http://www.faz.net/-gpf-8jwmo

Kundgebung in Köln : Polizei ist zufrieden mit Ablauf von Pro-Erdogan-Demo

  • Aktualisiert am

Fahnenmeer in Köln: Pro-Erdogan-Anhänger während der Großdemonstration Bild: dpa

Die Kölner Polizei hat ein positives Fazit zum Ablauf der Demonstration von knapp 40.000 Anhängern der türkischen Regierung gezogen. Starke Kritik gegenüber deutschen Behörden gab es hingegen vom türkischen Sportminister.

          Der Kölner Polizeipräsident Jürgen Mathies hat sich nach dem Ende der Pro-Erdogan-Demonstration zufrieden gezeigt. „Der gesamte Einsatz ist positiv verlaufen. Wir haben die Versammlung so durchführen können, wie vorgesehen“, sagte Mathies am Sonntagabend in Köln in einer ersten Bilanz. Die 30.000 bis 40.000 Teilnehmer hätten friedlich demonstriert. Mittlerweile sei die Demonstration beendet. Am frühen Nachmittag schätzte die Polizei die Zahl der Demonstranten noch auf 20.000.

          Bei der Gegendemonstration von Rechtsradikalen habe nach Angaben der Polizei eine so aggressive Stimmung geherrscht, dass diese aufgelöst werden musste. Ein Großteil der rund 300 Teilnehmer sei alkoholisiert gewesen, zudem habe die Polizei auch Quarzsand-Handschuhe sichergestellt. Nach letzter Absprache mit der Polizei sollten die Teilnehmer der Demonstration, die unter anderem von der Splitterpartei Pro NRW organisiert worden war, nur eine Standkundgebung abhalten. Stattdessen machten sich Teilnehmer – darunter laut Polizei auch gewaltbereite Hooligans – allerdings doch zu einem Marsch bereit. Die anderen drei Gegendemonstrationen seien vollkommen problemlos verlaufen, sagte Mathies. Insgesamt waren in Köln 2700 Beamte im Einsatz, die Polizei hatte auch Wasserwerfer bereitgestellt.

          Türkischer Sportminister kritisiert Verbot von Live-Schaltung

          Zuvor hatte der türkische Sportminister Akif Cagatay Kilic kritisiert, dass Präsident Recep Tayyip Erdogan nicht per Video-Leinwand live zu der türkischen Demonstration in Köln zugeschaltet werden durfte. Man sei mit mehreren Ministerien in Deutschland im Gespräch und erwarte eine „vernünftige Erklärung, warum das verweigert wurde“, sagte Kilic auf Türkisch am Sonntag in Köln. Der Minister betonte, es sei wichtig, „dass wir zusammenhalten (...) und dass wir unsere Einheit nach außen zeigen“. In einer verlesenen Grußbotschaft dankte Erdogan allen türkischstämmigen Bürgern in Deutschland für ihre moralische Unterstützung bei der Vereitelung des Staatsstreichs.

          Aus der Türkei angereist: der türkische Sportminister Akif Cagatay Kilic

          Wie Deutschland kämpfe auch die Türkei für Demokratie und gegen Terror. Es sei traurig, dass behauptete werde, dass die Türkei nicht die Menschenrechte und den Rechtsstaat wahre. Die deutschen Medien hätten Vorurteile. Der deutschen Politik warf Kilic vor, die Türkei werde ungleich behandelt gegenüber anderen Nationen, da es nicht die doppelte Staatsbürgerschaft gebe. Tatsächlich können aber Kinder türkischer Eltern, die in Deutschland geboren wurden und dort aufwachsen, seit Juli 2014 beide Staatsangehörigkeiten zugleich besitzen und und müssen sich nicht mehr zwischen beiden entscheiden.

          In Richtung „europäische Führungspersönlichkeiten“ sagte der Politiker, man habe den EU-Beitritt verlangsamt und verhindert: „Das geht so nicht.“ Kilic warb um ein gutes Verhältnis von Deutschen und Türken hierzulande und rief den Demo-Teilnehmern zu: „Seid gut zu Euren deutschen Nachbarn, bedrängt sie nicht.“ Im Gespräch mit der F.A.Z. hat der türkische Außenminister der EU eine Frist gesetzt, bis zu der die Visafreiheit für türkische Staatsbürger eingeführt werden sollte. Andernfalls wolle die Türkei das Flüchtlingsabkommen nicht mehr anerkennen.

