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Kritik aus AfD : Frauke Petry droht an sich selbst zu scheitern

Bereiten ihrer Partei Unbehagen: AfD-Vorsitzende Frauke Petry und ihr Lebensgefährte Marcus Pretzell (Archivfoto vom Bundespresseball 2015) Bild: dpa

In einem Interview mit einer Boulevardzeitung plaudert Frauke Petry über Privates – und rüffelt öffentlich prominente Parteifreunde. Intern ist die AfD-Vorsitzende zunehmend isoliert, trennte sich vom Pressesprecher. Droht ein Putsch gegen Petry?

          Sollten sich AfD-Mitglieder für das Privatleben ihrer Bundesvorsitzenden Frauke Petry interessiert haben, sind ihre Wünsche in dieser Woche erfüllt worden. Die Boulevardzeitschrift „Bunte“ veröffentlichte ein Gespräch mit Petry und ihrem Lebensgefährten, dem nordrhein-westfälischen Landesvorsitzenden Marcus Pretzell. Dieses Interview handelte von allem, was die Öffentlichkeit bisher nicht zu fragen wagte – oder zu wissen hoffte.

          Justus Bender

          Redakteur in der Politik.

          Dass es zwischen ihnen keine „Liebe auf den ersten Blick“ (Petry) gewesen sei, zum Beispiel. Dass es bis zum ersten Kuss „eine ganze Weile“ gedauert habe (Pretzell). Dass Pretzell „vielleicht der Anlass, aber nicht der Grund“ für Petry war, ihren Ehemann zu verlassen. Dass sie an Pretzell dessen „männliche Stärke“ schätze, er umgekehrt ihr Aussehen, das etwas „dämonenhaft Schönes“ habe. Beide berichteten auch aus der Zeit, in der sie sich ineinander verliebten. „Und bamm... Ich fand Frauke immer attraktiver“, sagte Pretzell, der zweimal betonte, dass er intelligente Frauen „sexy“ finde. Seit die Zeitschrift erschienen ist, kursiert in Kreisen der Parteiführung der Begriff des Fremdschämens.

          Das war freilich nicht die einzige Reaktion, die der Artikel hervorrief. Petrys Aussagen enthielten nicht nur Privates, sondern auch Zunder von einer Sorte, der eine Führungskrise in der Parteispitze auslösen könnte, an deren Ende führende Vertreter der Partei bereit sein könnten, Petry als Parteivorsitzende so in Frage zu stellen, wie sie es hinter vorgehaltener Hand seit Wochen tun.

          Petry führt Gauland und von Storch vor

          Die „Bunte“-Journalisten sprachen mit Petry auch über die sogenannte Schießbefehldebatte. Damals war Petry von der Berliner Landesvorsitzenden Beatrix von Storch verteidigt worden. Storch hatte zugestimmt, dass die AfD die illegale Einreise von Frauen und Kindern mit Waffengewalt verhindern wolle. Darauf angesprochen, sagte Petry nun der „Bunten“: „Was Beatrix gesagt hat, war katastrophal. Ich will keine Toten.“ Die AfD-Vorsitzende hatte mal eben offen gelassen, ob ein Bundesvorstandsmitglied ihrer Partei Tote wolle. In der „Bild“-Zeitung giftete Storch prompt zurück: „Die Debatte um Schusswaffen hat Frauke Petry losgetreten. Das war der Kardinalfehler.“

          Auf die Frage, ob die Aussage des stellvertretenden Bundesvorsitzenden Alexander Gauland, die Flüchtlingskrise sei ein „Geschenk“ für die AfD, zynisch gewesen sei, sagte Petry: „Ein fataler Satz. Man kann sich doch nicht über Entwicklungen freuen, die dem Land schaden.“ Das klang nicht nach einer Vorsitzenden, die sich in der Öffentlichkeit schützend vor ihre Parteifreunde stellt. Gauland war, nachdem er von Petrys Äußerung erfahren hatte, nicht zu einer Stellungnahme bereit. Die nächsten Wochen könnten interessant werden in der AfD.

          Zerwürfnis mit Pressesprecher

          Das Bundesvorstandsmitglied André Poggenburg sagte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung nach Erscheinen des „Bunte“-Artikels: „Man merkt daran die Spannungen, die da sind.“ Andere Vertreter der Parteiführung schwiegen lieber. Unter Zusicherung von Vertraulichkeit sind ranghohe Funktionäre jedoch seit Wochen bereit, offen über ihre Bedenken gegen Petrys Führungsstil zu sprechen. Betont wird dabei stets, es gehe nicht um einen aktiven Putsch gegen Petry, und auch nicht um ideologische Fragen – sondern um den Eindruck, Petry fehle es an politischem Instinkt, und an der Fähigkeit, Fehler einzugestehen. Sinngemäß lautet die Devise der Kritiker: Niemand wolle Petry Böses, aber sie drohe, an sich selbst zu scheitern. Petry selbst war am Freitag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

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