22.03.2009 · Polizisten in Deutschland werden immer öfter Opfer von Gewalt. Schuld sind mangelnder Respekt und ein zunehmender Einfluss von Alkohol, wie Behörden und Polizeiführer von Bund und Ländern gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung beklagten.
Von Markus Wehner und Philip EppelsheimPolizisten in Deutschland werden immer öfter Opfer von Gewalt. Das beklagen Innenbehörden und Polizeiführer von Bund und Ländern. Als Gründe gelten mangelnder Respekt von jugendlichen Migranten sowie der Einfluss von Alkohol.
Die Zahl der Übergriffe gegen Polizisten sei im vergangenen Jahrzehnt stetig gestiegen, sagte Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. „Dies scheint bundesweit ein Trend zu sein.“ Zahlen legen das nahe: So nahm die Zahl der Straftaten gegen Polizisten, Justizbeamte oder Feuerwehrleute nach Angaben des Berliner Polizeipräsidiums bundesweit in den vergangenen zehn Jahren um fast 22 Prozent zu.
„Respekt vor Polizeibeamten ist gesunken“
„Der Respekt vor Polizeibeamten ist allgemein gesunken, insbesondere bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund“, sagte der Präsident des Bundespolizeipräsidiums, Matthias Seeger. Beim Einsatz von Polizisten eskalierten Situationen aus nichtigem Anlass heute eher als noch vor wenigen Jahren. „So kann beispielsweise die Aufforderung, die Zigarette zu löschen, zu gewalttätigen Auseinandersetzungen führen“, sagte Seeger. Neben fehlendem Respekt senkten Alkohol und Drogen die Hemmschwelle, Polizisten anzugreifen. Auch Schünemann wies auf die Rolle des Alkohols hin: „Bei gut siebzig Prozent der Übergriffe waren die Täter alkoholisiert.“
Berlin liegt bei Gewalttaten gegen Polizisten seit Jahren an der Spitze. Im vergangenen Jahr gab es dort 3371 Übergriffe gegen Vertreter der Staatsgewalt. „Berlin ist auf diesem Gebiet leider Vorreiter gewesen. Die Zahlen steigen nun auch in den anderen Bundesländern“, sagte Berlins Polizeivizepräsident Gerd Neubeck. Alles, was Uniform trage, sei „Objekt des Hasses“, heißt es bei der Gewerkschaft der Polizei in Berlin. „Probleme mit nichtdeutschen und deutschen Intensivtätern mit Migrationshintergrund“ würden immer bedrohlicher.
Körting: Zahlen „zurückhaltend interpretieren“
Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) hingegen sagte, man müsse die Zahlen zurückhaltend interpretieren. „Darunter fallen Vorgänge, wie bei Demonstrationen am 1. Mai, wenn jemand versucht, sich der Festnahme als Randalierer zu entziehen“, sagte Körting. Das sei etwas anderes als der gezielte Angriff auf einen Polizeibeamten. Es stimme, dass ein Teil der jugendlichen Migranten sich nicht integriere. Doch begehe nur eine Minderheit von ihnen Straftaten. „Es wäre falsch zu sagen, da wächst eine Generation von Jugendlichen mit Migrationshintergrund heran, die überwiegend kriminell wird.“
Eine am Dienstag vorgestellte Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen kommt zu dem Ergebnis, dass „Jugendliche mit Migrationshintergrund häufiger Gewalttaten begehen als deutsche Jugendliche“. Ein wichtiger Grund dafür sei, dass junge Migranten viel öfter als deutsche Jugendliche Opfer innerfamiliärer Gewalt seien. Zudem liege eine Ursache in „Gewalt legitimierenden Männlichkeitsnormen“.
Markus Wehner Jahrgang 1963, politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.
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Philip Eppelsheim Jahrgang 1981, Redakteur in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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