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Zukunft der Kriegsführung : Der Aufstieg der Scharfschützen

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Ein amerikanischer Scharfschütze auf seinem Beobachtungsposten in der Provinz Kunar in Afghanistan Bild: Reuters

Wo sich Kriege immer mehr in Städte verlagern, werden sie wichtiger: Die Rede ist nicht von Drohnen, sondern von Scharfschützen. Sie sind wichtig für die Absicherung – und eine effektive Waffe. Ein Gastbeitrag.

          Die Bundeswehr hatte bis Ende der 1990er Jahre noch nicht einmal ein Scharfschützenprogramm; mittlerweile ist die Fähigkeit in den Teilstreitkräften Heer, Marine und Luftwaffe vorhanden. Selbst die Feldjäger verfügen über eigene Präzisionsschützen. Bei den amerikanischen Marineinfanteristen sind Scharfschützen inzwischen so bedeutend, dass sie eigene Einheiten bilden. „Auch wir arbeiten auf dieses Ziel hin“, so Hauptfeldwebel Markus E., der seinen wirklichen Namen nicht preisgeben will und Scharfschützenausbilder der Bundeswehr ist, im Gespräch.

          Dabei waren Scharfschützen in den Jahrzehnten des Kalten Krieges für die deutschen Militärs unwichtig. Jene planten für große Panzerschlachten in der norddeutschen Tiefebene, bei denen Scharfschützen keinen Mehrwert boten. Doch im Zeitalter der asymmetrischen Konflikte verlagert sich der Krieg immer mehr von der Fläche in die Städte.

          Diese Urbanisierung des Krieges ist der wesentliche Grund für den Trend zum Ausbau des Scharfschützenwesens. Entscheidende Militär-Operationen heutiger Kriege sind jene um den Besitz von Städten wie Mossul in Irak oder Donezk in der Ostukraine – eine Entwicklung, die Bestand haben wird. Die Mehrzahl der Menschen wird Mitte des Jahrhunderts im urbanen Umfeld und in Megastädten leben. Für Auseinandersetzungen heißt das: Wer die Orte hat, gewinnt. Das macht Scharfschützen zur wichtigen Waffe. Gerade im Häusermeer sind sie sehr effektiv; dort können sie sich ohne Probleme getarnte Stellungen schaffen, um das Vorgehen des Feindes mit „Schüssen aus dem Nichts“ zu lähmen, Angst zu verbreiten und Feind-Bewegungen zu überwachen.

          „Sniper Alley“

          Laut der Bundeswehr war der Auslöser zum Aufbau ihrer eigenen Scharfschützenkräfte die Belagerung Sarajevos im jugoslawischen Bürgerkrieg der 1990er Jahre – „Sniper Alley“ wurde die Hauptstraße der Metropole genannt. Die bei der damaligen UN-Mission beteiligte Bundeswehr, wollte die Fähigkeit zum „Counter-Snipping“ – das heißt, dem Aufspüren und Töten von Heckenschützen. Dieses Absichern eigener Kräfte, ist bei westlichen Streitkräften heutige Kernaufgabe der Sniper.

          Dafür beschaffte die Bundeswehr ab 1997 ihr erstes Scharfschützengewehr – eine Waffe der britischen Firma Accurracy International, die als G22 bezeichnet wird. Die ersten Bundeswehr-Scharfschützen besuchten noch Lehrgänge bei der britischen und amerikanischen Armee. Inzwischen bildet die Schießinspektion des Heeres in Hammelburg alle Scharfschützen der Bundeswehr aus. Ausbilder Markus E. sagt.: „Vier Wochen bereiten die Einheiten ihre Anwärter vor, dann kommen sie zur Schießinspektion für den vierwöchigen Grundlehrgang.“

          Die neue Fähigkeit ist allerdings auf Kante genäht. Gerade einmal sechs Unteroffiziere als Fachleute für das sehr präzise Schießen hat die Schießinspektion. Denn für Scharfschützen gibt es keinen Karrierepfad bei der Bundeswehr. Die meisten bleiben somit Zeitsoldaten, die mit ihrem Spezialwissen die Truppe bald wieder verlassen. Nachhaltig ist das nicht. Kommen die ausgebildeten Scharfschützen zurück in ihre Einheiten bei den Teilstreitkräften, setzen diese eigene Akzente. So üben Scharfschützen der Marine, beim Auf und Ab des Seegangs angreifende Schnellboote mit Schüssen in den Motorblock zu stoppen. Im Afghanistan-Einsatz übernahmen Bundeswehr-Scharfschützen dann vor allem Absicherungsaufgaben, beispielsweise von Feldlagern oder bei Trupps zur Bombenentschärfung.

          Scharfschützen – die Drohne von gestern?

          Eine klassische Rolle verlieren Scharfschützen dagegen zunehmend an die Drohnen. Das Ausschalten von Führungspersonal des Gegners stand an den Anfängen des Scharfschützenwesens und bestimmt bis heute deren Bild in der Öffentlichkeit. So hatten die amerikanischen Siedler im Unabhängigkeitskrieg 1775 zunächst keine Chance gegen das geballte Feuer der britischen Infanterieverbände. Da begannen sie, mittels guter Schützen, gezielt britische Offiziere vom Pferd zu schießen, um die Ordnung der feindlichen Kriegsmaschine zu stören – eine erfolgreiche Taktik. Im Winterkrieg von 1940 zermürbten die aus der Defensive kämpfenden Finnen sowjetische Angriffe mit Scharfschützen, die Führungskräfte wie Panzerkommandanten erschossen.

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