          Thema der türkischen Kundgebung war der vereitelte Militärputsch in der Türkei vom 15. und 16. Juli. Zahlreiche Teilnehmer schwenkten türkische Flaggen oder trugen T-Shirts in den Nationalfarben. Zu der befürchteten Gewalt kam es zunächst nicht. „Die Lage ist relativ ruhig“, sagte der Kölner Polizeipräsident Jürgen Mathies der Nachrichtenagentur dpa. In der Innenstadt sei es zu kleineren Reibereien zwischen Nationaltürken und Kurden gekommen. Mit einer Schweigeminute gedachten die Teilnehmer der Opfer des gescheiterten Militärputsches in der Türkei sowie der Opfer der jüngsten Terroranschläge in Frankreich, Deutschland und der Türkei.

          18.000 Menschen nach Putschversuch festgenommen

          Die türkische Kundgebung wurde maßgeblich von der Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD) organisiert, die der AKP, der Partei des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan, nahesteht. Eine von den Veranstaltern geplante Zuschaltung von Erdogan auf einer Großleinwand war angesichts der aufgeheizten Stimmung schon im Vorfeld verboten worden. Der Sprecher Erdogans kritisierte das Verbot scharf. Das sei ein „inakzeptabler Zustand“, erklärte Ibrahim Kalin nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu am Sonntag in Ankara. Man frage sich, was der „wahre Grund“ dafür sei, dass die deutschen Behörden eine Ansprache Erdogans an seine Anhänger verhindere.

          Es sei auch inakzeptabel, dass die deutschen Behörden Demonstrationen der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK zuließen, eine „Demokratie-Veranstaltung“ gegen den Putschversuch mit dem Hinweis auf die Sicherheitslage jedoch beargwöhnten, und zu verhindern versuchten, sagte Kalin. In einer bei der Kundgebung verlesenen Erklärung hieß es, man versammle sich, um für „Rechtsstaatlichkeit, Einheit, Frieden und Unabhängigkeit einzustehen“. Die Erklärung haben laut UETD rund 100 Organisationen unterzeichnet, darunter auch der türkisch-islamische Dachverband Ditib und die Türkisch-Deutsche Industrie- und Handelskammer. „Alle Staaten, Organisationen, Parteien und (...) Politiker der Welt“ wurden aufgefordert, „solidarisch zum türkischen Volk“ und der Regierung in Ankara zu stehen.

          Seit dem Putschversuch Mitte Juli sind in der Türkei nach Regierungsangaben 18.000 Menschen festgenommen worden. Sie sollen Verbindungen zur Gülen-Bewegung haben, die von der Regierung für den Staatsstreich verantwortlich gemacht wird.

          Köln: Wer demonstriert wo für was?

          Weitere Themen

          Wer profitiert, wer verliert? Video-Seite öffnen

          Türkische Währungskrise : Wer profitiert, wer verliert?

          Während die Lira-Schwäche die Ersparnisse der Türken dahinschmelzen lässt, wird der Urlaub in der Türkei für Touristen immer billiger. Vor Luxus-Boutiquen in Istanbul gibt es bereits Schlangen aus arabischen und chinesischen Urlaubern.

          Topmeldungen

          Der amerikanische Vize-Präsident Mike Pence

          Trotz Strafzöllen : Washington will harten Kurs gegen Ankara fortsetzen

          Die Gegenmaßnahmen der Türkei schrecken die Vereinigten Staaten nicht: Vizepräsident Pence erklärt, man werde im Fall des inhaftierten Pastor Brunson nicht lockerlassen. Überraschend frei kam stattdessen der Ehrenvorsitzende von Amnesty International.
          In der Bekämpfung der Medien lässt er nicht nach: Der amerikanische Präsident Donald Trump

          Medien gegen Trump : „Wir sind nicht der Feind“

          Hunderte amerikanische Zeitungen veröffentlichen heute zeitgleich Leitartikel für die Pressefreiheit und wehren sich gegen die Angriffe von Präsident Trump. Nicht alle Medien sind jedoch von der Aktion begeistert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.