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Kritik an Schulen : Eltern gegen Schulzeitverkürzung

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Nach dem Willen der meisten Eltern sollen Grundschüler sechs statt vier Jahre lang gemeinsam lernen Bild: dpa

Die meisten Eltern lehnen die Verkürzung der Gymnasialzeit von neun auf acht Jahre ab. Laut einer Studie wünschen sich 60 Prozent von ihnen, dass ihre Kinder sechs anstatt vier Jahre gemeinsam in der Grundschule lernen.

          Laut einer am Mittwoch in Berlin vorgestellten Studie lehnen Eltern die Verkürzung der Gymnasialzeit von neun auf acht Jahre mit großer Mehrheit ab. Sie fordern den Ausbau von Ganztagsschulen und befürworten eine sechs Jahre dauernde Grundschulzeit. Zudem sehen die meisten Eltern die aus ihrer Sicht wichtigsten Ziele in der Bildungspolitik in Deutschland nicht verwirklicht. Für die Studie hatte das Sozialforschungsinstitut TNS Emnid bundesweit 3000 Eltern mit schulpflichtigen Kindern im Alter bis zu 16 Jahren befragt.

          60 Prozent der Eltern wünschen sich demnach, dass ihre Kinder sechs anstatt vier Jahre gemeinsam in der Grundschule lernen. 79 Prozent würden außerdem eine neun Jahre dauernde Gymnasialzeit für ihre Kinder wählen, wenn sie könnten, und befürworten eine bundesweite Rücknahme der Verkürzung der Gymnasialzeit auf acht Jahre (G8). Nur 17 Prozent befürworten die G8-Reform. Wenn es bei der Verkürzung bleibe, müssten laut einer Mehrheit der Befragten zumindest die Lehrpläne besser an die kürzere Lernzeit angepasst werden. 70 Prozent der Eltern würden ihre Kinder zudem gerne auf eine Ganztagsschule schicken, wenn sie die Wahl hätten. Der Leiter der Studie, Klaus-Jürgen Tillmann von der Universität Bielefeld, bezeichnete die Ergebnisse als „Ohrfeige“ für die Bildungspolitiker aller Parteien und die Kultusministerkonferenz.

          Rund 80 Prozent der Eltern wünschen sich Chancengleichheit, die intensive Förderung lernschwacher Schüler und die Vermittlung einer umfassenden Allgemeinbildung in der Schule. Weniger als ein Drittel der Eltern sieht diese Ziele in der deutschen Bildungspolitik umgesetzt; knapp zwei Drittel gaben an, selbst Aufgaben zu übernehmen, für die ihrer Ansicht nach die Schulen zuständig wären. Trotzdem beurteilt eine große Mehrheit die Lehrer ihrer Kinder als engagiert und fachkundig.

          Das Leistungsprinzip halten drei Viertel der Eltern für verwirklicht, nur 28 Prozent messen dem aber große Bedeutung bei. Auch eine stärker berufsbezogene Schulausbildung und eine bessere Begabtenförderung hat für die meisten Eltern keine Priorität. Nur 52 beziehungsweise 44 Prozent der Befragten wünschen sich in diesem Bereich Verbesserungen. Hingegen halten 74 Prozent es für sehr wichtig, dass Schüler in allen Bundesländern die gleichen Lernbedingungen vorfinden. Nur 17 Prozent glauben allerdings, dass die deutsche Bildungspolitik dies leistet.

          Der Inklusion, also den gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderungen, stimmen die Eltern hingegen nicht vorbehaltlos zu. Zwar befürworten 89 Prozent die Integration von körperlich beeinträchtigten Kindern und 72 Prozent die Integration von Kindern mit Lernschwierigkeiten. Die Integration von Kindern mit geistigen Behinderungen oder Verhaltensauffälligkeiten unterstützt dagegen nur knapp die Hälfte.

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