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Kritik nach Unicef-Studie „Hausfrauen sind keine Rabenmütter“

14.02.2007 ·  Die Unicef-Studie zur Lage der Kinder in Industrieländern, in der Deutschland nur Mittelmaß attestiert wird, hat dem Streit über die Familienpolitik neue Nahrung gegeben. Aus der Union hagelt es Kritik an Ministerin von der Leyen.

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Eine Vergleichsstudie des Kinderhilfswerks Unicef zur Lage der Kinder in 21 Industrieländern hat dem deutschen Streit über Kinderbetreuung neue Nahrung gegeben. Deutschland sei „nur Mittelmaß, wenn es darum geht, verlässliche Lebensumwelten für die junge Generation zu schaffen“, heißt es in dem Bericht.

Insgesamt kommt die Studie zu dem Schluss, nicht die Wirtschaftsleistung eines Landes allein entscheide darüber, ob sich Kinder wohl befinden. Der Bericht wurde am Mittwoch in Berlin von der Vorsitzenden von Unicef Deutschland, der früheren Ministerpräsidentin Simonis (SPD), vorgestellt.

Am Schluss der Rangliste, die nach den Kriterien materielle Situation, Gesundheit, Bildung, Beziehungen zu Eltern und Gleichaltrigen, Lebensweise und Risiken sowie der eigenen Einschätzung von Kindern und Jugendlichen erstellt wurde, stehen Großbritannien und die Vereinigten Staaten. „Vorn“ liegen die Niederlande, Schweden, Dänemark und Finnland. Bei Investitionen in die frühkindliche Betreuung sei Deutschland im internationalen Vergleich „Schlusslicht“.

„Völlig verfehlte Forderungen“

Politiker der SPD und ein Sprecher von Familienministerin von der Leyen äußerten, sie fühlten sich durch die Studie bestätigt. Die Vorsitzende des Familienausschusses, Griese (SPD), kritisierte den Unions-Fraktionsvorsitzenden Kauder. Kauder hatte sich für eine „Wahlfreiheit“ für die Familien stark gemacht, selbst zu entscheiden, ob ihre Kinder zu Hause durch einen Elternteil oder im Kindergarten erzogen werden sollten. Kauders Forderungen seien angesichts der Unicef-Studie „völlig verfehlt“.

Die Kritik aus der Union an Frau von der Leyen entzündete sich an den Vorstoß der Ministerin für einen forcierten Ausbau von Betreuungsplätzen. Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Falk sagte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, sie sehe die Gefahr, dass dies zu Lasten derjenigen Familien gehe, in denen ein Elternteil für die Kindererziehung die Erwerbsarbeit zurückstelle. Sie wende sich gegen einen Paradigmenwechsel, wonach „jetzt Hausfrauen Rabenmütter sein sollen“.

„Keine Unterabteilung der Arbeitsmarktpolitik“

Kauder sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“, es entstehe der Eindruck, die Union wolle nur noch das Familienmodell der erwerbstätigen Frau fördern. „Das halte ich für falsch.“ Auch er wolle, dass es ausreichend Plätze in Krippen und in der Ganztagsbetreuung gebe. Er werbe jedoch dafür, dass Eltern, die ihre Kinder zu Hause betreuen, „nicht als altmodisch verschrien werden“.

Der bayerische Landtagspräsident Glück (CSU) mahnte im Deutschlandfunk: „Familienpolitik darf keine Unterabteilung der Arbeitsmarktpolitik sein.“ Er habe den Eindruck, es Frau von der Leyen nur um dem Ausbau der Kinderbetreuung gehe.

Der Vergleichsbericht wurde am Mittwoch in Berlin von der Vorsitzenden von Unicef Deutschland, der früheren SPD-Politikerin Simonis, vorgestellt. Darin werden vorhandene Daten aus internationalen Studien wie der Bildungsstudie Pisa oder der Gesundheitsstudie HBSC zusammengestellt und ausgewertet. Deutschland kommt darin auf Rang 11 von 21 Ländern.

Ungünstiges Risikoverhalten

Neben den Bemerkungen zur Kleinkindbetreuung wird ein besonders ungünstiges Risikoverhalten deutscher Jugendlicher hervorgehoben, sichtbar am Rauchverhalten: 16 Prozent aller deutschen Jugendlichen rauchten, mehr als in jedem anderen Land. Ungünstig kommt Deutschland auch in der Beurteilung des Verhältnisses zwischen Eltern und Kindern weg. Mehr als die Hälfte der Fünfzehnjährigen geben an, ihre Eltern hätten „kaum Zeit, sich mit ihnen zu unterhalten“. In Ungarn und Italien sagt das nur jeder Vierte.

Erhebliche Unterschiede werden innerhalb von Deutschland gemessen. Dazu hat der Berliner Professor Hans Bertram, einer der wichtigsten wissenschaftlichen Zuarbeiter des Familienministeriums schon seit der Zeit der früheren Ministerin Renate Schmidt (SPD), eine Sonderstudie angefertigt. Demnach sind Lage und Zukunftsaussichten für Kinder in Bayern, Baden-Württemberg und Hessen am besten.

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