkeit der vielen Sprachförderkonzepte zu überprüfen, sagte der Präsident der Kultusministerkonferenz, Hamburgs Bildungssenator Ties Rabe (SPD). Dazu bereiteten Bund und Länder derzeit eine gemeinsame Initiative zur Weiterentwicklung von Sprachförderung, Sprachdiagnostik und Leseförderung vor, kündigte Rabe an. Ausserdem wollten die Kultusminister über die Grenzen der Ländern hinweg für ein einheitliches Lernniveau sorgen. Entscheidend sei die Qualität des Unterrichts, nicht aber strukturelle Änderungen des Schulsystems.

Strukturelle Reformen hätten kaum den Erfolg, den man sich lange erhofft habe, sie seien zeit- und arbeitsintensiv und würden nicht immer akzeptiert. Zu lange habe man über jahrgangsübergreifenden Unterricht und ähnliche Fragen diskutiert. Ganztagsförderung allein nütze nichts, wenn nicht genau darauf geachtet werde, ob die Zeit in der Ganztagsschule auch produktiv genutzt werde, sagte Frau Stanat.

Mädchen lesen besser, Jungen liegen beim Rechnen vorne

Wie in allen Leistungsvergleichen haben auch dieses Mal die Mädchen bessere Lese- und Rechtschreibleistungen erbracht, die Jungen dagegen bessere Mathematikleistungen. Der Vorsprung der Mädchen beim Lesen liegt am Ende der vierten Klasse bei einem halben Schuljahr, ähnlich hoch ist er bei den Jungen in Mathematik. Die einzigen Länder, die in Mathematik keine geschlechtsspezifischen Unterschiede aufweisen, sind Baden-Württemberg und Mecklenburg-Vorpommern. Dort ist es offenbar gelungen, so zu unterrichten, dass die geschlechtsspezifischen Stereotype vermieden wurden.

90 Prozent der in der Grundschule unterrichtenden Lehrer sind weiblich, in vielen Ländern sind die Lehrer mindestens 50 Jahre alt. Der Anteil junger Lehrer unter 30 Jahren ist in allen Ländern sehr gering. Einige Grundschullehrer unterrichten fachfremd, was sich vor allem in Mathematik zeigt.

Grundschullehrer mit Mathematikstudium verfügten nachweislich über Kompetenzen, die sich messbar in den Lernergebnissen der Schüler in Mathematik niederschlügen, heißt es in der Studie. Bei den Fortbildungen für Grundschullehrer gelten unterschiedliche Regelungen unter den Ländern. In einigen sind Fortbildungen verpflichtend, in anderen nicht.

Auffällig ist, dass die Lehrer selbst den Umgang mit heterogenen Klassen, also mit Schülern aus bildungsfernen und bildungsnahen Elternhäusern, mit deutschen und nichtdeutschen Kindern als dringendstes Desiderat für Fortbildungen angeben. Das Fortbildungsangebot selbst scheint dem realistischen Wunsch der Lehrer allerdings nicht in allen Ländern zu entsprechen.

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Jahrgang 1962, politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

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