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Kristina Schröder Absage an die Ehrenauszeichnung

Bei der Bundestagswahl im September sollte Kristina Schröder die Spitzenkandidatin der CDU in Hessen werden. Nun soll sie diese Position doch nicht haben. Warum? Eine Spurensuche.

© IMAGO Vergrößern Die Welt aus verschiedenen Blickwinkeln: Kristina Schröder und Roland Koch auf dem Landesparteitag der CDU im Sommer 2012

Mit Kristina Schröder hatte Volker Bouffier vor drei Jahren noch große Pläne. Die am 30. November 2009 von Angela Merkel überraschend zum jüngsten Kabinettsmitglied beförderte Familienministerin werde in der Partei eine „herausragende Aufgabe übernehmen“, verkündete Bouffier seinerzeit vor seiner Wahl zum neuen hessischen Ministerpräsidenten und Vorsitzenden der Hessen-CDU. Mit der ehrgeizigen Wiesbadener Bundestagsabgeordneten wollte der Nachfolger Roland Kochs die konservative, überalterte und männlich geprägte Hessen-CDU jünger, weiblicher und auch für Wähler in Großstädten attraktiver machen. Wenige Monate vor der Landtagswahl am 22. September hat der 61 Jahre alte Bouffier diesen schönen Plan nun endgültig begraben müssen.

Thomas Holl Folgen:      

Denn vor gut einer Woche rief die Ministerin beim Ministerpräsidenten an, um ihm eine Absage zu erteilen, die von manchen in der Partei als Brüskierung empfunden wird. In einem Telefongespräch verzichtete die 35 Jahre alte Politikerin dem Vernehmen nach freiwillig auf die Spitzenkandidatur der Hessen-CDU für die Bundestagswahl, die diesmal gleichzeitig mit der Landtagswahl stattfindet. Dabei hatten beide, wie es in der CDU heißt, Ende Februar in einem persönlichen Gespräch in Berlin genau das Gegenteil verabredet. Die junge CDU-Frau sollte die Landesliste für den Bundestag anführen, erzählt man sich in der Partei. Es sei die „logische Konsequenz“ aus Kristina Schröders Stellung im Bundeskabinett gewesen, dass Bouffier sie der Partei als Spitzenkandidatin habe vorschlagen wollen.

Die Geschäftsgrundlage hat sich verändert

Mehrfach hatte der CDU-Landesvorstand darüber beraten, ohne sich jedoch festzulegen. In der Hessen-CDU ist es ein offenes Geheimnis, dass der Koch-Vertraute und frühere Verteidigungsminister Franz Josef Jung sich wie 2005 und 2009 abermals Platz eins als Startposition wünschte. Die Spitzenkandidatur würde seine Rückkehr in den Bundestag sichern und wäre zudem ein Signal an konservative Stammwähler. Nach dem Verzicht Kristina Schröders führe auf dem Listenparteitag am 25. Mai in Alsfeld nun wohl kein Weg mehr an Jung vorbei, heißt es in der CDU.

Bei jenem Treffen, um das Bouffier gebeten haben soll, sprachen der Ministerpräsident und die Ministerin auch über eine Arbeitsteilung in den anstehenden Wahlkämpfen. Beide sollen sich in der Analyse einig gewesen sein, dass Bouffier als Landesvater die älteren Stammwähler in den ländlichen und kleinstädtischen CDU-Hochburgen mobilisiere, während die junge Politikerin als Spitzenkandidatin das großstädtische, weibliche und liberale Wählerspektrum ansprechen solle. Doch wenige Wochen nach diesem Gespräch, so wird in der CDU berichtet, habe sich die Geschäftsgrundlage für Kristina Schröder durch zwei Vorgänge grundlegend verändert.

Am 10. März gewann der unbekannte SPD-Kommunalpolitiker Sven Gerich im zweiten Durchgang die Oberbürgermeisterwahl in der Landeshauptstadt Wiesbaden. Für viele in der CDU war es ein Schock, dass ein SPD-Kandidat vom rechten Flügel, der sich zur Lebenspartnerschaft zu seinem Mann bekennt, gegen einen beliebten Amtsinhaber mit liberaler Ausrichtung eine als uneinnehmbar eingeschätzte bürgerliche Festung der CDU eroberte. Der zweite und damit zusammenhängende Vorgang für eine Neubewertung der ihr angetragenen Spitzenkandidatur, so heißt es in der CDU, sei der Verlauf der parteiinternen Debatte um die steuerliche Gleichstellung der Homo-Ehe gewesen.

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